Schummel-Hybride 2026: Die grosse Kostenfalle

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Neue Daten belegen massiven Mehrverbrauch. Erfahre hier alles zu steigenden Steuern, CO2-Sanktionen und der Kostenfalle für PHEV-Fahrer.

Porsche 911
Bei über 11'000 untersuchten Porsche-Hybriden lag der reale elektrische Fahranteil im Median bei nahezu 0%. Der Realverbrauch lag oft bei 7 Litern und mehr, statt der angegebenen 2 Liter. - Porsche

Der Begriff «Schummel-Hybride» ist im Frühjahr 2026 wieder in aller Munde. Grund dafür sind brandaktuelle Daten des Fraunhofer ISI und des Ariadne-Projekts (Februar 2026), die auf Basis von über einer Million Fahrzeugen bestätigen:

Die Lücke zwischen Katalogwert und Realität ist bei Plug-in-Hybriden (PHEV) massiv. Informiere dich in unserem kompakten Skandal-Check über aktuellen Lage.

1. Die Fakten: Wie gross ist die «Schummel-Lücke»?

Aktuelle Auswertungen der EU-weiten OBFCM-Daten (On-Board Fuel Consumption Monitoring) zeigen ein düsteres Bild:

Realverbrauch: PHEVs verbrauchen im Schnitt 300 bis 500 Prozent mehr Kraftstoff als offiziell angegeben.

Mercedes-Benz, GLC, Werbefoto
Mercedes-Benz: Die Schere zwischen den Katalogwerten (oft unter 1 Liter) und der Realität (oft über 5 Liter) bei Dienstwagennutzung klafft massiv auseinander. - Mercedes-Benz

Durchschnittswerte: Während im Prospekt oft 1.2 bis 1.5 Liter stehen, fliessen im Alltag im Mittel 5.9 Liter pro 100 km durch die Leitungen.

Ursache: Zu seltenes Laden und die Tatsache, dass der Verbrenner auch bei vollem Akku häufiger anspringt (etwa zum Heizen), als die Testzyklen annehmen.

2. Sanktionen: Druck auf Importeure und Preise

Die Schweiz hat ihre CO2-Zielwerte für Neuwagen per 1. Januar 2026 erneut verschärft (Zielwert: 111 g/km nach WLTP).

Anpassung des «Utility Factors»: Wie in der EU wird nun auch in der Schweiz offiziell ein geringerer Anteil an elektrischer Fahrt für Hybride angenommen.

BMW X5 xDrive50e
BMW: Der BMW 330e und der X5 xDrive50e wurden als typische Vertreter der Oberklasse-Hybride herangezogen, die im Realbetrieb deutlich über 6 Liter verbrauchen, wenn sie nicht täglich geladen werden. - BMW

Folge: Ein PHEV, das 2025 noch mit 25 g CO2/km gelistet war, steht 2026 plötzlich mit 50–70 g CO2/km im System.

Hyundai Tucson
Kia & Hyundai: Der Kia Sorento PHEV und der Hyundai Tucson schnitten im Vergleich zu den deutschen Premiummarken besser ab. - Hyundai

Finanzielles Risiko: Importeure, die ihre Flottenziele verfehlen, geben die CO2-Sanktionen direkt über höhere Listenpreise an die Käufer weiter. Viele Hybride sind dadurch 2026 deutlich teurer geworden.

3. Steuererhöhungen: Das Ende der «Gratis-Fahrt»

In der Schweiz entscheiden die Kantone über die Motorfahrzeugsteuer. Hier hat sich 2026 das Blatt gewendet:

Kanton St. Gallen (Referenzfall 2026): Seit dem 1. Januar gilt ein neues, technologieneutrales System nach Gewicht und Leistung.

Toyota RAV4
Positivbeispiel Toyota: Modelle wie der RAV4 Plug-in Hybrid oder der Prius PHEV erreichten deutlich höhere elektrische Fahranteile (bis zu 43%). (Symbolbild) - Toyota

Da PHEVs durch die Kombination aus Verbrenner und Batterie sehr schwer sind, zahlen sie nun oft mehr Steuern als reine Benziner (Beispiel: Ein Hybrid-SUV kann über 800 CHF kosten, während ein effizienter Benziner bei 400 CHF liegt).

Kanton Aargau: Auch hier wurde die Steuer 2026 angepasst. PHEVs erhalten zwar noch einen kleinen Gewichtsabzug (10%), aber die hohen PS-Zahlen treiben die Rechnung massiv nach oben.

Energieetikette: Viele PHEVs sind 2026 von Kategorie A nach B oder C gerutscht. Damit entfallen in Kantonen wie Zürich oder Bern die bisherigen Rabatte auf die Verkehrssteuer.

4. Wirtschaftlichkeit: Die Kostenfalle

Wer in der Schweiz einen PHEV fährt, spürt 2026 den «Skandal» im Portemonnaie.

Hohe Strompreise: Mit öffentlichen Ladepreisen von oft über 70 Rappen/kWh ist das elektrische Fahren mit dem Hybrid teilweise teurer als das Fahren mit Benzin.

Dienstwagen (Privatanteil): Anders als in Deutschland (0.5 %-Regel) gibt es in der Schweiz für Hybride beim Privatanteil (0.9 % des Kaufpreises) keine pauschalen Vergünstigungen. Man versteuert den vollen Kaufpreis.

Ford Kuga
Ford & Renault: Hier wurden kompaktere Modelle (z. B. Ford Kuga PHEV oder Renault Captur E-Tech) als vergleichsweise «ehrlichere Hybride eingestuft. (Symbolbild) - Ford

E-Auto-Abgabe (ab 2030): Die Vernehmlassung zur neuen Abgabe (ca. 5.4 Rp./km) wurde im Januar 2026 abgeschlossen. PHEVs werden hier wahrscheinlich voll erfasst, was die Attraktivität für Gebrauchtkäufer und damit den Wiederverkaufswert massiv drückt.

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Kommentare

User #5318 (nicht angemeldet)

Der Staat braucht Geld für neue Velotunnel… Das Ganze zeigt nur etwas: Sobald sich der Staat in technologische Lösungen einmischt, kommt nichts Gescheites dabei raus! Dito bei den Elektroautöli!

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