Drei Tage nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses in Florida erschwert ein Feuer die Suche nach Vermissten.
Provisorische Gedenkstätte mit Fotos von Vermissten
Provisorische Gedenkstätte mit Fotos von Vermissten - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Gutachter warnte 2018 vor Bauschäden.

Die Suche nach möglichen Überlebenden gehe unter Hochdruck weiter, doch werde sie durch den Brand massiv behindert, sagte die Verwaltungschefin des Verwaltungsbezirks Miami Dade, Daniella Levine Cava, am Samstag. Unterdessen wurde bekannt, dass ein Gutachter schon vor drei Jahren vor Bauschäden gewarnt hatte.

«Wir haben weiterhin Hoffnung. Wir suchen weiter. Wir suchen nach lebenden Menschen in den Trümmern, das ist unsere Priorität», sagte Levine Cava. Gleichzeitig aber räumte sie ein, dass das Feuer die Rettungsmannschaften vor grosse Probleme stelle. Bisher sei es der Feuerwehr nicht gelungen, den Brandherd ausfindig zu machen und die Flammen zu löschen. Inzwischen breite sich der Rauch auf dem gesamten Gelände aus. Die Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Das zwölfstöckige Wohngebäude Champlain Tower in der Stadt Surfside nördlich von Miami Beach war in der Nacht zu Donnerstag eingestürzt. Einige Bewohner konnten sich noch über die Treppen in Sicherheit bringen oder wurden von Balkonen gerettet. Es wird befürchtet, dass viele aber von dem Einsturz im Schlaf überrascht wurden.

Bis Freitag wurden vier Tote gemeldet, von 159 Menschen war der Verbleib unklar. Unter den Opfern war auch Stacie Fang, die Mutter eines 15-jährigen Jungen, der am Donnerstagmorgen aus den Trümmern gerettet worden war. Laut einem Bericht des «Miami Herald» wurde sie noch ins Krankenhaus gebracht, konnte aber nicht mehr gerettet werden.

Die Zahl der Toten und Vermissten habe sich im Vergleich zum Vortag nicht verändert, sagte Verwaltungschefin Levine Cava am Samstag. Mit jeder Stunde aber sinkt die Hoffnung, Verschüttete noch lebend bergen zu können. In der Nähe des Unglücksortes entstand eine provisorische Gedenkstätte mit Kerzen, Blumen und Fotos von Vermissten.

Unter den Angehörigen von Vermissten machte sich Frustration breit: «Es wird nicht genug getan», sagte Mike Salberg, der nach dem Unglück aus New York nach Miami geflogen war, weil fünf Familienmitglieder, darunter seine Eltern, vermisst werden.

Von dem Einsturz betroffen waren insgesamt 55 Wohnungen. Bis Samstag war immer noch unklar, wie viele Menschen sich zum Unglückszeitpunkt in dem Gebäude aufhielten, in dem sich auch viele Ferienwohnungen befanden. Laut dem republikanischen Senator von Florida, Marco Rubio, kommen viele der Vermissten aus dem Ausland, unter anderem aus Argentinien, Uruguay und Paraguay. Kanada erklärte, dass auch mindestens vier Kanadier «betroffen» sein könnten.

Medienberichten zufolge war das Gebäude in der Nähe des Strands von Surfside 1981 gebaut worden. Laut den Behörden ist unklar, warum das Gebäude teilweise einstürzte. Ein von der Stadt Surfside am Freitag veröffentlichtes Gutachten aus dem Jahr 2018 stellte aber schon damals «grosse strukturelle Schäden» sowie Risse und Abbröckelungen im Keller des Gebäudes fest. Demnach forderte der Experte Frank Morabito, die Schäden zeitnah zu beheben.

Morabito führte vieler der Schäden auf die salzhaltige Meeresluft zurück. Dass das Gebäude einsturzgefährdet sei, schrieb er aber nicht. Ein Anwalt der Eigentümer sagte der «New York Times», die Arbeiten für die millionenschweren Reparaturen hätten «gerade erst begonnen».

Laut einer Studie des Umweltwissenschaftlers Shimon Wdowinski von der Florida International University wurden an dem Standort Mitte der 90er Jahre zudem Anzeichen von Bodensenkungen festgestellt. «Ich weiss nicht, ob der Einsturz vorhersehbar war. Aber wir haben festgestellt, dass sich das Gebäude damals bewegte», sagte Wdowinski dem Sender CNN.

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