MGS9: China-Riese oder billiger Blender?
Kann billig wirklich auch luxuriös und praktisch sein? Wir werfen einen genaueren Blick auf den MGS9.

Wer im Jahr 2026 ein grosses Siebensitzer-SUV sucht, muss nicht mehr zwingend ein Vermögen bei europäischen Premiummarken liegenlassen. Der neue MGS9 PHEV drängt mit einem Kampfpreis und stattlichen 4.98 Metern Länge in ein Segment, das bisher teure Platzhirsche dominierten.
Unter der Haube kombiniert das Flaggschiff einen 1.5-Liter-Turbobenziner mit einem kraftvollen Elektromotor zu einer Systemleistung von 299 PS. Dank einer 24.7-kWh-Batterie verspricht der Hersteller eine rein elektrische Reichweite von stolzen 100 Kilometern nach WLTP.

Im Schweizer Alltag, wo Kinderrad, Wocheneinkauf und Pendelstrecke verschmelzen, klingt das nach der perfekten eierlegenden Wollmilchsau. Doch hält der asiatische Riese im anspruchsvollen Alpenland wirklich, was das Datenblatt verspricht?
Viel Platz und starke E-Reichweite für die Familie
Beim Raumangebot punktet der MGS9 auf ganzer Linie und lässt manche etablierte Konkurrenten alt aussehen. Echte sieben Sitzplätze bieten selbst in der dritten Reihe genügend Beinfreiheit für Erwachsene, während das maximale Kofferraumvolumen gigantische 2'093 Liter erreicht.
Für die täglichen Wege in der Schweiz erweist sich der Plug-in-Hybrid als äusserst ökonomischer Begleiter. Die 100 Kilometer elektrische Reichweite decken die meisten Pendlerdistanzen problemlos ab, ohne dass der Verbrenner anspringen muss.

Erst wenn die Batterie leer ist, greift der 142 PS starke Benziner spürbar ein. Bis zu 2'000 Kilogramm Anhängelast machen das SUV zudem zu einem praktischen Partner für Freizeit und Hobby.
Der Verzicht auf Allrad wird in der Schweiz zum Problem
Wo Licht ist, fällt beim MGS9 PHEV allerdings auch ein ziemlich grosser, unübersehbarer Schatten. Unverständlich bleibt, warum MG ein derart wuchtiges SUV mit 390 Newtonmetern Drehmoment ausschliesslich mit Frontantrieb ausrüstet.
Auf nassen Schweizer Passstrassen oder verschneiten Wegen stösst die Traktion der Vorderachse extrem schnell an ihre Grenzen. Sobald der Akku erschöpft ist, muss der kleine 1.5-Liter-Motor das schwere Fahrzeug zudem ganz alleine ziehen.
Dies führt bei Steigungen zu einer unüberhörbaren, gequälten Geräuschkulisse im ansonsten gut gedämmten Innenraum. Auch die maximale Ladeleistung von lediglich 11 kW AC ohne Gleichstrom-Schnellladeoption wirkt im Jahr 2026 schlicht veraltet.
Der harte Konkurrenzkampf mit der SUV-Benchmark
Im direkten Vergleich mit Platzhirschen wie dem Kia Sorento PHEV oder dem Hyundai Santa Fe zeigt sich die Positionierung deutlich. Während die koreanische Konkurrenz serienmässig mit Allradantrieb und ausgereifterer Software auftrumpft, kontert MG primär über den Preis.
Wer ein reines Langstreckenfahrzeug für die Berge sucht, wird mit dem Fronttriebler aus China kaum glücklich werden. Als geräumiger Pendlerwagen für das Flachland und urbane Agglomerationen bietet das Modell jedoch einen unschlagbaren Nutzwert.
Interessenten müssen exakt abwägen, ob ihnen der massive Preisvorteil die spürbaren Kompromisse beim Fahrkomfort wert ist. Am Ende entscheidet das persönliche Fahrprofil, ob dieses XXL-Schnäppchen ein cleverer Deal oder ein Fehlkauf wird.







