Wandern mit Dampf und Gloria
Erst dampfend bergauf, dann wandernd bergab: Diese fünf Schweizer Bahnstrecken bieten das perfekte Mix aus Technikgeschichte und Naturerlebnis.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz bietet mehrere historische Dampfbahnen mit spektakulären Bergstrecken.
- Viele der Fahrten lassen sich ideal mit Wanderungen kombinieren.
- Die 5 Erlebnisse verbinden Technikgeschichte, Natur und Nostalgie auf einzigartige Weise.
Sie sind Zeugen einer alten, vergangenen Zeit – und berühren uns doch zutiefst: Dampfbahnen. Mit ihren geölten, blitzenden Stangen, dem Schnauben und Schwitzen an allen Ecken und Enden und der sichtbaren und beinahe archaischen Kraft sieht und hört man die Anstrengung, mit der sie sich den Berg hocharbeiten. Und wer das selber einmal erleben möchte, hat Glück: Es gibt noch eine ganze Reihe von Berg-Dampfbahnen in der Schweiz.
Hier haben wir fünf besonders lohnende Dampfbahnstrecken in der Schweiz zusammengestellt; und zusammen mit einer Wanderung ergibt das ein unschlagbares Natur- und Nostalgie-Paket.
Brienzer Rothorn: Der Höhepunkt der Schweizer Dampfbahnen
Eine Fahrt von Brienz auf das Brienzer Rothorn ist so etwas wie der Gipfel der Schweizer Dampfbahn-Kultur. In einer Stunde arbeiten sich die kleinen Lokomotiven, einige noch aus den ersten Betriebstagen 1892, vom Brienzersee etwa 1700 Meter hoch. Und schieben dabei, neben den 300 Kilo Kohle und den etwa 1000 Litern Wasser, noch einen Wagen mit ein paar Dutzend Passagieren vor sich her. Chapeau!

Oben auf 2244 Metern ist man zwar noch nicht ganz auf dem Brienzer Rothorn, aber die Aussicht in die Berner Alpen ist genauso atemberaubend. Und jedenfalls steht man am höchsten Punkt einer Schweizer Dampfbahn.
Zusammen mit der anschliessenden Wanderung via Blattenegg und Rossweid hinunter nach Sörenberg (1170 Meter Abstieg, ca. 2 ¾ Stunden, Schwierigkeit T2) ergibt sich eines der schönsten Rundum-Nostalgie-Wandererlebnisse der Schweiz.
Furka-Bergstrecke: Der Grosse Pass-Klassiker
Mit einem Dampfzug über einen der grossen Passübergänge in den Alpen schnauben, auf ganzen 18 Kilometern? Das geht, und zwar mit der Furka-Dampfbahn von Oberwald oder Gletsch am oberen Ende des Goms nach Realp im urnerischen Urserental.

Und: um ein Haar wäre das heute nicht möglich. Denn nach dem Bau des Furka-Basistunnels gab es keinen eigentlichen Bedarf mehr für eine Bahnlinie ganz oben in den Bergen, und 1981 wurde der Betrieb eingestellt. Das Gesetz sah nun den Rückbau der Anlagen vor. Eine grosse Zahl von Bahnfreunden und Spendern wehrte sich aber dagegen und restaurierte Trassées, Lokomotiven und Wagen – und im Jahr 2000 dampften wieder die ersten Züglein über die alte Bergstrecke. Das ist lebendige Bahngeschichte!
Wanderfreunde könnten von Oberwald nach Gletsch wandern (480 m Aufstieg, 2 ¼ Stunden, Schwierigkeit T2) und hier in einen Wagen klettern.
Vitznau-Rigi-Bahn: Auf die Königin der Berge
1868 stieg Königin Victoria von England auf dem Rücken eines Pferdes von Küssnacht zum beinahe weltbekannten Aussichtspunkt beim Rigi Känzeli. Das war Pech für die edle Majestät! Denn nur drei Jahre später eröffnete die Vitznau-Rigi-Bahn als erste Bergbahn Europas und brachte die Gäste bequem und ohne Geschüttel auf den Berg.

Die Rigi aber behielt trotz allem den Beinamen «Königin der Berge», und mit der unglaublich weiten Aussicht über den Vierwaldstättersee und in die Innerschweizer Alpen hat sie auf jeden Fall einen grossen Namen verdient.
Bergfahrten mit der historischen Lok 7 findet man auf shop.rigi.ch unter «Erlebnisangebote». Als erstklassiger Wanderberg kann man die Dampffahrt auch mit einer Wanderung kombinieren, etwa von Kaltbad nach Kulm (380 m Aufstieg, ca. 1 ½ Std.) oder vom Kulm via Schwändi nach Klösterli (meist absteigend, ca. 1 ½ Std.).
Brünig Dampfbahn: Im Herzen der Schweiz
Der Brünigpass erreicht zwar nicht die Höhe seiner alpineren Kollegen, macht das aber mit einer Vielzahl an landschaftlichen Reizen wett. Auf einer Dampfbahn-Fahrt von Giswil nach Meiringen (oder Interlaken) schnaubt das Züglein an pittoresken Seen vorbei, durch stille Wälder, und auf dem Pass oben gibt es die schönsten Ausblicke auf die Gipfelwelt ob Meiringen.

1888 eröffnete die damalige Bahngesellschaft Jura–Bern–Luzern (JBL) die Strecke über den Brünipass. Heute sind noch drei Dampfloks im Einsatz; sie ziehen etwa an sechs Tagen im Sommer die Wagen über die Bergstecke. Zwei der drei Loks sind wahre Alleskönner – sie können nämlich als Adhäsions- und auch als Zahnradloks eingesetzt werden.
Wer eine Fahrt auf den Brünig mit einer Wanderung verbinden möchte, könnte vom Zielort Meiringen zurück auf den Brünigpass wandern (550 m Aufstieg, ca. 2 ½ Stunden), oder dann vom Brünigpass zum Startort Meiringen wandern (550 m Abstieg, ca. 2 ¼ Std.) und hier ein Züglein besteigen.
Monte Generoso: Die Mediterrane hoch über dem Luganersee
Den Monte Generoso kann man mit seinen 1700 Metern Höhe und seiner Lage weit im Süden mit ruhigem Gewissen den spektakulärsten Aussichtsberg im Tessin nennen. 1890 nahm die Generosobahn ihren Betrieb auf; die Strecke führt von Capolago am Luganersee durch dichte Wälder hoch auf den Grat ganz oben beim Gipfel. Noch heute ist an bestimmten Tagen die ursprüngliche Lokomotive in Betrieb.

Seit 2017 ist die «Fiore di Petra» von Mario Botta, ein vieleckiger, blumenähnlicher Bau, das Wahrzeichen auf dem Berg. Wer noch eine eher kurze Wanderung anhängen möchte, begibt sich auf einen Loop in den Südhängen am Gipfel (je 330 m Auf- und Abstieg), hier entdeckt man im Mai und Juni sogar wilde Pfingstrosen.
Wer gerne etwas länger den Süden geniesst, besteigt den Monte Genoroso und wandert dann durch weite Wälder hinab nach Arogno (ca. 1200 m Abstieg, ca., 3 Std.)








