Connor Hughes: «Ich will ganz nach oben»
Der SCB will zurück in die Erfolgsspur. Goalie Connor Hughes soll dabei helfen, obwohl sein Wechsel von Lausanne zunächst für Verwirrung sorgte.

In den letzten Jahren klafften Anspruch und Wirklichkeit in Bern auseinander. Der letzte der bislang 16 Meistertitel wurde 2019 gefeiert. Damals gewannen die Mutzen auch letztmals eine Playoff-Serie. Seither blieb der Erfolg aus.
Ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zurück zum Erfolg soll nun Connor Hughes sein. Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger kam im Tausch mit Romain Loeffel aus Lausanne in die Bundesstadt und wurde mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet.
Der langfristige Vertrag unterstreicht den Stellenwert des Keepers und die in ihn gesetzten Hoffnungen. Dank der Schweizer Lizenz muss der SCB auf dieser Position keinen Import mehr einsetzen, was neue Möglichkeiten eröffnet und gleichzeitig Druck auf Hughes erzeugt, der in der Goalie-Hierarchie des SCB über Christof von Burg und Sandro Zurkirchen steht.
«In Bern wird es immer Druck geben. Ganz egal, was passiert», sagt Hughes gelassen. «Gerade auf den Torhütern lastet hier immer Druck. Es liegt aber an mir und an uns, ob wir diesen Druck an uns heranlassen oder ob wir ihn ausblenden können.»
Er habe in seiner Karriere gelernt, mit Druck umzugehen. «Ich denke, die Verantwortlichen wissen das und glauben, dass ich der richtige Goalie für diese Aufgabe bin.»
«Ich liebe Herausforderungen»
Für Hughes ist der Wechsel zum SCB eine Challenge. Und die hat er gesucht, wie er sagt: «Ich liebe Herausforderungen. Hier wird erwartet, dass wir gewinnen. Genau an einem solchen Ort möchte ich spielen. Ich möchte nicht an einem Ort sein, wo man sich mit dem Mittelfeld zufriedengibt. Ich will ganz nach oben.»

Die ersten Schritte in die gewünschte Richtung haben die Mutzen gemacht. Der Saisonstart ist gelungen. Darauf kann man aufbauen. «Ich möchte keine konkrete Platzierung nennen. Ich weiss, was ein Top-6-Team ausmacht, und ich habe auch gesehen, was es für die Top 4 braucht», antwortet Hughes auf die Frage, was für den SCB möglich ist.
«Ich glaube, dass wir das Potenzial dafür haben. Natürlich sagen wir zunächst einmal, dass wir die Playoffs erreichen wollen. Aber tief in uns drin wollen wir alle mehr. Und ich glaube, dass das möglich ist.» Der Torhüter hat sich in Bern bestens eingelebt.
Er ist von der Organisation und der Stadt begeistert. Bisher habe alles seine Erwartungen übertroffen, sagt er. Auch seine Frau fühlt sich wohl. Als Hughes in Fribourg spielte, arbeitete sie in Bern als Lehrerin an einer Privatschule. Und auch jetzt hat sie schon Stellvertretungen übernommen.
«Und ich habe auch früher schon Freunde oder Familienmitglieder aus Kanada nach Bern mitgenommen, wenn sie mich besucht haben, weil mir die Altstadt immer sehr gefallen hat. Ich finde sie wunderschön, und es läuft immer etwas», so Hughes.
Vor neun Jahren kam er aus Kanada in die Schweiz. Seine erste Station war der HC Ambrì-Piotta. Er lebte so zuerst im Tessin, dann folgte mit Fribourg und Lausanne die französischsprachige Region, ehe er nun in die Deutschschweiz wechselte.
«Es gibt viele Unterschiede. Im Tessin gibt es längere Mittagessen», sagt er lachend. «Es ist einfach ganz anders. Jetzt wohne ich etwas ausserhalb von Bern, eher auf dem Land, und die Leute sind alle unglaublich freundlich. Auch im Vergleich zur Romandie sind die Mentalitäten anders. Ich will nicht sagen, dass das eine besser ist als das andere. Die Menschen, mit denen du im Alltag zu tun hast, sind einfach unterschiedlich. Aber es ist cool.»
Von den Gerüchten überrascht
Dass ihn seine Tour de Suisse nach Bern führt, kam auch für Connor Hughes überraschend. Gerüchte über einen möglichen Tausch mit Romain Loeffel gab es schon lange, was auch für ihn interessant war, wie er verrät: «Ich wusste damals überhaupt nichts davon. Ich las die Gerüchte in den Medien und war ziemlich verwirrt. Auch mein Agent war irritiert, weil weder Lausanne noch Bern mit uns gesprochen hatten.
Erst während der Playoffs und danach wurde es konkret.» Irgendwann wurde aus den Gerüchten aber Realität. Was hat ihn zu diesem Wechsel bewogen? «Ich hatte das Gefühl, dass das jetzige Management bereit ist, den Klub zu modernisieren. Ich hatte zuvor Geschichten gehört, wonach der SCB in der Denkweise etwas in der Vergangenheit stecken geblieben sei», erklärt er.

In den Gesprächen mit Pascal Signer und Martin Plüss habe er realisiert, dass sie dem Team neue Energie geben wollen. «Ich mag Herausforderungen. Mir gefällt auch, dass wir eine etwas jüngere Mannschaft haben. Dieses Team hat in den vergangenen Jahren sehr viel durchgemacht, und man spürt jetzt, dass alle gemeinsam etwas verändern wollen. Davon wollte ich ein Teil sein», so Hughes.
Auch dass die Mutzen schwierige Zeiten hinter sich haben, während Lausanne oben mitspielte, hielt ihn nicht vom Wechsel ab. «Für mich war die Situation ähnlich wie damals, als ich nach Lausanne wechselte. Auch dort hatte es zuvor schwierige Jahre gegeben, unter anderem mit dem früheren Management. Die Situationen waren nicht identisch, aber es gab Parallelen», sagt Hughes.
Er komme nun wieder zu einer hungrigen Mannschaft. Und das spüre er. «Unsere Jugend und die Energie, die wir dadurch haben, gefallen mir besonders. Bei vielen Spielern merkt man, dass sie schwierige Zeiten durchgemacht haben und jetzt wirklich etwas verändern wollen.»
In schwierigen Situationen gewachsen
Für Torhüter ist die mentale Stärke essenziell, und Connor Hughes ist der Überzeugung, dass auch da die Vergangenheit hilft.
«Man muss schwierige Situationen durchleben, um daran arbeiten zu können. Es wird nie immer alles perfekt laufen. Es gibt Spiele, in denen du ausgewechselt wirst. Es gibt Gegentore, bei denen du schlecht aussiehst. Solche schlechten Tage gehören dazu. Ich hatte viele solcher Tage. Und es ist wichtig, sie erlebt zu haben. Das ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner Karriere: Akzeptiere diese schlechten Tage, denn sie sind enorm wichtig », so Hughes, der seine Sonntage liebt, an denen er die Batterien aufladen kann.
Connor Hughes
Nationalität: Kanada/Schweiz
Geboren: 10. September 1996
Grösse: 194 cm
Gewicht: 103 kg
Beim SC Bern seit: 2026
Vertrag bis: 2030/31
Bisherige Klubs: Lausanne HC, Laval Rockets (AHL), HCV Martigny (SL), HC Fribourg-Gottéron, enève-Servette HC, HC Sierre (SL), SC Langenthal (SL), HCB Ticino Rockets (SL), HC Ambri-Piotta, Carleton Place Canadiens (CCHL), London Nationals (GOJHL)
«Ich stehe dann auf, trinke einen Kaffee und mache absolut nichts. Das sind meine perfekten freien Tage. Einfach auf dem Sofa sitzen oder draussen sein, so tanke ich Energie.»
Prägend war für ihn auch die Saison 2024/25, als er in Nordamerika spielte. Er hatte einen Vertrag bei den Montréal Canadiens unterzeichnet, kam aber nicht in der NHL, sondern in der AHL bei Laval zum Einsatz.
«Es war eine grossartige Erfahrung, auch wenn es nicht immer einfach war. Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Chance zu erhalten, eine Stufe höher zu spielen. Aber so ist das Geschäft», sagt er rückblickend.
Natürlich schwirren in seinem Kopf auch heute noch Gedanken an die NHL herum. Er frage sich manchmal, was hätte passieren können: «Ich war im Grunde nur einen Call-up davon entfernt, dass sich alles verändert hätte.»

So heisst die Realität Schweiz statt Kanada. Es sind die zwei Nationen des Torhüters. «Ich bin sehr stolz auf meine Schweizer Wurzeln. Ich glaube, dass ich einige schweizerische Eigenschaften habe. Ich bin zum Beispiel sehr gerne pünktlich. Wenn ich irgendwo zu spät komme, ist mir das unangenehm. Und manchmal bin ich auch eher introvertiert», so Hughes.
«Aber natürlich bin ich auch Kanadier. Ich liebe es, Kanadier zu sein. Gleichzeitig bin ich auch sehr gerne Schweizer. Ich sage jeweils, dass ich vielleicht zu 60 Prozent Kanadier und zu 40 Prozent Schweizer bin.»








