Range Rover Velar: Radikaler Verzicht zum Premium-Tarif
Ein Cockpit fast ohne Tasten und ein Vierzylinder-Plug-in-Hybrid? Mutet Land Rover der anspruchsvollen Schweizer Kundschaft beim Velar zu viel Askese zu?

Wer hinter die glatte Fassade des Range Rover Velar blickt, entdeckt handfeste Ingenieurskunst – und ein Konzept mit scharfen Kanten. Im Fokus für hiesige Käufer steht der Plug-in-Hybrid P400e mit einer Systemleistung von 404 PS.

Unter der Haube arbeiten ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner und ein 105 kW starker Elektromotor Hand in Hand.
Elektrische Reichweite knapp bemessen?
Dank der vergrösserten Batterie mit 19.2 kWh Bruttokapazität (rund 15.4 kWh nutzbar) fährt der Brite im WLTP-Zyklus bis zu 64 Kilometer rein elektrisch; als realistische Alltagsreichweite nennt Land Rover selbst bis zu 51 Kilometer.
Das genügt für die abgasfreie Fahrt von Zug in die Zürcher Innenstadt, rund 29 Kilometer – für den Rückweg sollte man am Ziel allerdings nachladen. An einer Gleichstrom-Schnellladesäule lädt der Velar mit bis zu 50 kW in rund dreissig Minuten von null auf achtzig Prozent.

Wer lieber auf Langstrecken-Drehmoment setzt, wählt den Reihensechszylinder-Diesel D300 mit 300 PS und satten 650 Newtonmetern.
Radikaler Minimalismus im Cockpit
Beim Einstieg fällt der Blick sofort auf die aufgeräumte Mittelkonsole. Physische Drehregler für die Klimatisierung oder das Fahrprogramm Terrain Response sucht die Hand hier vergebens.
Diese Funktionen sind in den frei schwebenden, gewölbten 11.4-Zoll-Touchscreen des Pivi-Pro-Systems gewandert; geblieben sind im Wesentlichen die Tasten am Lenkrad und die Schaltwippen. Zwei Tipps auf dem hochauflösenden Glas genügen laut Werk für rund achtzig Prozent aller Alltagsaufgaben.

Dennoch erfordert diese konsequente Digitalisierung auf kurvigen Bündner Passstrassen anfangs visuelle Aufmerksamkeit. Wer kein traditionelles Leder wünscht, kann für den Innenraum übrigens einen hochwertigen Wollmischstoff des dänischen Textilspezialisten Kvadrat wählen.
Souveränität zwischen Asphalt und Alpgelände
Wie schlägt sich der rund 4.80 Meter lange Brite, wenn der gepflegte Schweizer Asphalt plötzlich endet? Das adaptive Fahrwerk Adaptive Dynamics, in der Schweiz ab der Belgravia Edition Satin serienmässig, überwacht die Radbewegungen bis zu 500-mal und die Karosseriebewegungen bis zu 100-mal pro Sekunde und passt die Dämpfung laufend an.
Mit der elektronischen Luftfederung, die erst die oberen Linien serienmässig mitbringen, senkt sich der Wagen beim Einsteigen höflich um vierzig Millimeter ab. Abseits befestigter Wege durchquert der Allradler mit Luftfederung Wasser bis zu 580 Millimeter Tiefe; mit der Stahlfederung der Basisversionen sind es 530 Millimeter.
Als Mild-Hybrid nimmt das elegante SUV bis zu 2.5 Tonnen schwere Pferde- oder Bootsanhänger an den Haken – beim Plug-in-Hybrid P400e ist bei 2.0 Tonnen Schluss.







