Die Bernerin Tina* ist neu auf der Dating-Plattform von Tinder. Die 25-jährige Single-Frau berichtet über ihre Dates. In der zweiten Folge trifft sie Kevin*.
Tina Tinder
Tina* ist eine 25-jährige Bernerin im Dating-Fieber. - Nau

Das Wichtigste in Kürze

  • Tina* ist 25 Jahre alt und seit Kurzem wieder Single.
  • In der ersten Folge hat sich ihr das Tor zur Tinder-Hölle eröffnet.
  • Jetzt steht ihr das erste Date mit Kevin* bevor.

In Folge 1 meiner Tinder-Serie habt ihr meine ersten Schritte in der Dating-Welt miterlebt. Wo sind wir stehen geblieben? Ach ja, bei meinem allerersten Tinder-Date mit Kevin*.

Wir beiden verabreden uns zum Essen. Irgendwo in einem grossen Einkaufscenter im Westen von Bern wollen wir uns etwas in einem Thai-Restaurant gönnen. Ich stehe zu Hause vor meinem Schrank, frisch geduscht, aber bereits wieder schweissnass. Die Angst kriecht mir den Rücken hoch. Adrenalin im Überfluss.

Das Gesicht hinter der Maske

Zum ersten Mal nach sieben Jahren muss ich mir wieder überlegen, wie meine Kleidung auf einen fremden Mann wirkt. Ich entscheide mich für schwarze Jeans, eine schwarze Bluse und einen dunkelgrauen Cardigan aus Wolle. Dazu eine schwarze Lederjacke. Ihr merkt schon: Schwarz ist meine Lieblingsfarbe.

westside
Treffpunkt? Das Einkaufszentrum im Westen von Bern. - Keystone

Noch nervöser und eine halbe Stunde zu früh treffe ich vor Ort ein. «Was zum Teufel tue ich hier nur?», denke ich. Zur Beruhigung sehe ich mir diverse Schaufenster an, gehe nach draussen, um mit einer Zigarette meine Nerven zu beruhigen. Danach werfe ich mir einen Kaugummi ein – ich will keine Erinnerungen an einen Aschenbecher wecken. Ich stehe also vor dem Restaurant und muss hinter all den Corona-Masken Kevins Gesicht ausfindig machen.

Glücklicherweise kleidet er sich genau so, wie auf seinen Tinder-Bildern. Braune Lederjacke, weisses Hemd, Bluejeans. Er hat dunkle Haare und ist etwa einen Kopf grösser als ich. Zur Begrüssung gibt es drei Küsschen mit Maske und am Tisch dann ein freundliches Lächeln. Auf seiner rechten Backe bildet sich dabei ein süsses Grübchen. Das Essen ist gut, die Gespräche oberflächlich und meine Hände irgendwann nicht mehr so zittrig.

Nach rund zwei Stunden stehe ich wieder vor meinem Auto. Mein Fazit: Es war nett. Nett ist der kleine Bruder von Scheisse. Dennoch will ich Kevin eine zweite Chance geben. So finde ich mich zwei Tage später vor seiner Haustür wieder. Wieder diese eine Frage in meinem Kopf: «Was tust du hier nur?»

Die Liste des Schreckens

Kevin, der gelernter Koch ist, zaubert uns ein schnelles Abendessen und nimmt dabei sogar auf meine vegane Eigenart Rücksicht. Der Spaziergang am See fällt leider ins Wasser, draussen schüttet es wie aus Kübeln. Beim Essen nehmen die oberflächlichen Gespräche dann eine überraschende Wendung.

lüscherz
Alle Zeichen stehen auf Sturm. - Keystone

«Ich will irgendwann einmal Kinder haben. Am liebsten gleich drei», sagt Kevin. Meine Gesichtszüge entgleiten mir. Ich muss dreimal leer schlucken und mich wieder fassen. «Ich habe sogar eine Liste mit meinen Lieblingsnamen, willst du sie sehen?», fragt er. Von da an ist Kevin für mich nur noch der «Kinder-Krieger».

Eigentlich will ich nur noch weg ... Da es aber erst 19 Uhr ist, kann ich noch nicht die Kurve kratzen. «Willst du dir noch einen Film anschauen?», fragt Kevin. Da Nein-Sagen nicht wirklich mein Ding ist, setze ich mich neben ihn aufs Sofa. Für die Romantik zündet er auch noch Kerzen an. Viel zu viel für mich!

Nichts wie weg!

Während wir uns den Film anschauen, rutscht Kevin immer näher. Dass ich vehement auf meinen Sicherheitsabstand poche, interessiert ihn nicht. «Entspann dich doch mal», so seine Aufforderung. Er packt immer wieder meine Hand und zieht mich näher an sich ran.

«Es ist zu früh, ich bin noch nicht über meinen Ex hinweg», sage ich zu Kevin. Diese Worte stossen bei ihm auf Unverständnis. «Wenn du jetzt gehst, dann verpasst du was. Das ist dir doch klar?» Mit diesen Worten verabschiedet er mich. Ich setze mich ins Auto, fahre los und heule mir auf dem Heimweg die Seele aus dem Leib. Ob ich für diese Welt geschaffen bin?

Lieber Kevin, bitte lass es bei deinen nächsten Dates langsamer angehen. Und pack das Kinder-Thema gaaanz weit weg!

Sollte das Thema Kinder beim Daten angesprochen werden?

Wie Nando* mir beim nächsten Tinder-Date neue Hoffnung gibt, erfahrt ihr morgen. Selbe Zeit, selber Ort.

*Die Namen sind zur Verfremdung der Personen abgeändert.

Bisher erschienen:

Folge 1 – «Gebrochenes Herz führte mich auf die Dating-Plattform»

Mehr zum Thema:

Angst Zigarette Coronavirus Wasser Tinder