Vom Traumziel zum Aussenseiter: Was ist los mit Sharm El Sheikh?
Um die Jahrtausendwende war Sharm El Sheikh das Top-Ägypten-Ziel der Schweizer – Travelnews zeigt, warum sich das geändert hat und was es fürs Comeback braucht.

Das Wichtigste in Kürze
- Um 2000 war Sharm El Sheikh das Top-Ziel der Schweizer in Ägypten.
- Terroranschläge und Unsicherheit liessen die Nachfrage dann aber einbrechen.
- Heute ist die Lage wieder sicher, doch für ein Comeback braucht es mehr Präsenz im Markt.
Wer in der Schweiz etwas auf sich hielt und um die Jahrtausendwende Badeferien in Ägypten plante: Der flog nach Sharm El Sheikh. Das Reiseziel am Roten Meer galt als Trenddestination schlechthin.
In der Naama Bay, dem touristischen Herz des Ferienorts, hörte man damals fast ausschliesslich Schweizerdeutsch und Italienisch. Die zahlungskräftige Kundschaft hatte ihr Revier gefunden. Wer mit kleinerem Budget reiste, wich nach Hurghada auf der gegenüberliegenden Küste aus.
Die Nachfrage spiegelte sich im Flugplan wider: Dicht getaktete Verbindungen brachten Feriengäste aus der Schweiz direkt ans südliche Sinai-Ende. Auch die Schweizer Präsenz vor Ort war entsprechend gross.
«Wir hatten damals ein riesiges Reiseleiter-Team in Sharm», erinnert sich Sarah Wettstein im Gespräch mit Travelnews. Sie ist Ägypten-Expertin bei Dertour Suisse,
Heute zeigt sich ein anderes Bild. Der Flugplan ab Zürich während der Sportferien spricht eine klare Sprache: 19 Flügen nach Hurghada steht gerade einmal eine wöchentlichen Verbindung nach Sharm El Sheikh gegenüber.
Das ist keine Momentaufnahme, sondern Ausdruck einer langfristigen Entwicklung. In der Hochsaison bringen gleich fünf Airlines Passagiere von Zürich nach Hurghada. Betreffend Sharm El Sheikh ist der Schweizer Ferienflieger Edelweiss allein auf weiter Flur.
Selbst Marsa Alam, rund 300 Kilometer südlich von Hurghada gelegen, hat das einstige Boom-Ziel bei Schweizer Reisenden längst überholt.
Neue Gäste, neues Image
«Der drastische Rückgang der Nachfrage nach Ferien in Sharm el Sheikh hat primär mit Sicherheitsbedenken zu tun. Einerseits aufgrund von Terroranschlägen, «andererseits wegen Angriffen auf Sicherheitskräfte ganz im Norden des Sinai». Das sagt Georges Müller, CEO des Ägypten-Spezialisten Sphinx Travel, auf Anfrage.
Anschliessend sei der Nahost-Konflikt eskaliert. «Dies bewirkte, dass die Flugverbindungen nach Sharm el Sheikh eingestellt oder stark reduziert wurden. Was dann wiederum im Verkauf dieser Destination nicht hilft», so Müller.
Der schwerste Angriff auf den Badeort ereignete sich am 23. Juli 2005: Mehrere Autobomben und Sprengsätze explodierten nahezu zeitgleich in touristischen Bereichen von Sharm El Sheikh. 88 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 200 weitere wurden verletzt.
Ein zweites einschneidendes Ereignis folgte am 31. Oktober 2015: Eine russische Passagiermaschine, die kurz zuvor in Sharm El Sheikh gestartet war, stürzte nach einer Bombenexplosion über der Sinai-Halbinsel ab. Alle 224 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Während sich andere Ferienregionen nach Terroranschlägen rasch erholen konnten, gelang Sharm El Sheikh die Rückkehr auf den Markt nur verhalten.
Für Sarah Wettstein von Dertour Suisse ist diese Entwicklung nachvollziehbar. Der Ferienort habe nach dem Einbruch der Nachfrage rasch neue Gästesegmente erschliessen müssen, erklärt sie.
Georges Müller von Sphinx Travel ergänzt: «Viele Hotels füllten ihre Zimmer mit Billigtouristen aus Osteuropa, was beim Schweizer Kunden nicht gerade gut ankommt.»
Gleichzeitig nutzten Hurghada und Marsa Alam die schwächere Phase ihres Konkurrenten. Sie investierten gezielt in Infrastruktur und Angebot und konnten sich dadurch im Schweizer Markt nachhaltig besser positionieren.
Längst ist die Sicherheitslage wieder unbedenklich. Sharm El Sheikh gilt als einer der am besten gesicherten Ferienorte in Ägypten, mit strengen Zugangskontrollen zur Stadt.
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Das unterstreichen internationale Grossveranstaltungen, die zuletzt bewusst in der Region abgehalten wurden. Als prominentestes Beispiel die UN-Klimakonferenz im November 2022.
Der lange Weg zurück
Sarah Wettstein von Dertour Suisse hebt nicht nur die hohen Sicherheitsstandards hervor, sondern auch das Hotelangebot der Destination. «Die Hotels müssen sich in keiner Weise vor jenen in Hurghada oder Marsa Alam verstecken», sagt die Ägypten-Expertin.
In Sharm El Sheikh werde weiterhin kräftig in Infrastruktur und Qualität investiert. Gerade in den vergangenen zehn Jahren seien mehrere attraktive Anlagen hinzugekommen. Etwa das luxuriöse Steigenberger Alcazar in der Nabq Bay nördlich des Flughafens. Zahlreiche weitere Hoteleröffnungen stehen bevor.
Dennoch habe das einstige Boomziel immer noch einen schweren Stand. Sharm El Sheikh sei bei vielen Reisebüro-Mitarbeitenden deutlich weniger präsent als früher.
«Wenn Kundinnen und Kunden nach Badeferien in Ägypten fragen, fallen meist zuerst die Namen Hurghada oder Marsa Alam. Während Sharm El Sheikh kaum auf dem Radar auftaucht», erklärt Wettstein.
Hier nimmt sie auch das ägyptische Fremdenverkehrsamt in die Pflicht. «Ich würde es begrüssen, wenn nach der Eröffnung des Grand Egyptian Museum der Blick wieder auf andere Regionen gerichtet würde.»
Sie selbst blieb nicht untätig. Wettstein führte vor drei Jahren eine Studienreise nach Sharm El Sheikh durch, die in der Reisebranche auf grosses Interesse stiess. Und inzwischen auch schon erste Erfolge zeigt.

«Die Nachfrage nach Sharm El Sheikh ist bei Dertour Suisse spürbar höher als noch vor einigen Jahren», sagt sie.
An die Boomzeiten rund um die Jahrtausendwende reiche das Niveau zwar noch längst nicht heran, doch für Wettstein ist klar: Das Comeback der Destination ist möglich.
Entsprechend setzt sie sich weiterhin engagiert dafür ein, Sharm El Sheikh wieder stärker ins Bewusstsein der Schweizer Reisenden zu rücken.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.












