Warum «Nicht weinen» Kindern schadet – und 5 stärkende Sätze

Kiran Iqbal
Kiran Iqbal

Bern,

Viele Kinder schlucken ihre Gefühle, weil Erwachsene ihre Tränen stoppen wollen. Klüger ist es, Emotionen zu begleiten – und diese fünf Sätze helfen dabei.

Weinendes Mädchen
Tränen gehören dazu: Schon Babys nutzen Weinen als Kommunikationsmittel – sie zeigen damit Hunger, Schmerz, Müdigkeit oder das Bedürfnis nach Nähe. - Depositphotos

Nicht selten verspüren Erwachsene den Drang, zu trösten, zu beruhigen, die Situation zu glätten, wenn die Tränen beim Kind fliessen. Schnell fällt dann oft der Spruch: «Nicht weinen».

Doch genau das führt dazu, dass der Nachwuchs sich in seinen Gefühlen blockiert fühlt. «Meine Reaktion scheint falsch zu sein», nehmen viele Kinder an.

Studien bestätigen, dass unterdrückte Gefühle Stress verstärken und die Fähigkeit zur Selbstregulation schwächen. Als Elternteil sind folgende Sätze deutlich besser angebracht.

Satz 1: «Es ist okay zu weinen, ich bin bei dir.»

Kinder spüren sofort, ob jemand bei ihnen bleibt oder sich zurückzieht. Ein Begleiter, der nach ihnen sieht und nicht wegschaut, vermittelt Sicherheit, auch wenn eine Situation überwältigend scheint.

Mutter tröstet weinendes Mädchen
Trauer bekommt in der Gesellschaft oft zu wenig Platz. (Symbolbild) - Depositphotos

Wenn die Tränen fliessen dürfen, kann sich das Nervensystem beruhigen. Zusammen durch einen solchen Moment zu gehen, zeigt dem Kind, dass Gefühle keine Bedrohung sind.

Satz 2: «Ich sehe deine Tränen.»

Manchmal versteht man den Grund für den Schmerz nicht sofort. Trotzdem zählt zuerst die Wahrnehmung: Du wirst gesehen.

Diese einfache Rückmeldung entschärft oft schon die Hälfte des Stresses. Kinder fühlen sich ernst genommen ‒ und das fördert emotionale Klarheit und eröffnet einen Ausweg aus der tränenweckenden Lage.

Satz 3: «Deine Gefühle ergeben Sinn.»

Dieser Satz holt Kinder dort ab, wo sie stehen. Sie hören: Mein Inneres ist nicht falsch.

Auch wenn eine Reaktion etwas überschiessen mag, dahinter steckt immer ein echtes Bedürfnis. Pädagogische Fachpersonen bestätigen, dass Kinder besser lernen, ihre Gefühle einzuordnen, wenn Erwachsene sie nicht bewerten.

Die Botschaft lautet: Was du fühlst, verdient Respekt.

Satz 4: «Es ist ganz natürlich, traurig zu sein.»

Viele Eltern wünschen sich ein fröhliches Kind – doch ein dauerhaft glücklicher Mensch existiert nicht. Traurigkeit gehört dazu wie Freude oder Wut.

Vater tröstet traurigen Sohn
Studien zeigen auch, dass Kinder, die lernen, Traurigkeit zuzulassen, später bessere soziale Beziehungen aufbauen. Sie entwickeln Empathie und können sensibler reagieren. - Depositphotos

Wer das früh lernt, erlebt unangenehme Gefühle später weniger bedrohlich. Kinder begreifen, dass Tränen ein normaler Teil ihres Innenlebens sind.

Das senkt den Druck, immer «funktionieren» zu müssen.

Satz 5: «Weinen ist eine gesunde Art, Gefühle loszulassen.»

Tränen sind kein Alarmzeichen, sondern ein Ventil. Der Körper reguliert sich auf diese Weise selbst, ähnlich wie beim tiefen Atmen oder beim Spiel.

Erwachsene können Kindern andere Wege zeigen, um Gefühle zu sortieren: Zeichnen, Rennen, Musik, Gespräche. Auf diese Weise entdecken sie Strategien, die langfristig tragen.

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Kommentare

User #5500 (nicht angemeldet)

"Tränen lügen nicht!" Phaa, von wegen! Das weiss jede Frau herzlichst genau für sich einzusetzen, und genauso wissen es auch schon die Kinder! Wenns einmal so klappt, warum denn nicht auch noch ein zweites und drittes Mal? Reglen! Regeln brauchen Kinder, das und Konsequenzen! Jeder der Tiere erzieht, der weiss haargenau wovon ich spreche, und genau so funktioniert es auch mit Kindern. Regeln ohne Konsequenzen, sind NICHTS!

User #2901 (nicht angemeldet)

Es gibt immer besser Psychologen und Medikamente und Erkenntnisse ? Warum gibt es immer Erkrankungen und Depressionen und Lebensmüde? Ist die Politik so schlecht oder an was liegt es das es immer mehr Depression gibt?

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