Totgesagte leben länger – oder sterben leise

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Europas Automobilindustrie steht mit dem Rücken zur Wand. Droht den stolzen Traditionsherstellern in den nächsten zehn Jahren der totale Kollaps?

Top-Selling map
Karte der Sieger: Die erfolgreichsten Automarken nach Ländern. - Reddit.com (Screenshot)

Die europäische Automobilindustrie steht vor einem historischen Scherbenhaufen. Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität verpuffen, während die Gewinne traditionsreicher Konzerne wie Volkswagen im Jahr 2025 um drastische 33 Prozent einbrachen.

Ausländische Märkte brechen weg und der einheimische Absatz stagniert auf gefährlich tiefem Niveau. Allein in Deutschland droht bis 2030 der Verlust von rund 150'000 Arbeitsplätzen in der gesamten Wertschöpfungskette.

Volkswagen AG
Allein der VW-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 600'000 Arbeitnehmer. - Wikipedia

Die harten Realitäten von Überkapazitäten und verfehlter Modellpolitik rütteln das wirtschaftliche Fundament unseres Kontinents gründlich durch. Der globale Überlebenskampf hat längst begonnen und verzeiht keine strategischen Fehltritte mehr.

Die Zange aus China und US-Zöllen

Der äussere Druck auf die europäischen Autobauer nimmt existenzbedrohliche Ausmasse an. In China buhlen über 100 einheimische Elektrofahrzeug-Hersteller in einem brutalen Preiskampf um Marktanteile, die den Europäern unwiederbringlich verloren gehen.

Zusätzlich belasten neue protektionistische Massnahmen das volatile Exportgeschäft massiv. So kosteten die US-Strafzölle allein die VW-Tochter Audi in den ersten drei Quartalen rund 850 Millionen Euro.

BME iX3
BMW AG: Mehr als 80 % des gesamten Umsatzes wurden im Jahr 2025 durch den Export generiert. - BMW

Die globalen Lieferketten erweisen sich durch geopolitische Krisen im Nahen Osten als äusserst anfällig. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die Branche stürzte folgerichtig im April 2026 auf alarmierende -23.8 Punkte ab.

Radikaler Sparkurs als Überlebensgarantie

Die nächsten zehn Jahre erzwingen eine fundamentale makroökonomische Bereinigung der Konzerne. Volkswagen forciert bereits den Abbau von weltweit 35'000 Stellen und will jährlich 15 Milliarden Euro einsparen.

Mercedes-Benz zieht nach und plant bis Ende 2027 eine strikte Kostensenkung von fünf Milliarden Euro. Das traditionelle Premiumsegment stösst an seine Wachstumsgrenzen und verlangt nach schlankeren Strukturen.

Kreislaufwirtschaft
Der Kreislaufwirtschaft kommt nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell eine grosse Bedeutung zu. - Stiftung Auto Recycling Schweiz (Screenshot)

Das reine Festhalten an alten Pfründen ist volkswirtschaftlich definitiv zum Scheitern verurteilt. Nur eine drastische Reduktion der Fixkosten sichert die nötige Liquidität für zukünftige Innovationszyklen.

Die strategische Kehrtwende der Industrie

Die einzige funktionierende volkswirtschaftliche Überlebensstrategie liegt in der technologischen Flexibilität und der Absicherung von Ressourcen. Erfolgreiche Hersteller fahren zweigleisig und entwickeln parallel hocheffiziente Verbrenner sowie bezahlbare Elektroautos im Segment unter 25'000 Euro.

Gleichzeitig verringert der forcierte Aufbau einer geschlossenen europäischen Kreislaufwirtschaft die fatale Rohstoffabhängigkeit von Asien. Experten prognostizieren, dass bis 2040 bereits die Hälfte aller Antriebsbatterien aus recyceltem Material bestehen wird.

Stellantis Marken
Zukunftsprojekt Europa: Mit Milliardeninvestitionen bekennt sich Stellantis klar zum Industriestandort Frankreich und sichert langfristig Tausende Arbeitsplätze. - Stellantis

Kombiniert mit softwarebasierten Effizienzgewinnen durch künstliche Intelligenz kann Europa seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig stabilisieren. Diese tiefgreifende Transformation wird letztlich über den Fortbestand der europäischen Schlüsselindustrie auf dem globalen Markt entscheiden.

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Kommentare

User #5049 (nicht angemeldet)

Mir fehlt unter anderem ein wichtiger Punkt in diesem Bericht; nämlich der Einfluss der EU-Politik...

User #1569 (nicht angemeldet)

Die Europäischen Hersteller haben nicht zu viel in Elektroautos investiert, sondern viel zu spät!

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