NIO EL8: Ist das der neue Schweizer Liebling?

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    Bern,

    Chinas automobile Oberklasse nimmt die kaufkräftige Schweizer Kundschaft ins Visier. Und das mit unübersehbarem Selbstbewusstsein. Was bietet der Elektro-SUV?

    NIO EL8
    Das vollelektrische Flaggschiff-SUV misst stolze 5.10 Meter in der Länge und bietet serienmässig Platz für sechs Personen. - NIO

    Mit dem neuen EL8 stellt sich NIO gegen die etablierte süddeutsche Premium-Konkurrenz. Der über fünf Meter lange Sechssitzer lockt mit hochmoderner Sensortechnik sowie einem fähigen Allradantrieb.

    Zwei leistungsstarke Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse generieren zusammen eine enorme Systemleistung von 480 kW. Das entspricht exakt 653 PS, dazu gesellt sich ein wuchtiges Drehmoment von beachtlichen 850 Newtonmetern.

    NIO EL8
    Im praktischen «Camping-Modus» hält das SUV die Klimatisierung und Stromversorgung über Nacht stabil, während die Insassen im umgeklappten Fond ruhen. - NIO EL8

    Aus dem Stand katapultiert der 2.6 Tonnen schwere Koloss die Insassen in nur 4.1 Sekunden auf Tempo 100. Auf anspruchsvollen Schweizer Bergstrecken wie dem San Bernardino sorgt der elektrische 4x4-Antrieb für herausragende Traktion. Eine serienmässige Zweikammer-Luftfederung bügelt selbst grobe Asphaltverwerfungen und winterliche Spurrillen im Fahrwerk absolut souverän glatt.

    Energiekonzept zwischen Schnelllader und Batterietausch

    Beim Energiespeicher haben Interessenten die Wahl zwischen 75 kWh oder 100 kWh nutzbarer Bruttokapazität. Das grössere Paket ermöglicht im gemischten Fahrbetrieb praxisnahe Reichweiten von deutlich über 400 Kilometern.

    An klassischen Gleichstrom-Schnellladesäulen lädt der Chinese mit einer beachtlichen Spitzenleistung von bis zu 240 kW. Der Ladehub von zehn auf achtzig Prozent ist damit in knapp zwanzig Minuten zügig absolviert.

    NIO EL8
    Die Anhängelast von bis zu 2000 Kilogramm macht das Elektro-SUV zudem zu einem tauglichen Zugpferd für schwere Anhänger oder Wohnwagen. - NIO

    Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Marke stellen die vollautomatischen Power Swap Stations dar, die es in der Schweiz aber bisher noch nicht gibt. Ein vollautomatischer Akkutausch beansprucht hier keine fünf Minuten und spart kostbare Reisezeit auf langen Autobahnetappen.

    Finanzierungsstruktur und Schweizer Frankenpreise

    Finanziell setzt der Hersteller auf das sogenannte BaaS-Prinzip, was für Battery-as-a-Service steht. Ohne den teuren Akku startet das grosse SUV zu einem Basispreis von rund 83'000 Franken.

    Für die 100-kWh-Batterie verlangt NIO eine monatliche Mietrate von etwa 289 Schweizer Franken. Der Gesamtkauf inklusive grossem Stromspeicher schlägt hingegen mit stattlichen 104'000 Franken zu Buche.

    Nio EL8
    Das minimalistische Leuchtenband des Hecks erstreckt sich über die gesamte Breite und integriert filigrane Lichtelemente im Kristall-Look. - NIO

    Das modulare Mietmodell isoliert für gewerbliche Kunden das gefürchtete Risiko eines vorzeitigen Batterieverschleisses vollständig. Schweizer Flottenbetreiber erhalten auf diese Weise eine verlässliche Kalkulationsbasis mit ausserordentlich stabilen Restwerten.

    Kulturelle Hürden im helvetischen Premiumsegment

    Auf dem Schweizer Markt trifft dieser Newcomer auf eine traditionell äusserst markentreue Klientel. Der EL8 muss sich im harten Wettbewerb gegen BMW iX und Audi Q8 e-tron durchsetzen. Bei Materialanmutung, Fahrkomfort und digitalen Assistenten agiert der Chinese bereits auf absolutem Spitzenniveau.

    NIO EL8
    Alle Sitze in den ersten beiden Reihen verfügen serienmässig über eine integrierte Sitzheizung, Belüftung und eine verstellbare Massagefunktionen. - NIO

    Über den tatsächlichen Markterfolg entscheidet am Ende jedoch das Tempo beim Aufbau der Tauschstationen. Komplexe kantonale Bewilligungsverfahren entlang der Transitachsen A1 und A2 bremsen den Netzausbau spürbar ein.

    Ohne flächendeckende Tausch-Infrastruktur droht dem technisch brillanten Herausforderer die Verbannung in eine exklusive Nische.

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    Kommentare

    User #5607 (nicht angemeldet)

    Ich habe noch nie einen Nio auf Schweizer Strassen gesehen, bei uns ist die Marke also trotz guter Elektroautos kein Erfolg.

    User #6535 (nicht angemeldet)

    Europa, mit Ausnahme von ein paar nordischen Ländern, hat den Anschluss an die Elektromobliliät komplett verschlafen. Dieser kollosale Fehler wird sich durch die aktuelle Spritkrise nun schwer rächen. Mich macht das nur noch wütend, wie man so dumm sein konnte!

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