Milliardensammlung: Wenn Autos zur Besessenheit werden

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    Bern,

    Die wertvollste Autosammlung der Welt hat kaum jemand je gesehen. Die grösste öffentlich zugängliche Sammlung bauten zwei Schweizer auf.

    Bugatti Royale Park Ward
    Alles, was das Sammlerherz begehrt: Seltene Bugattis sind heute ein Vermögen wert. - Visit.alsace

    Für 85'000 Dollar kaufte ein Schweizer 1964 dreissig Bugatti auf einen Schlag. Heute stehen sie im grössten Automobilmuseum der Welt, rund 35 Kilometer von Basel entfernt.

    Die wertvollste Sammlung der Welt aber kann niemand besichtigen.

    Fünf Milliarden – geschätzt

    Als Spitzenreiter gilt die Sammlung von Sultan Hassanal Bolkiah von Brunei. Ihr Wert wird auf über fünf Milliarden Dollar geschätzt, umgerechnet rund 4.1 Milliarden Franken.

    Die Angaben zur Stückzahl schwanken zwischen 5'000 und 7'000 Fahrzeugen. Guinness World Records führte 2011 rund 500 Rolls-Royce als grösste private Flotte der Marke.

    Bentley Dominator
    Lange vor dem Bentayga: Für den Sultan entstand Anfang der 1990er-Jahre der Bentley Dominator. Gebaut wurden laut Berichten rund sechs Exemplare. - Automobile.fandom

    In den 1990er-Jahren ging laut Guinness fast die Hälfte aller Rolls-Royce-Käufe auf das Konto der Sultansfamilie. Öffentlich zugänglich ist die Sammlung nicht, deshalb bleibt jede Zahl eine Schätzung.

    Zwei Schweizer und ihre Obsession

    Ganz anders liegt der Fall bei Fritz und Hans Schlumpf. Die Brüder mit Schweizer Pass dominierten nach dem Krieg die Textilindustrie im Osten Frankreichs.

    Fritz kaufte seinen ersten Bugatti 1928, mit 22 Jahren. Ab 1961 erwarb er heimlich klassische Fahrzeuge, oft über Strohmänner in Europa und den USA.

    Nach rund zwei Jahren Verhandlung übernahm er 1964 die Sammlung des Amerikaners John Shakespeare, darunter eine Bugatti Royale. Ein Zug brachte die Autos nach New Orleans, ein Frachter weiter nach Le Havre.

    Verladung der Bugatti 1964
    Ein Gutachter riet 1963 vom Kauf ab: undichtes Dach, nistende Vögel, seit 18 Monaten lief keines der Autos. Schlumpf kaufte trotzdem. - Supercars

    Die Flucht nach Basel

    Bezahlt haben die Leidenschaft am Ende andere. Die Brüder belasteten ihre Firmen so stark, dass diese 1977 zahlungsunfähig wurden.

    Über 2'000 Beschäftigte verloren ihre Stelle. Streikende Arbeiter drangen im März 1977 in die Halle in Mulhouse ein und entdeckten den gehorteten Schatz.

    Ausstellungshalle in Mulhouse
    Ausstellungshalle in Mulhouse: Allein die Haupthalle misst 17'000 Quadratmeter. Sie steckt in einer ehemaligen Wollspinnerei aus dem 19. Jahrhundert. - Musee-automobile

    Die Schlumpfs flohen nach Basel und lebten bis zu ihrem Tod im Hotel Drei Könige. Frankreichs Regierung verhinderte den Verkauf, die Sammlung blieb als Ganzes erhalten.

    Günstiger Zugang

    Heute zeigt das Musée National de l’Automobile rund 430 Fahrzeuge von 97 Marken. Mit 25'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gilt es als grösstes Automobilmuseum der Welt.

    Rund 100 Bugatti stehen dort, darunter zwei der nur sechs gebauten Type 41 Royale. Was solche Raritäten heute wert sind, zeigt der Auktionsmarkt: Ein Ferrari 250 GTO brachte im Januar 2026 38.5 Millionen Dollar.

    Rund sechs Meter lang, Armaturen aus Elfenbein: Diese Royale war das dritte und letzte Kundenfahrzeug ihres Typs.

    Erwachsene zahlen 19 Euro Eintritt. Für den Erlös eines einzigen GTO käme man also rund 1.8 Millionen Mal hinein.

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    Kommentare

    User #4518 (nicht angemeldet)

    In 10 Jahren wir hier ein Toyota Yaris Hybrid aus dem Rheintal stehen. Trotz Totalschaden am Antrieb wird er immer noch einen Schrottwert von über 100 Franken haben.

    User #2294 (nicht angemeldet)

    OOOh, dann stimmt das also nicht dass ein Batterieauto viel mehr an Wert gewinnt?🤔🙄😮?

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