Anthony Richard: Wie gemacht für die National League

    Frank Stettler
    Frank Stettler

    Freiburgs Neuzugang Anthony Richard überzeugt mit Tempo. Der Kanadier sieht seinen Spielstil als ideal für Gottéron und die National League.

    Freiburgs neuer Kanadier Anthony Richard.
    Freiburgs neuer Kanadier Anthony Richard. - keystone

    Viel hätte nicht gefehlt und Anthony Richard könnte sich Schweizer Meister nennen. Tatsächlich wollte Gottérons Sportchef Gerd Zenhäusern den Kanadier bereits für die Playoffs 2026 an die Saane holen. Der Rest ist Geschichte. «Wäre ich etwas früher gekommen, hätte ich vielleicht den Titel holen können.

    Es schmerzt ein wenig, das verpasst zu haben», trauert Richard der verpassten Chance mit einem Lächeln auf den Lippen nach. Das Timing habe damals schlicht nicht gepasst. «Ich war an die Lehigh Valley Phantoms und die Philadelphia Flyers gebunden.

    Als loyaler Mensch wollte ich mich mit meinen Freunden für die Playoffs qualifizieren.» Dass dieses Unterfangen mit dem AHL-Team der Flyers misslang, war dann allerdings doppeltes Pech. Auf dem Zettel hatten die Freiburger Richard schon länger.

    Zenhäusern wurde 2025 während der erfolgreichen Teilnahme am Spengler Cup auf den 29-Jährigen, der im Team Canada spielte, aufmerksam – so wie andere Schweizer Klubs ebenfalls. Konkret wurde es jedoch einzig mit Gottéron.

    Anthony Richard könnte sich Schweizer Meister nennen.
    Anthony Richard könnte sich Schweizer Meister nennen. - keystone

    Explosiver Antritt

    Der Kanadier wusste bei seiner Ankunft im Sommer schon ziemlich genau, was ihn an der Saane erwarten würde. «Ich habe mir sämtliche Finalspiele gegen Davos angeschaut. Es war unglaublich zu sehen, dass beispielsweise nach Spiel 6 eine halbe Stunde nach der Partie und während der Analyse des Kommentators das Stadion noch voll war. Ich hatte Gänsehaut, wie die Fans den Captain und den Torhüter nach ihren letzten Heimspielen mit stehenden Ovationen verabschiedet haben.»

    Nicht nur die Stimmung in der BCF-Arena vermochte Richard davon zu überzeugen, den Sprung nach Europa zu wagen, sondern auch der Spielstil in der National League. «Ich denke, dass ich dafür gemacht bin, hier zu spielen. Seit ich Profi bin, habe ich genau den Stil gesucht, den Gottéron praktiziert. In Nordamerika setzt man auf die Physis, hier geht es um Schnelligkeit.»

    Es ist just dieses beeindruckende Tempo Richards, das Trainer Rönnberg («Richard ist einer der schnellsten Spieler, die ich je gecoacht habe») und seine neuen Teamkollegen herausstreichen. Bestätigt werden diese Eindrücke durch Scouting Reports.

    Der explosive Antritt sei seine Hauptwaffe, ist etwa zu lesen. Er sei hervorragend darin, bei Gegenangriffen und im Forechecking die Verteidigung schnell in einen Angriff umzuwandeln, heisst es woanders.

    Anthony Richard: «Ich denke, dass ich dafür gemacht bin, hier zu spielen.»
    Anthony Richard: «Ich denke, dass ich dafür gemacht bin, hier zu spielen.» - keystone

    Sein Spiel sei dem von Attilio Biasca und Christoph Bertschy sehr ähnlich, führte Rönnberg weiter aus. Der Kanadier dürfte deshalb zumeist den Platz des in die NHL abgewanderten Biasca neben Bertschy und dem Finnen Henrik Borgström einnehmen.

    «Bevor Attilio in die USA abflog, hat er noch mit uns trainiert. Es ist wahr, wir sind uns ähnlich. Ich freue mich, seinen Platz einnehmen zu dürfen. Christoph ist seit Jahren einer der besten Schweizer Spieler, und Henrik gehörte vergangene Saison zu den stärksten der Liga. Er spielt auf konstant hohem Niveau und nimmt mit seiner Physis im Zentrum viel Platz ein. Für mich als eher kleinen, aber schnellen Spieler, ist das eine ideale Kombination», erzählt Richard fast schon enthusiastisch.

    Das Spielverständnis sei bereits sehr gut. «Sobald wir uns noch besser gefunden haben, etwa beim Umschaltspiel, können wir eine sehr gefährliche Linie bilden.»

    Zu spät auf dem Peak

    Neben seinem Tempo streicht Richard seine Qualitäten als Forechecker heraus. «Ich verstehe es gut, den Gegner in seinen Angriffsbemühungen zu stören. In der Offensive bin ich sowohl Passgeber als auch Shooter.» Im Spiel mit der Scheibe sei er womöglich eine Spur weniger talentiert als andere.

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    Diese Mängel würde er aber mit seinem gradlinigen Spiel und seinem Zug aufs Tor kompensieren. Dass er es durchaus versteht, zu skoren, bewies er in Übersee vorab in der AHL. Im Jahr 2015 von den Nashville Predators an 100.

    Position gedraftet, wurde er meist zwischen der NHL und der Farmteam-Liga herumgeschoben. 40 NHLSpielen mit Nashville, Boston, Montréal und Philadelphia (6 Tore, 8 Assists) stehen 617 Partien in der AHL gegenüber (191 Tore, 211 Assists).

    Seine beste Saison hatte Richard 2022/23, als er mit Laval in 62 Partien auf 68 Skorerpunkte kam. «Ich habe mein bestes Niveau relativ spät erreicht. Sobald du älter als 24 Jahre alt bist, wird es schwierig, sich in der NHL zu etablieren», blickt Richard auf seinen Werdegang zurück.

    «Du wirst zu einem Call-up-Spieler und nur noch geholt, um für ein paar Begegnungen verletzte Spieler zu ersetzen. Weil ich erst gegen 25 auf meinem Höhepunkt war und nie mein volles Potenzial ausschöpfen konnte, wenn ich eine Chance in der NHL erhalten habe, konnte ich mir keinen langfristigen Platz in der NHL erobern.»

    Kein Kulturschock

    Richard hat das Kapitel zwar noch nicht endgültig abgeschlossen, eine Rückkehr in die weltweit beste Eishockeyliga hat für ihn jedoch keine Priorität mehr. «Ich liebe es, jetzt in der Schweiz zu sein. Offen gestanden wollte ich schon immer einmal hier spielen. Natürlich träumst du als Kind von der NHL, aber du weisst, dass es im professionellen Eishockey auch noch andere Optionen gibt.»

    Neben seinem Tempo streicht Richard seine Qualitäten als Forechecker heraus.
    Neben seinem Tempo streicht Richard seine Qualitäten als Forechecker heraus. - imago

    Gerade für Frankokanadier sei die Schweiz eine ideale Destination. «Ich habe nur Gutes über Freiburg gehört», erklärt Richard, der unter anderem mit David Desharnais, der während des NHL-Lockouts 2012/13 und von 2019 bis 2023 für Gottéron gestürmt hatte, über seinen neuen Klub gesprochen hat.

    Erst wenige Wochen in Freiburg angekommen, fühlt sich Gottérons neue Nummer 29 schon wie zu Hause. «Québécois und Schweizer sind sich ganz ähnlich. Ich habe keinen Kulturschock erlitten », grinst Richard, der mit seiner Frau und seinen beiden Kleinkindern das Europa-Abenteuer angetreten hat.

    «Als meine Frau erfahren hat, dass in Freiburg Französisch gesprochen wird, wurden ihre Augen grösser, und sie war zu einhundert Prozent dabei.» Beflügelt durch dieses stimmige Umfeld wird Richard alles daran setzen, seine eher bescheidene vergangene Saison mit den Lehigh Valley Phantoms vergessen zu machen.

    Anthony Richard

    Nationalität: Kanada

    Geboren: 20. Dezember 1996

    Grösse: 178 cm

    Gewicht: 86 kg

    Bei Fribourg-Gottéron seit: 2026

    Vertrag bis: 2027/28

    Bisherige Klubs: Lehig Valley Phantoms (AHL), Philadelphia Flyers (NHL), Providence Bruins (AHL), Boston Bruins (NHL). Laval Rocket (AHL), Montréal Canadiens (NHL), Syracruse Crunch (AHL), Milwaukee Admirals (AHL), Chicago Wolves (AHL), Nashville Predators (NHL), Cincinnati Cyclones (ECHL)

    Zwar kam der Kanadier in 66 Partien auf solide 45 Skorerpunkte, allerdings sticht seine Minus- 19-Bilanz ins Auge. Es sei ein schwieriges Jahr gewesen, räumt Richard ein. «Wir hatten eine unerfahrene Mannschaft beisammen und kassierten nicht selten bereits im Startdrittel drei oder vier Gegentreffer.» Für das Farmteam der Flyers resultierte deshalb der vierte Schlussrang.

    Klare Kante

    Was im Gespräch mit dem Kanadier immer wieder auffällt, sind seine analytischen Fähigkeiten. Richard spricht Punkte klar an, verwendet kaum Floskeln, wie sie in der Sportwelt weit verbreitet sind, und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.

    Offensichtlich wird dies, wenn er über Wallmark spricht, den er bei Gottéron zwar nicht Posten für Posten, aber als Importspieler ersetzt. «Er hat fantastische Sachen für den Verein gemacht», sagt Richard über seinen schwedischen Vorgänger. Sein Stil sei jedoch ein anderer als jener von Wallmark.

    «Gottéron hat einen Profilwechsel vorgenommen. Mein Stil passt besser zur Art und Weise, wie wir spielen wollen», erklärt er selbstbewusst. Wallmark sei ein Spieler, der versuche, das Geschehen auf dem Eis zu verlangsamen. «Ich bin eher der Typ, der zum schnellen Spielstil von Gottéron mit seinem aggressiven Forechecking passt.»

    Selbst ein Mann der klaren Worte, befürwortet und ergänzt: «Anthony habe ich bisher als ausgesprochen gute Person wahrgenommen. Er ist ein richtiger Teamplayer, der sich bei uns schnell integriert hat. Ich mag seine Einstellung. Er ist hungrig und für einen Import nicht zu alt. Anthony sieht die Schweiz nicht als Ferienlager. Er will besser werden und will Erfolg haben, nachdem es diesbezüglich für ihn in der vergangenen Saison in Nordamerika schwierig gewesen ist.»

    Richard hätte gewiss nichts dagegen einzuwenden, den verpassten Meistertitel nachzuholen.

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