Meret Schneider: «Unsere Fische sind praktisch alle importiert»

    Meret Schneider
    Meret Schneider

    Stäfa,

    «What about fish?», fragt sich Grünen-Nationalrätin Meret Schneider. Eine Kolumne über Aquakultur – und unseren viel zu hohen Fisch-Import.

    Meret Schneider Künstliche Intelligenz
    Nationalrätin Meret Schneider. - zvg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nationalrätin Meret Schneider (Grüne) schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
    • «Wir importieren 97 Prozent der konsumierten Fische und Krustentiere», schreibt Schneider.
    • Ein Vorstoss im Parlament sei deponiert.

    Wenn man mit Bäuerinnen, Bauern oder auch mit den Landwirtschaftsvertretern im Bundeshaus über Agrar- und Ernährungspolitik spricht, wird sehr schnell der «Selbstversorgungsgrad» als Zielgrösse ins Feld geführt.

    Es gilt, den Selbstversorgungsgrad von gegen Netto 50 Prozent beizubehalten. Oder im Idealfall zu erhöhen. Das ist nicht nur erklärtes Ziel des Bundes und der Agrarpolitik 2030, sondern auch des Schweizer Bauernverbandes. Und das von diversen Akteuren, die sich im Ernährungssektor engagieren.

    Unabhängigkeit vom Ausland

    Argumente dafür sind die Unabhängigkeit vom Ausland, die Wertschöpfung im Inland – und nicht zuletzt auch der Berufsstolz der Bäuerinnen und Bauern, die die Schweizer Bevölkerung ernähren wollen.

    Ist dir wichtig, woher dein Fisch stammt?

    Ein Blick auf die landwirtschaftliche Produktion zeigt denn auch: Mit Netto 68 Prozent liegt der Selbstversorgungsgrad bei den tierischen Produkten deutlich höher als bei der pflanzlichen Produktion, wo er bei nur 31 Prozent liegt.

    Dies ist primär darauf zurückzuführen, dass in der tierischen Produktion stärker mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (wie Grenzschutz und Direktzahlungen) gearbeitet wird, die die Inlandsproduktion wirtschaftlich attraktiver gestalten.

    Fleisch vor Billigimporten geschützt

    So sind beispielsweise Fleisch und tierische Erzeugnisse durch Grenzschutz und teilweise Kontingente vor allzu viel Billigimporten geschützt. Während dies für Hülsenfrüchte und Leguminosen (Bohnen, Erbsen) nicht gilt. Diese müssen sich am Markt gegenüber den billigen Konkurrenten aus der Türkei und anderen Ländern behaupten. Was zur Folge hat, dass nur ein geringer Anteil der konsumierten Körnerleguminosen aus der Schweiz stammt.

    Fleisch
    Fleisch ist vor Billigimporten geschützt. - keystone

    Absurde Selbstversorgung bei Aquakultur

    Aber auch bei den tierischen Nahrungsmitteln finden sich signifikante Unterschiede: Während der Selbstversorgungsgrad bei Milchprodukten bei über 100 Prozent, bei Schweinefleisch bei 92 Prozent und bei Geflügel bei 58 Prozent liegt, ist er bei Fischen und Erzeugnissen aus Aquakultur bei absurden drei Prozent.

    Sollten wir mehr Fisch aus der Schweiz essen?

    Wir importieren also 97 Prozent der konsumierten Fische und Krustentiere, ohne dass dies öffentlich diskutiert oder problematisiert würde.

    Stossend ist dies vor allem deshalb, weil alle Argumente, die für einen hohen Selbstversorgungsgrad bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen ins Feld geführt werden, auch für Fische und Krustentiere gelten.

    Eine Fischzucht.
    Eine Fischzucht. - Keystone

    Tierethisch fragwürdige Produktionssysteme

    Warum also ist dem so? Ein Blick auf die Gesetzesgrundlage und die Rahmenbedingungen macht es deutlich: Während für landwirtschaftliche Interessen lobbyiert wird, dass sich die Bundeshausbalken biegen, fehlt für Produzierende der Aquakultur, die nicht dem Landwirtschaftsgesetz unterstellt ist, komplett die Interessensvertretung im Parlament.

    So ist die Aquakultur von der Diskussion um den Selbstversorgungsgrad und die Abhängigkeit vom Ausland weitestgehend ausgenommen. Und wir importieren sorglos 97 Prozent des Fischbedarfs aus teilweise ökologisch und tierethisch fragwürdigen Produktionssystemen.

    Der Konsum von Fisch ist dabei leicht ansteigend. Auch die Sensibilisierung der Bevölkerung für Antibiotikaeinsatz in der Lachszucht und die Beifangproblematik steigt.

    Eigentlich ideale Voraussetzungen, um mehr Fisch und Erzeugnisse aus Aquakultur in nachhaltigen und möglichst tierfreundlichen Systemen in der Schweiz zu produzieren.

    Fisch
    Der meiste Fisch in der Schweiz ist importiert. - Despositphotos

    Innovative Produzierende stünden bereit

    Das Potenzial für Aquakultur wäre in der Schweiz nämlich gross und kaum ausgeschöpft. Innovative Produzierende stünden bereit, wie ich am Aquakulturtag, an dem ich als Speakerin teilnehmen durfte, erfahren konnte.

    Doch machen interessierte Produzierende mit spannenden Ideen die Rechnung ohne die Schweizer Bürokratie. Und entsprechenden baulichen Hindernissen im Raumplanungsgesetz: In der Landwirtschaftszone darf beispielsweise keine Aquakulturanlage gebaut werden, sondern nur in der Gewerbezone, was das Finden eines Standortes massiv erschwert.

    Zudem erschweren fehlender Grenzschutz und wenig attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen motivierten Produzierenden den Einstieg.

    Deutschland macht es vor

    Während Deutschland mit dem Nationalen Strategieplan Aquakultur das Potenzial bereits erkannt hat und Umwelt- und Gemeinwohlleistungen der Aquakultur honoriert, Investitionen fördert und raumplanerische Hindernisse abbaut, ist dies in der Schweiz noch kaum Thema.

    Ich habe in einem Vorstoss in der vergangenen Frühlingssession den Bundesrat daher eingeladen zu prüfen, wie auch die Schweiz das Potenzial nachhaltiger, tiergerechter Aquakultur besser ausgeschöpft hat. Und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden könnten. Ich bin gespannt auf die Antwort!

    Meret Schneider.
    Nau.ch-Kolumnistin: Nationalrätin Meret Schneider. - zVg

    Zur Person

    Meret Schneider (33) ist Mitglied des Schweizer Nationalrats. Sie arbeitet als Projektleiterin beim Kampagnenforum. Weiter ist sie Vorstandsmitglied der Grünen Partei Uster ZH.

    Kommentare

    User #7347 (nicht angemeldet)

    Ich bin so grün und extrem umweltfreundlich. Bin voll für Vegi. Maximale Zuwanderung und Import von vegi Nahrung sind die Zukunft des Landes. Bin natürlich gegen jede Käfighaltung. Hehehe. LOL.

    User #4952 (nicht angemeldet)

    Grüne sind sonst immer für ungebremsten Import, sie wollen keine Begrenzung einführen.

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