Ranger in Panik? Chery will in die Alpen
Mit dem offiziellen Markteintritt des chinesischen Autogiganten Chery im Herbst 2026 gerät die Schweizer Autobranche ordentlich in Bewegung.

Während der Hersteller zunächst moderne SUV-Modelle forciert, blickt das hiesige Gewerbe gespannt auf ein völlig anderes Kaliber. Die entscheidende Frage lautet: Wann rollt der robuste Allrad-Pickup Chery Himla auf Schweizer Alpenstrassen?
Der neu entwickelte Himla zielt auf etablierte Bestseller wie den Toyota Hilux oder den Ford Ranger. Bei 5.34 Metern Gesamtlänge setzt das Fahrzeug kompromisslos auf einen verwindungssteifen Leiterrahmen und zuschaltbaren Allradantrieb samt Geländeuntersetzung.

Ein robuster 2.3-Liter-Turbodiesel mobilisiert kraftvolle 420 Newtonmeter Drehmoment, gekoppelt an eine bewährte Achtstufen-Automatik für anspruchsvolle Passfahrten. Auf der grosszügigen Ladefläche transportiert das chinesische Modell souverän eine Tonne Nutzlast.
Importeur bremst vorerst die Euphorie
Für den Schweizer Generalvertrieb der Marke zeichnet offiziell die Winterthurer Luxi Motors AG verantwortlich. Deren Strategie priorisiert zum Verkaufsstart im Herbst 2026 allerdings zunächst reine Personenwagen und Familien-Crossover.
Erste Handelspartner wie die renommierte Auto-Zentrum West AG in St. Gallen konzentrieren sich vorerst auf volumenstarke «Tiggo»-Modelle. Der Schweizer Markt für Pritschenwagen bleibt mit knapp 2'800 jährlichen Neuzulassungen schliesslich ein hart umkämpftes Nischensegment.

Gleichwohl registrieren Ostschweizer Vertriebsstützpunkte bereits reges Interesse an der fernöstlichen Arbeitsmaschine. Ohne flächendeckende Ersatzteilversorgung und geschultes Werkstattpersonal wagt der Importeur jedoch keinen überstürzten Markteintritt.
Hürden der eidgenössischen CO2-Gesetzgebung
Als grösste Hürde für eine zeitnahe Schweizer Zulassung erweisen sich die strengen CO2-Vorschriften des Bundes. Klassische Dieselaggregate ohne Elektrifizierung belasten die Flottenemissionswerte eines Neuimporteurs mit empfindlichen Sanktionsabgaben des Bundesamts für Energie.
Aus diesem Grund forciert Chery für Europa vor allem eine teilelektrifizierte Plug-in-Hybrid-Variante des Himla. Dank über 1'000 Kilometern Gesamtreichweite und drastisch gesenkter Normverbräuche federt dieser Antrieb allfällige CO2-Sanktionen geschickt ab.

Entsprechende Homologationsverfahren für den anspruchsvollen europäischen Rechtsraum beanspruchen allerdings Zeit. Mit den ersten offiziell importierten Kundenfahrzeugen ist in der Schweiz daher realistischerweise erst ab Spätsommer 2027 zu rechnen.
Massiver Preisdruck im Gewerbesektor
Sobald die Marktverfügbarkeit gewährleistet ist, dürfte die Preisgestaltung das hiesige Nutzfahrzeugsegment nachhaltig aufmischen. Für vergleichbar ausgestattete Doppelkabinen verlangt die etablierte Konkurrenz in der Schweiz rasch mehr als 55'000 Franken.
Chery peilt für den Himla hingegen einen aggressiven Einstiegspreis deutlich unter der Konkurrenz anbieten. Zwar schätzt die Schweizer Kundschaft Tradition und Markentreue, doch bei harten Betriebskosten entscheidet letztlich die Rendite.
Spätestens zur erwarteten Markteinführung 2027 bricht für die etablierten Platzhirsche damit ein ungemütlicher Verdrängungswettbewerb an.






