Trauerstörung: Wenn Trauer zur Krankheit wird

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    Bern,

    Trauer ist eine normale Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen – keine Krankheit. Sie kann sich aber dazuentwickeln. So zeigt sich die Trauerstörung.

    Friedhof Grab Trauerstörung
    Einige meiden den Friedhof mit dem Grab des geliebten Menschen komplett, andere verbringen dort sehr viel Zeit: Eine anhaltende Trauerstörung kann sich ganz unterschiedlich ausdrücken. - Christin Klose/dpa-tmn

    Das Wichtigste in Kürze

    • In manchen Fällen entwickelt sich aus einer normalen Trauerreaktion eine Trauerstörung.
    • Die Symptome sind die gleichen, bei einer Trauerstörung heilen sie nur nicht mit der Zeit.
    • Die WHO hat die anhaltende Trauerstörung als Krankheit anerkannt.
    • Wer Anzeichen bei sich erkennt, sollte einen Psychologischen Psychotherapeuten aufsuchen.

    Ganz geht die Trauer nie, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Aber mit der Zeit schiebt sie sich mehr und mehr in den Hintergrund. Und schafft damit Platz für den Alltag, für Freude, für Neues.

    Normal ist aber auch, dass der Schmerz – auch Jahre später – in einigen Momenten wieder aufflackert. Zum Beispiel am Todestag, an Geburtstagen, vielleicht aber auch einem gewöhnlichen Mittwochnachmittag.

    Die Trauer schränkt den Alltag ein

    Bei einem Teil der Trauernden behält die Trauer jedoch ihre Wucht. Dann kann es sein, dass sich eine anhaltende Trauerstörung entwickelt hat. Die Grenze zwischen einer normalen Trauerreaktion und dieser Erkrankung verläuft dabei fliessend.

    «Eine anhaltende Trauerstörung besteht aus Symptomen, wie sie bei einer sehr akuten Trauer vorkommen, die aber über die Zeit nicht besser werden. Wir sprechen hier von sechs bis zwölf Monaten», so Prof. Rita Rosner.

    Die Inhaberin eines Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie forscht zur anhaltenden Trauerstörung.

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    Ein Anzeichen für eine Trauerstörung ist, dass Betroffene zum Beispiel nicht zur Schule gehen können. - Pexels

    Ein Anzeichen für eine anhaltende Trauerstörung kann laut Rita Rosner sein, dass die Trauer auch nach dieser Zeit Betroffene in ihrem Alltag stark einschränkt, si zumBeispiel nicht arbeiten oder zur Schule gehen können.

    Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, an einer anhaltenden Trauerstörung zu erkranken, ist erhöht, wenn der Verlust plötzlich und unerwartet kam. Und wenn es enge Bezugspersonen wie Partner oder Kind waren.

    «Nach dem Verlust kann mangelnde soziale Unterstützung ein Faktor sein», so Psychotherapeutin Rosner.

    Als Krankheit anerkannt

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 2019 beschlossen, die anhaltende Trauerstörung als Krankheit anzuerkennen, sie also in den internationalen Katalog klassifizierter Krankheiten (ICD) aufzunehmen.

    Demnach ist ein intensiver emotionaler Schmerz ein wichtiges Merkmal. Er kann verschiedene Formen annehmen: Traurigkeit, Wut, Schuldgefühle, extreme Sehnsucht oder auch emotionale Taubheit.

    Psychotherapie kann helfen

    Wer diese Anzeichen bei sich bemerkt, dem rät Rita Rosner dazu, einen Psychologischen Psychotherapeuten aufzusuchen. «Es kann auch sinnvoll sein, Selbsthilfegruppen zu besuchen oder spezielle Beratungsangebote anzunehmen.»

    Diagnostiziert wird eine anhaltende Trauerstörung durch ein Gespräch. «Es kann aber auch sein, dass Trauernde andere Störungen entwickeln wie zum Beispiel eine Depression oder Angststörung», so Rosner. Anschliessen kann sich dann eine Psychotherapie.

    Trauer Menschen Begleitung
    Wer trauert, dem tut Begleitung anderer Menschen meistens gut. - Pexels

    Dass die Trauerstörung mittlerweile als Krankheit eingestuft ist, hat laut Rita Roser den Vorteil, dass Betroffene früher und besser Hilfe bekommen können.

    «So kam es häufig vor, dass sie mit Antidepressiva oder verschiedenen Beruhigungsmitteln behandelt wurden. Heute wissen wir, dass so eine pharmakologische Behandlung selten hilfreich ist.»

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