Masseur aus Jegenstorf: «Tantra ist keine Sexarbeit!»
Erotik, Prostitution, Tabu: Viele denken bei Tantra sofort an Sex. Doch Tantra-Masseur Marc Walter aus Jegenstorf widerspricht und klärt auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Marc Walter ist Tantra-Masseur und QiGong-Lehrer. Er führt in Jegenstorf eine Praxis.
- Viele verbinden Tantra mit Erotik oder sexuellen Dienstleistungen – zu Unrecht.
- Marc Walter erklärt, wie wir mit Tantra die Beziehung zum eigenen Körper vertiefen können.
BärnerBär: Als Tantra-Masseur können Sie uns sicher erklären, was Tantra genau ist.
Marc Walter: Ja. Tantra ist sowohl eine philosophische Weisheitslehre als auch eine spirituelle Praxis aus der hinduistischen und buddhistischen Tradition. Die Ursprünge reichen etwa 2000 Jahre zurück. Tantra lädt uns ein, den Moment in voller Bewusstheit und ganzer Intensität zu erleben.
BärnerBär: Welche Bedeutung hat dabei die Tantra-Massage?
Marc Walter: Die Tantra-Massage ist eine besondere Form der Ganzkörpermassage, die nicht nur körperliche, sondern auch energetische und emotionale Ebenen anspricht. Dabei spielen unterschiedliche Arten von Berührungen am ganzen Körper eine zentrale Rolle, um das Körperbewusstsein zu stärken. Viele erleben dabei mehr innere Ruhe und einen neuen Zugang zur eigenen Sexualität.
BärnerBär: Viele verbinden Tantra mit Prostitution. Warum?
Marc Walter: Es gibt Anbieter*innen in der Sexarbeit, die ihre Angebote mit «Tantra» bezeichnen, obwohl das nicht viel mit tantrischer Körper‑ und Bewusstseinsarbeit zu tun hat. Im Zentrum einer Tantra-Massage stehen Langsamkeit, Präsenz und respektvolle, absichtslose Berührung. Dabei gelten klare Grenzen: Kein Oralverkehr, keine genitale Penetration, kein Austausch von Körperflüssigkeiten. Es geht nicht um sexuelle Stimulation, sondern um ein vertieftes Erleben des eigenen Körpers. Die Rollen sind klar verteilt: Die empfangende Person bleibt empfangend, der Masseur gebend – vergleichbar mit einem Coiffeur‑ oder Fussreflexzonen‑Termin.

BärnerBär: Warum reagieren viele Menschen kritisch?
Marc Walter: Die Kritik hat oft weniger mit Tantra selbst zu tun, sondern mit Unsicherheit. Die meisten von uns wachsen in einer Kultur auf, in der Körperlichkeit und Intimität kaum offen besprochen oder gelebt werden. Eigene Bedürfnisse und Grenzen zu spüren und klar zu benennen, fällt vielen schwer. Unbekanntes wird schnell als «nichts für mich» eingestuft – besonders wenn es um intime Themen geht.
BärnerBär: Wie wird der Intimbereich in einer Tantra-Massage einbezogen?
Marc Walter: In der Tantra-Massage wird der Körper als Ganzes betrachtet – ohne Bewertung einzelner Körperteile. Der Genitalbereich ist biologisch eine hochsensible Zone, die viel Energie, Lust und Lebensfreude freisetzen kann. Gleichzeitig können sich dort auch Emotionen, Blockaden oder frühere Erfahrungen festsetzen. Dies kann dazu führen, dass bestimmte Stellen weniger empfindsam oder fast taub werden. Durch langsame, zärtliche und wiederholte Berührungen des gesamten Intimbereichs kann sich die Sensibilität wieder entfalten und als Teil des gesamten Körpers wieder integriert werden.
BärnerBär: Arbeiten Sie mit Männern und Frauen?
Marc Walter: Ja. In meiner Haltung und Vorbereitung gibt es keinen Unterschied. Ich erlebe jedoch, dass Männer oft schneller ein Gefühl von Geborgenheit entwickeln, wenn der Intimbereich von Beginn an einbezogen wird. Viele Frauen benötigen zuerst Sicherheit und Vertrauen, bevor der Unterleib bereit für Berührungen ist.
BärnerBär: Für wen ist eine Tantra-Massage geeignet und für wen eher nicht?
Marc Walter: Sie eignet sich für volljährige Menschen, die neugierig sind, ihre eigene Sexualität besser zu verstehen und bewussten Empfindungen in einem geschützten Rahmen Raum zu geben. Oft steht der Wunsch dahinter, den persönlichen Horizont zu erweitern oder dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Auch für Paare kann es eine bereichernde Erfahrung sein. Nicht geeignet ist eine Tantra-Massage für Menschen, die explizit sexuelle Handlungen erwarten oder sich nicht auf neue Körpererfahrungen einlassen möchten. Auch bei starken Berührungsängsten oder unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen ist eine Tantra-Massage nicht der richtige Rahmen.

BärnerBär: Wie läuft eine Tantra-Massage bei Ihnen ab?
Marc Walter: Zu Beginn führen wir ein Vorgespräch. Nach dem Duschen beginnen wir mit einem Eröffnungsritual. Im ersten Teil der Massage geht es vor allem darum, im eigenen Körper anzukommen, sich zu erden und zu entspannen. Warmes Öl, Musik und Berührungen helfen dabei, ganz in die Körperwahrnehmung zu finden. Die Massage selbst folgt keinem starren Ablauf. Mein Gast und ich sind während der ganzen Massage in Kontakt und besprechen zusammen, wohin die Reise gehen soll.








