Wasserstoff und E-Fuels: Hoffnung gegen Realität

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Schnelles Tanken und hohe Reichweiten: Das versprechen Wasserstoff und E-Fuels. Doch wie stark sind die Alternativen zum E-Auto wirklich? Der Check.

Toyota Mirai
Japanische Bedeutung: Der Modellname «Mirai» stammt direkt aus dem Japanischen und bedeutet übersetzt schlicht «Zukunft». - Toyota

Wer am Gotthard im Sommerstau steht, wünscht sich an der Ladesäule oft die Reichweite klassischer Kraftstoffe zurück. Genau hier setzen alternative Antriebe wie die Brennstoffzelle und synthetische Treibstoffe an.

Diese Systeme wandeln chemische Energie direkt an Bord um oder nutzen Verbrennungsmotoren mit grünem Sprit. Doch in der Praxis sind diese alternativen Energiequellen bislang kaum zu finden:

Toyota Mirai
Umwelt-Live-Ticker im Toyota Mirai: Das Infotainment-System zeigt während der Fahrt live an, wie viele Tausend Liter Luft das Fahrzeug bereits von Feinstaub gereinigt hat. - Toyota

Im ersten Halbjahr 2025 registrierte die Schweiz lediglich drei neue Wasserstoffautos, während die Händler über 23'000 Batterieboliden verkauften. Der harte Vergleich mit dem Batterie-Benchmark offenbart gewaltige Schwachstellen für den Schweizer Alltag.

Wasserstoff: Schnelles Tanken gegen schlechte Effizienz

Hersteller wie Toyota mit dem Mirai oder Hyundai mit dem neuen Nexo halten an der Brennstoffzelle fest. Auch BMW plant ab 2028 ein Serienmodell mit neuem Wasserstoff-Flachspeicher für bis zu 750 Kilometer Reichweite.

Der grösste Vorteil gegenüber batterieelektrischen Autos liegt auf der Hand: Der Tankvorgang dauert nur knappe fünf Minuten. Zudem sinkt die Reichweite bei klirrender Kälte im Schweizer Winter kaum ab.

Hyundai Nexo
Hyundai Nexo: In nur einer Stunde Fahrt reinigt das Luftfiltersystem des Fahrzeugs rund 26.9 Kilogramm Luft – so viel wie ein Erwachsener in mehreren Tagen atmet. - Hyundai

Kritisch bleibt jedoch die schlechte Gesamteffizienz, da bei Elektrolyse und Transport viel Energie verloren geht. Zudem bremsen die aktuell nur knapp 20 Schweizer Tankstellen und Preise ab 68'000 Franken den Massenmarkt rigoros aus.

E-Fuels: Hoffnungsträger für den Bestand scheitert am Angebot

Porsche fertigt im chilenischen Projekt Haru Oni synthetischen Kraftstoff aus Windenergie, Wasser und CO2. Dieser flüssige Treibstoff macht herkömmliche Verbrennungsmotoren nahezu klimaneutral nutzbar.

Im Vergleich zu reinen Stromern bleibt die vorhandene Tankstellen-Infrastruktur ohne Umbauten sofort einsatzbereit. Auch Millionen von Bestandsfahrzeugen fahren damit theoretisch ohne teuren Batteriewechsel weiter.

Alpine HY6 mit Wasserstofftechnologie

Die Realität sieht jedoch ernüchternd aus, denn 2024 entstanden im Pilotwerk unter 100'000 Liter E-Fuel. Wegen extremer Produktionskosten und geringer Verfügbarkeit bleibt der grüne Sprit vorerst dem Rennsport vorbehalten.

Wasserstoff-Verbrenner: Der Kompromiss mit emotionalem Sound

Neben der Brennstoffzelle testen Hersteller wie Toyota und Alpine direkte Wasserstoff-Verbrennungsmotoren. Diese Antriebe nutzen klassische Kolbenmotoren, verbrennen aber reinen Wasserstoff statt fossilem Benzin.

Vorteilhaft ist das vertraute Geräusch des Motors und der Verzicht auf seltene Batterierohstoffe. Zudem nutzen Automobilhersteller bestehende Produktionsstrassen mit überschaubarem Umbauaufwand weiter.

Doch auch hier trüben geringe Wirkungsgrade und die sperrige Hochdruck-Speicherung im Fahrzeug die Bilanz massiv. Ohne flächendeckende Zapfsäulen bleibt die Technik eine reine Spielerei für Rennstrecken.

Kommentare

User #5426 (nicht angemeldet)

Wasserstoff und e-Fuels für Autos macht wirtschaftlich absolut keinen Sinn. Wenn Wasserstoff wirklich aus Elektrolyse von Wasser hergestellt würde braucht er dafür 4-5mal mehr Strom als ein Elektroauto. Heutzutage wird jedoch weltweit über 90% des vorhandenen Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen gewonnen und als Abfallprodukt entsteht CO2 an. Mit erneuerbarer Energie hat der heutige Wasserstoff nichts am Hut. Und die Hoffnung auf e-Fuels stirbt bei einigen zuletzt. Aber diese Personen werden gerne 5.- Franken und mehr pro Liter bezahlen.

User #5607 (nicht angemeldet)

Wasserstoff: Hat sich bisher nicht durchsetzen können und ist eine absolut kleine Nische. Es gibt nur eine sprichwörtliche Handvoll an Modellen und von der Infrastruktur wollen wir gar nicht erst anfangen, es gibt in der Schweiz ganze 18 Wasserstofftankstellen. E-Fuels: Ist aufgrund einer schweizer Wissenschaftlerin wieder ins Gespräch gekommen nachdem es lange still drum war, aber mehr als eine Lebensverlängerung für Verbrenner sehe ich da nicht drin. Ob sich der Riesenaufwand wirklich lohnt, ist fraglich. Moderne Elektroautos bieten aktuell eine durchschnittliche Reichweite von 470km bis 520km. Das wird in Zukunft sich noch steigern und irgendwann hat man dann eine durchschnittliche Reichweite erreicht, welche Verbrenner endgültig überflüssig macht Ich meine, der Diesel ist ja schon quasi weg vom Fenster, ist auf unter 10% bei den Neuzulassungen in der Schweiz gefallen. Der Benziner wehrt sich zwar noch tapfer, aber auch dort werden die Elektroautos bald vorbeiziehen bei den Neuzulassungen in der Schweiz. Es wird dann auch spannend, ob und wann die reinen Elektroautos die Hybride aller Art, welche aktuell der Lieblingsantrieb der Schweizer gemäss Neuzulassungen ist, überholen können.

Weiterlesen

Hyundai Santa fe
28 Interaktionen
Praktisch
hyundai ioniq 3
194 Interaktionen
«Aero Hatch»

MEHR AUS STADT BERN

Bern Pride
Kurz vor CSD-Terror
11 Interaktionen
Trotz Hitze
6 Interaktionen
Um 257 Leute
Lamine Yamal
77 Interaktionen
Gewusst?