Alexandra Lüönd: «Schöne Menschen haben es leichter!»

Alexandra Lüönd
Alexandra Lüönd

Zürich,

«Attraktive Menschen haben es einfacher. Und niemand muss sich rechtfertigen, wenn er dazugehören will», schreibt unsere Beauty-Kolumnistin Alexandra Lüönd.

Alexandra Lüönd
Beauty-Kolumnistin Alexandra Lüönd. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Alexandra Lüönd schreibt eine monatliche Kolumne über Beauty-Themen.
  • Heute schreibt sie über die Privilegien gutaussehender Menschen.

Wurdest du schon einmal bevorzugt behandelt? Bist du bei einer Billetkontrolle ohne Busse davongekommen? Oder hat man beim Check-in am Flughafen ein Auge zugedrückt, obwohl dein Koffer eindeutig zu schwer war?

Dann hast du wahrscheinlich von «Pretty Privilege» profitiert.

Keine Einbildung

Auf TikTok und Instagram kursieren unter dem Hashtag #prettyprivilege zahlreiche Videos, in denen attraktive Menschen genau solche Erlebnisse schildern.

Und sie bilden sich das nicht ein. Studien belegen: Gut aussehende Menschen haben es leichter. Sie sind beliebter, verdienen mehr und werden sogar vor Gericht milder verurteilt.

Cameron Herrin und Jeremy Meeks
Cameron Herrin (links) und Jeremy Meeks (rechts) sind ein gutes Beispiel dafür, wie stark Aussehen selbst bei Verbrechern wirkt. Lüönd: «Wer attraktiv ist, wird oft nicht nur nach seiner Tat beurteilt, sondern auch nach seiner Wirkung. Genau dort beginnt Pretty Privilege.» - zvg

Man nennt das Phänomen auch den Halo-Effekt, ein Begriff, der vom Psychologen Edward Thorndike geprägt wurde.

Er beobachtete während des Ersten Weltkriegs, dass Soldaten mit hübschem Gesicht und guter Körperhaltung bei Vorgesetzten als kompetenter, besser im Schiessen – und gründlicher im Schuhputzen galten.

Was dich stört, dürfen andere nicht kleinreden

Jeder sollte schön sein dürfen. «Ist ja klar, dass sie das als Gründerin einer Schönheitsklinik sagt. Sie verdient mit Schönheit ja ihr Geld», denkst du jetzt vielleicht. Stimmt. Aber es geht mir nicht darum, jemandem vorzuschreiben, wie er auszusehen hat.

Im Gegenteil: Ich finde, jeder Mensch ist schön, genau so, wie er ist.

Aber meine Meinung spielt keine Rolle. Denn: Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Und wenn jemandem sein Spiegelbild nicht gefällt, helfen gut gemeinte Worte nicht. Man kann niemandem einreden, dass ein Makel, der ihn stört, nicht existiert.

Als ich mir in meinen Zwanzigern vollere Lippen wünschte, haben mir sechs Ärzte erklärt, ich sei schon schön genug, und mich wieder nach Hause geschickt. Sechs Männer, die über meinen Körper bestimmten und versuchten, mir ihr Schönheitsideal aufzudrücken.

Das hat mich nicht nur geärgert, sondern angetrieben. Und ich habe meine eigene Schönheitsklinik gegründet, in der wir Menschen ernst nehmen und ihnen helfen, selbstbestimmter zu leben.

Bist du mit deinem Aussehen zufrieden?

Veränderung ist nicht gleich Oberflächlichkeit

Natürlich gibt es Menschen, die Social-Media-Schönheitsidealen nacheifern. Die mit Fotos von Kylie Jenner oder Bella Hadid zu uns kommen. Und nach genau diesen Lippen oder dieser Nase fragen.

Hadid-Schwestern Gigi und Bella
Die Hadid-Schwestern Gigi und Bella. «Gutes Aussehen öffnet Türen, verschiebt Urteile und verändert, wie wir Menschen lesen, oft mehr, als wir zugeben wollen», findet Lüönd. - zvg

Aber die meisten wollen nicht jemand anderem gleichen, sondern sich selbst wieder näherkommen. Sie wollen, dass ihr Äusseres wieder zu ihrem Inneren passt.

Es geht um Selbstbewusstsein

Zum Beispiel, wenn sie sich jung und dynamisch fühlen, aber nicht mehr so wirken. Oder wenn Zornesfalten sie strenger erscheinen lassen, als sie sind.

Viele Männer suchen uns wegen Botox-Behandlungen auf, um übermässiges Schwitzen zu stoppen, weil sie nicht länger mit Schweisflecken unter den Achseln in Meetings sitzen möchten.

Das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Es geht um Selbstbewusstsein.

Kolumnistin Alexandra Lüönd
Unsere Beauty-Kolumnistin Alexandra Lüönd beim letzten Feinschliff vor einem Auftritt. - zvg

Und trotzdem müssen sich Menschen, die etwas an sich verändern, bis heute rechtfertigen. Vor der Familie, vor Freunden, vor wildfremden Menschen auf der Strasse und im Internet. Als wäre ihr Körper Allgemeingut. Als hätte irgendjemand das Recht, darüber zu urteilen.

Niemand muss sich dafür rechtfertigen, wenn er ins Fitnessstudio geht oder sich die Haare färbt. Aber Botox oder Filler? Dazu hat plötzlich jeder eine Meinung.

Schönheit ist Haltung

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und jeder darf selber entscheiden, was das für ihn bedeutet. Und wer etwas als störend empfindet, darf es ändern. Nicht nur beim Aussehen. In allen Lebensbereichen. Denn wenn du dein Leben nicht selbst in die Hand nimmst, wer macht es dann?

Schöne Menschen haben es leichter. Aber ich glaube, das liegt gar nicht nur daran, dass sie schön sind – sondern vor allem, weil sie sich schön fühlen.

Alexandra Lüönd.
Alexandra Lüönd. - zvg

Weil sie selbstbestimmt und selbstbewusst auftreten. Wer sich selbst respektiert, wird auch von anderen respektiert.

Am schönsten ist man, wenn man sich selbst treu ist: Du darfst dich schminken. Du darfst ungeschminkt rausgehen. Du darfst Botox spritzen. Du darfst Altern zulassen. Du darfst etwas ändern. Oder du darfst es lassen.

Und vor allem: Du musst dich für nichts davon rechtfertigen.

Zur Autorin:

Alexandra Lüönd ist eine führende Unternehmerin im Beauty- und Medical-Retail. Als Gründerin der Beauty2Go-Kliniken sowie «Brows & Brows» schuf sie die grössten Ästhetik-Ketten in der Schweiz. Mit «Brows & Brows» revolutioniert sie die PMU-Branche. Die 38-Jährige schreibt regelmässig Kolumnen für Nau.ch.

Kommentare

User #3006 (nicht angemeldet)

Manchmal sieht man gut aus aber ist zu punkig frisiert, dann versehen sie die Geschniegelten sie als graus-ansehend an. Dabei hat es auch sehr gutaussehende darunter.

User #2073 (nicht angemeldet)

Karlheinz Joachim Trump ist na Kennedy der zweitschönste US-Präsident.

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