Elektrik im Stier: Wenn 800 PS das Gewissen beruhigen
800 PS, Plug-in-Hybrid und Bären-Urgewalt: Der Lamborghini Urus SE spaltet mit brachialer Performance und Hybrid-Technik die Gemüter.

Ein schweres Luxus-SUV für über 300'000 Franken widerspricht eigentlich jeder automobilen Vernunft auf Schweizer Strassen. Dennoch dominiert der Lamborghini Urus seit Jahren die noblen Boulevards zwischen Zürichberg, Genfersee und St. Moritz.

Mit dem neuen Urus SE bringen die Ingenieure aus Sant'Agata Bolognese nun einen bärenstarken Plug-in-Hybriden auf den Markt. Unter der scharf gezeichneten Haube arbeitet ein bewährter Vierliter-V8-Biturbo gemeinsam mit einer modernen permanenterregten Synchronmaschine.
Brachiale Fahrleistungen treffen auf hohes Gewicht
Das Zusammenspiel generiert eine gewaltige Systemleistung von 800 PS und ein maximales Drehmoment von 950 Newtonmetern. Auf kurzen Pendlerstrecken rollt der wuchtige Fünftürer dank der Lithium-Ionen-Batterie bis zu 60 Kilometer weit völlig lautlos im reinen Elektromodus.
Auf kurvigen Alpenpässen katapultiert der variable Allradantrieb das schwere Geschoss in atemberaubenden 3.4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Eine ausgefeilte aktive Wankstabilisierung und die mitlenkende Hinterachse kaschieren die immensen Abmessungen in engen Kehren bemerkenswert geschickt.

Dennoch setzt die unerbittliche Physik beim harten Anbremsen vor Spitzkehren klare Grenzen für sportlich ambitionierte Fahrer. Der integrierte 25.9-Kilowattstunden-Akku treibt das Leergewicht des Wagens auf stattliche 2505 Kilogramm nach oben.
Tribut an die Elektrifizierung und Vergleich mit dem Klassenprimus
Zusätzlich schrumpft das reguläre Kofferraumvolumen durch den Einbau der Hochvolt-Batterie von ehemals 616 auf nur noch 454 Liter. Für anspruchsvolle Wochenendausflüge mit Skigepäck ins Wallis erfordert dieser drastische Raumverlust schmerzhafte Kompromisse beim Packen.
Als direkter Massstab im Segment der Super-SUVs gilt der technisch eng verwandte Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid. Beide Luxusmodelle basieren auf der bewährten MLB-Evo-Plattform des Volkswagen-Konzerns und nutzen denselben Achtzylinder-Grundmotor.

Der Porsche mobilisiert 739 PS und bietet im Alltag einen merklich höheren Federungskomfort auf holprigen Fahrbahnen. Gleichzeitig verlangt Lamborghini für seinen extrovertierten Urus einen erheblichen Preisaufschlag von weit über 100'000 Franken.
Kostspieliger Unterhalt und reale Verbrauchswerte
Dafür liefert der Italiener eine Höchstgeschwindigkeit von 312 km/h und ein dramatisch schärferes Design für den grossen Auftritt. Wer jedoch maximale Alltagstauglichkeit und ein dichtes Schweizer Servicenetz sucht, fährt mit dem Zuffenhausener Modell objektiv betrachtet vernünftiger.
Auf dem Papier glänzt der Urus SE mit einem kombinierten WLTP-Verbrauch von lediglich 2.1 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Sobald sich der Akku auf langen Autobahnetappen leert, genehmigt sich der Verbrenner jedoch schnell über 13 Liter Super Plus.
Zusätzlich belasten astronomische Versicherungsprämien und teure Verschleissteile wie die serienmässigen Keramikbremsen das private Budget erheblich. Auch die jährliche Motorfahrzeugsteuer variiert je nach Wohnkanton aufgrund des hohen Gesamtgewichts und der PS-Zahl drastisch.








