SC Bern: Wie lange dauerte Verarbeitung von Rauswurf, Jussi Tapola?
Im Oktober musste Jussi Tapola seinen Trainer-Posten beim SCB räumen. Nun spricht der jetzige AmbrÌ-Coach über den Rauswurf in Bern.

Es war eine Überraschung, als AmbrÌ im Januar Jussi Tapola als Trainer präsentierte. Einen so prominenten Coach beschäftigte der Klub lange nicht mehr – wie bei den Spielern ist AmbrÌ für namhafte Kräfte selten erste Wahl. Und es ist noch nicht lange her, da war Tapola einer der gefragtesten Trainer Europas, nach vier Meistertiteln mit Tappara Tampere.
Zwei Jahre in Bern haben Tapolas Reputation nicht geschadet, eher im Gegenteil: Längst hat sich gezeigt, dass es eine bemerkenswerte Leistung war, mit dem SCB 2024/25 den dritten Platz zu erreichen. Die Entlassung im Oktober nach nur neun Spielen war ein überhasteter Entscheid, der den SCB nicht weiter gebracht hat.
Wie lange dauerte es, bis Tapola den Rauswurf verarbeiten konnte? «Nicht lange», sagt er, und ergänzt: «Natürlich willst du nie entlassen werden. Aber wenn du diesen Job wählst, weisst du, wie die Regeln sind und musst mit den Konsequenzen leben. Es gehört schlicht dazu.»

Ohne die Freistellung in Bern wäre Tapola nicht in Ambrì gelandet – schon nur finanziell: Tapola kostete den Klub wenig, weil er beim SCB immer noch auf der Lohnliste stand. «Er wäre für uns sonst nicht finanzierbar gewesen», sagt ein AmbrÌ-Funktionär.
Tapola unterschrieb zunächst bis zum Saisonende – und verlängerte seinen Vertrag im März gleich bis 2029. Die Übereinkunft wurde geschlossen, nachdem sich Ambrì einige Absagen eingehandelt hatte:
Von Patrick Schöb, dem Assistenztrainer in Bern. Von Lars Leuenberger. Von den Gebrüdern Von Arx, mit denen der Vertrag eigentlich schon ausgehandelt war.
Ein Dreijahresvertrag für mehr Stabilität
Es ist möglich, dass sich diese Absagewelle noch als Segen entpuppt. Dann, wenn Tapola Ambrì in eine goldene neue Ära führt. Zu seinem langfristigen Vertrag sagt er: «Das geschah auf meinen Wunsch. Es erhöht von beiden Seiten das Commitment.»
Ambrì wird Zeit brauchen, um seine sportlichen Probleme zu lösen – das Team ist alt, es fehlt überall an Qualität. Und auch an Geld: Den Verein drücken weiterhin Schulden in Millionenhöhe. Dem im Februar frisch gewählten Präsident Davide Mottis wird so schnell nicht langweilig werden.
Der Dreijahresvertrag gibt Tapola die Stabilität, seine Ideen zu verwirklichen, ohne bei jeder Niederlage um den Job fürchten zu müssen. Was es ihm erlaubt, mehr Eiszeit für Simone Terraneo als für Zaccheo Dotti zu finden, salopp formuliert.

Für einen Klub, der dringend auf junge Spieler setzen muss, ist das viel wert. Für Ambrì ist es punkto Klubpolitik eine radikale Abkehr zum Modus Operandi der Ära Luca Cereda/Paolo Duca: Cereda war während seiner gesamten Amtszeit unbefristet angestellt gewesen.
Tapola hat mit Tappara und dem SCB grosse Teams gecoacht. Wenn man ihn fragt, wie sein Profil zum ewigen Aussenseiter Ambrì passt, antwortet er: «Bei Tappara haben wir jedes Jahr fünf, sechs, sieben Spieler ersetzen müssen, weil wir sie in die NHL verloren haben. Wir haben viel in die Entwicklung junger Spieler investiert, das war alternativlos.»
Er selbst war als Spieler Halbprofi, trat schon mit 28 zurück, wurde Lehrer und arbeitete sich danach als Trainer empor. Für Tappara hat er in wechselnden Funktionen zehn Jahre lang gearbeitet – und tat dies so erfolgreich, dass er irgendwann nichts mehr zu beweisen und erreichen hatte. Er verliess den Klub 2023 aus freien Stücken, um eine neue Herausforderung zu suchen.
Ambrì hat seit 26 Jahren keine Playoff-Serie mehr gewonnen
Und doch kann man sich fragen, was Tapola an der Aufgabe Ambrì reizt, einem Klub, der seit dem Jahr 2000 keine Playoff-Serie mehr hat gewinnen können und in elf der letzten zwölf Jahre die Playoffs verpasst hat. Ein Aspekt ist fraglos das Geld.
In Finnland verdient ein Top-Trainer zwischen 150'000 und 200'000 Franken, bei einheimischen Trainern fällt knapp die Hälfte für Steuern weg. Da ist ein Engagement in der Schweiz deutlich lukrativer. Tapola sagt zudem: «Es braucht einen Aufbau, aber ich sehe viel Potenzial in diesem Verein.»
Als Beispiel nennt er die jungen Verteidiger Luc Bachmann und Dario Wüthrich, die er beide als potenzielle Nationalspieler einstuft.
Jussi Tapola
Nationalität: FIN
Geboren: 13. Juni 1974
Bei HC Ambrì-Piotta seit: 2026
Vertrag bis: 2029
Bisherige Klubs: SC Bern (NL), Tappara (Liiga), Kunlun Red Star (KHL)
Bisherige Erfolge: 4x Meister mit Tappara (Liiga), 1x Champions Hockey League mit Tappara
Tapola sagt auch: «Ich mag es, wie familiär in Ambrì alles ist. Und wie gross die Verbundenheit der Leute mit dem Verein ist. Ich wohne in Bellinzona und bin in zwei Wochen häufiger erkannt und angesprochen worden als in mehr als zwei Jahren in Bern.»
Der grosse Aufreger von Tapolas ersten Monaten in Ambrì war die Freistellung des Topskorers Chris DiDomenico, dessen Vertrag aufgelöst wurde. Der Kanadier war ein Quell steter Unruhe, seine Disziplinlosigkeit konnte er auch unter Tapola nicht ablegen.
Und dieser zögerte nicht, die Konsequenzen zu ziehen. Tapola sagt: «Wir können nur Erfolg haben, wenn alle für die gleichen Werte stehen. Wenn das nicht der Fall ist, trennt man sich besser.»
Ambrì wird 2026/27 nur konkurrenzfähig sein können, wenn es über erstklassige Ausländer verfügt. Mit den Verteidigern Tim Heed und Jesse Virtanen sowie dem tschechischen Stürmer Petr Kodytek (27, IFK Helsinki) stehen bisher drei Ausländer unter Vertrag.
Nummer 4 soll der kanadische Angreifer Nate Schnarr (27, Kölner Haie) sein. Beim bestehenden Personal lobt Tapola explizit den kanadischen Flügelstürmer Alex Formenton. Und sagt aber: «Ich denke, seine Zukunft liegt in der NHL, er hat so viel Qualität.»
Ambrì muss hoffen, dass Tapola einen vergleichbaren Hochkaräter zur Unterschrift bewegen kann wie in Bern 2024 Waltteri Merelä. «Wir werden gute Ausländer finden», sagt Tapola. Mit ihm ist der Optimismus zurück in der Gottardo Arena.












