Ferien: Schweizer setzen auf KI – Deutsche sind voraus!
Immer mehr Reisende nutzen Künstliche Intelligenz. In der Schweiz dient sie vor allem als Inspirationsquelle, in Deutschland auch für Planung und Buchung.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr Menschen benutzen KI, um Ferienreisen zu planen.
- KI verkürzt die Reiseplanung und ersetzt klassische Recherche.
- Schweizer nutzen KI vor allem für Inspiration, Deutsche schon für Buchungen.
Die Art und Weise, wie Europäerinnen und Europäer ihre Reisen vorbereiten, befindet sich in einem Wandel. Künstliche Intelligenz nimmt bei der Reiseinspiration und vermehrt bei Planung und Buchung eine zunehmend wichtige Bedeutung ein.
Drei repräsentative Untersuchungen untermauern diesen Trend: Die Studie von YouGov Schweiz zeigt die Dynamik bei den Schweizer Reisenden. Der Travel Compass 2026 von PayPal und Dr. Fried & Partner liefert umfassende Einblicke in das Verhalten europäischer Reisender insgesamt.
Ergänzend beleuchtet die aktuelle Untersuchung des Forschungsinstituts Centouris der Universität Passau die grundlegende Akzeptanz von KI bei Reisenden.
Jenseits klassischer Recherche
Ein Fazit der drei Studien lautet: Künstliche Intelligenz verändert die sogenannte Customer Journey – also den Weg von der ersten Reiseidee bis zur tatsächlichen Buchung.
Selbstlernende Systeme haben die Fähigkeit, gigantische Datenmengen im Bruchteil einer Sekunde zu analysieren und Muster zu erkennen. Dadurch rückt die individuelle, zeitintensive Recherche immer weiter in den Hintergrund.
An ihre Stelle tritt nun das Kuratieren. Reisende suchen nicht mehr mühsam dutzende Blogs und Foren ab. Vielmehr lassen sie sich massgeschneiderte, auf ihre persönlichen Interessen zugeschnittene Vorschläge ausgeben.

Michelle Koller von YouGov Schweiz betont, dass sich die Reiseplanung als Technik drastisch verkürzt und automatisiert. Was zur Folge hat: Klassische Informationsmedien wie gedruckte Reiseführer oder traditionelle Tourismusorganisationen büssen zunehmend an Relevanz ein.
Schweizer Fokus auf Inspiration
Interessante Nuancen zeigen sich beim Blick darauf, wofür die Technologie konkret eingesetzt wird: Der Schweizer Fokus liegt auf Inspiration.
Gemäss der YouGov-Studie nutzt bereits gut jeder fünfte Schweizer (21 Prozent) KI-Tools für die Ferienplanung. Bei den unter 45-Jährigen ist es fast jeder Dritte (29 Prozent).
Die Schweizer Bevölkerung setzt die Technologie primär in der frühen Orientierungsphase ein. 66 Prozent der KI-Nutzer lassen sich Aktivitäten vorschlagen, 45 Prozent suchen nach Destinationen und 43 Prozent lassen sich Routen berechnen.
Die absolute Mehrheit (88 Prozent) greift dabei auf den Marktführer ChatGPT zurück. Klassische, nachgelagerte Planungsschritte wie die konkrete Flugsuche oder Preisvergleiche werden in der Schweiz dagegen noch selten an die KI delegiert.
Deutsche schon in harter Planungsphase
Der deutsche Markt ist hier oft schon einen Schritt weiter, wie die Daten des PayPal-Whitepapers verdeutlichen. Hier haben bereits 40 Prozent der Befragten KI- oder Chat-Assistenten im Kontext ihrer Reisen genutzt.
Vor allem unter denjenigen, die ihre Reisen online buchen, verschieben sich die Anwendungsfälle in die harte Planungsphase: 41 Prozent der KI-erprobten Online-Bucher nutzen die Technologie bereits gezielt, um Preise zu vergleichen. 21 Prozent suchen damit nach dem passenden Hotel oder der perfekten Unterkunft.
Auffällig ist der Generationengraben: In den jungen Altersgruppen (25 bis 30 Jahre) greifen bis zu 70 Prozent wie selbstverständlich auf KI-Assistenten zurück. Bei den Seniorinnen und Senioren (65 bis 75 Jahre) sind es hingegen lediglich 15 Prozent.

Die grosse Mehrheit der Skeptiker verzichtet primär aus Gewohnheit oder aufgrund von Misstrauen gegenüber der Ergebnisqualität. Wer KI jedoch nutzt, zieht ein positives Fazit: Rund 64 Prozent der Anwender bewerten die digitalen Helfer als ausgesprochen nützlich.
Mobilität vor Ort: Zwischen Neugier und Kontrollverlust
Die Digitalisierung der Reise endet jedoch nicht mit dem Buchungsabschluss, sondern setzt sich bei der Fortbewegung vor Ort fort. Hier liefert die Centouris-Studie wertvolle Einblicke zur Akzeptanz von KI im Personenverkehr.
Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung (57 Prozent) steht KI im Mobilitätskontext zwar grundsätzlich positiv gegenüber. 58 Prozent sind überzeugt, dass die Technologie die Lebensqualität im Verkehr verbessert. Dennoch zeigt sich eine deutliche Ambivalenz in den Emotionen:
Die Mehrheit (57 Prozent) empfindet Neugierde. Gleichzeitig schwingen bei vielen Befragten jedoch auch Sorgen vor Kontrollverlust (47 Prozent) und ein tiefes Misstrauen (43 Prozent) mit. Ganze 55 Prozent verlassen sich im Zweifelsfall lieber auf Menschen als auf KI-Systeme oder Roboter.
Diese Zurückhaltung spiegelt sich besonders beim Thema Autonomes Fahren wider – einer Schlüsseltechnologie für die touristische Mobilität der Zukunft.
Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) kann sich grundsätzlich vorstellen, ein autonom fahrendes Fahrzeug zu nutzen. Dennoch bleibt die Skepsis gross: Als grösstes Risiko wird die Fehleinschätzung von Situationen durch das Fahrzeug genannt (70 Prozent). Dicht dahinter folgt die Angst vor Kontrollverlust (65 Prozent).
Eine fahrerlose Fahrt kommt daher aktuell nur für eine Minderheit von 5 Prozent infrage. Wie schon bei der digitalen Reiseplanung zeigt sich auch bei der Mobilität ein markanter Generationen- und Bildungsgraben:
Männer, jüngere Altersgruppen und Personen mit höherem Bildungsabschluss zeigen sich gegenüber den technologischen Neuerungen im Verkehr aufgeschlossen. Frauen, ältere Jahrgänge oder Personen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss sind skeptischer.
Neueste Entwicklungen: Agentic AI und One-Click-Logiken
Die Reisebranche reagiert mit Hochdruck auf das veränderte Konsumentenverhalten und treibt technologische Innovationen voran. Das geht weiter aus dem Travel Compass 2026 hervor. Zu den spannendsten Entwicklungen im Jahr 2026 gehören:
- Agentic AI (Autonome Reise-Agenten): Die Entwicklung bewegt sich weg von einfachen Chatbots hin zu sogenannten autonomen digitalen Assistenten. Diese Systeme führen nicht mehr nur einfache Dialoge. Vielmehr sind sie in der Lage, komplexe Kundenanforderungen selbstständig strukturiert zu erfassen, Verfügbarkeiten in Echtzeit zu prüfen und den Buchungsprozess «End-to-End» komplett autonom bis zum Abschluss zu steuern.
Künstliche Intelligenz beginnt jedenfalls, das Fundament des Reisemarktes zu verschieben. Für die Reisenden bedeutet dies ein Plus an Komfort und Hyperpersonalisierung.
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- KI-Kompatibler Content: Da immer mehr Menschen ihre Suchanfragen direkt in KI-Modellen starten, wandert die Reisesuche weg von traditionellen Suchmaschinen. Für Reiseanbieter wird es überlebenswichtig, ihre Daten, Hotelbeschreibungen und Angebote so zu strukturieren, dass sie von KI-Modellen überhaupt fehlerfrei ausgelesen, bewertet und dem Kunden empfohlen werden können.
- Nahtlose One-Click-Zahlungsprozesse: Mit dem Vormarsch der KI-Planung verändern sich auch die Anforderungen an den Buchungsabschluss. Der Bezahlvorgang rückt ins Zentrum der Customer Journey. Um Abbrüche in der automatisierten Buchungsstrecke zu verhindern, setzen Anbieter auf im Profil gespeicherte Zahlungsdaten und reibungslose One-Click-Logiken.
Für die touristischen Akteure gilt: Nur wer seine digitale Präsenz an die neuen KI-Suchlogiken anpasst und den Buchungsprozess so reibungslos wie möglich gestaltet, dürfte im wettbewerbsintensiven Markt der Zukunft bestehen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.












