E-Autos: Wie sicher ist die Strahlung wirklich?
Elektrosmog im E-Auto: Gefährlich oder unbedenklich? Experten und neue Studien klären auf, wie sicher wir zwischen Batterie und Motor wirklich sind.

Unter dem Bodenblech eines Elektroautos fliessen enorme Ströme zwischen den massiven Batterien und den Motoren. Viele Schweizer Pendler fragen sich besorgt, ob diese unsichtbare Energie ihre Gesundheit langfristig beeinflussen könnte.
Experten untersuchen daher intensiv die magnetischen Felder in der Kabine und besonders im Fussraum ...
Physikalische Grundlagen elektromagnetischer Felder
Elektromagnetische Felder entstehen überall dort, wo Techniker elektrische Spannungen anlegen oder Ströme fliessen lassen. Die Wissenschaft unterscheidet dabei klar zwischen dem elektrischen Feld der Spannung und dem magnetischen Feld des fliessenden Stroms.

In einem Elektroauto spielen vor allem die magnetischen Felder eine Rolle, da sie herkömmliche Materialien fast ungehindert durchdringen. Diese Felder breiten sich im Raum aus und nehmen mit zunehmendem Abstand zur Quelle sehr rasch ab.
Fachleute messen die magnetische Flussdichte in der Einheit Mikrotesla oder Nanotesla, um die Belastung objektiv zu bewerten. In Fahrzeugen treten diese Felder besonders dynamisch auf, da die Ströme beim Beschleunigen und Bremsen stark schwanken.
Regulierung durch die NISV
In der Schweiz schützt die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung die Bevölkerung vor schädlichen Einflüssen. Der Bundesrat hat diese Verordnung bereits im Jahr 2000 in Kraft gesetzt, um klare Grenzwerte für ortsfeste Anlagen zu definieren.
Die NISV unterscheidet dabei strikt zwischen Immissionsgrenzwerten für den kurzfristigen Aufenthalt und strengeren Anlagegrenzwerten für die langfristige Vorsorge. Diese vorsorglichen Werte gelten vor allem an Orten mit empfindlicher Nutzung, wie beispielsweise in Wohnungen oder auf Kinderspielplätzen.
Obwohl Fahrzeuge rechtlich nicht als ortsfeste Anlagen gelten, orientieren sich die Schweizer Behörden bei der Bewertung an diesen strengen Massstäben. Das Bundesamt für Umwelt überwacht die Einhaltung dieser Standards und passt sie regelmässig an den neuesten Stand der Forschung an.
ADAC-Studie 2025
Im April 2025 veröffentlichten der ADAC und das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz eine umfassende Untersuchung zur Strahlenbelastung in Elektrofahrzeugen. Die Experten massen die Magnetfelder in elf verschiedenen Elektroautos sowie in Hybridfahrzeugen und herkömmlichen Verbrennern.

Das wichtigste Ergebnis der Studie besagt, dass sämtliche untersuchten Elektroautos die empfohlenen Höchstwerte zum Schutz der Gesundheit jederzeit einhalten. Die Forscher konnten keine Hinweise auf eine Gefährdung der Insassen durch die Antriebstechnik finden.
Die Messwerte variierten jedoch stark zwischen den einzelnen Modellen und hingen massgeblich vom technischen Design des jeweiligen Herstellers ab. Diese Transparenz hilft den Schweizer Konsumenten dabei, die Sicherheit der neuen Antriebsform objektiv zu bewerten
Fahrzeugbatterie als grossflächige EMF-Quelle
Die Hochvoltbatterie bildet das Herzstueck jedes Elektroautos und speichert enorme Mengen an elektrischer Energie. Da Batterien konstruktionsbedingt Gleichstrom liefern, erzeugen sie primär statische Magnetfelder, die biologisch als unbedenklich gelten.
Das massive Metallgehäuse der Batterie wirkt zudem wie ein Faraday’scher Käfig und schirmt elektrische Felder effektiv nach oben ab. Dennoch fliessen innerhalb der Module hohe Ströme, die zu messbaren Magnetfeldern in unmittelbarer Nähe führen.

Moderne Konstruktionen platzieren die Batterie meist flach im Unterboden, um den Abstand zu den Insassen zu maximieren. Diese räumliche Trennung ist der wichtigste Faktor, um die Belastung in der Fahrgastzelle gering zu halten.
Hochvoltkabel und ihre strategische Verlegung
Orangefarbene Hochvoltkabel leiten die gewaltige Energie von der Batterie zum Motor quer durch das Fahrzeugchassis. Um die Magnetfelder zu reduzieren, verlegen Techniker diese Leitungen oft eng parallel oder verdrillen sie miteinander.
Durch die entgegengesetzte Stromrichtung in den Kabeln heben sich die erzeugten Magnetfelder physikalisch teilweise gegenseitig auf. Dennoch lassen sich Restfelder nicht ganz vermeiden, wenn die Kabel durch den Mitteltunnel verlaufen.
ADAC Belastungstest - Zusammenfassung
Fußraum: Höchste Belastung durch Motor/Technik; Kopf/Rumpf sicher. Tipp: Füße weg von Kabelkanälen.
Fahrweise: Spitzenwerte beim starken Beschleunigen und Bremsen (Rekuperation). Tipp: Sanft fahren.
Sitzheizung: Direkte Felder an Rücken/Unterleib (auch bei Verbrennern). Tipp: Nach Aufwärmen abschalten.
Reifen: Magnetische Stahlgürtel erzeugen Wechselfelder beim Rollen; laut Experten unbedenklich.
Die genaue Platzierung dieser Leitungen entscheidet massgeblich darüber, wie stark die Belastung im Fussraum der Passagiere ausfällt. Ein intelligentes Kabellayout ist daher ein zentrales Qualitätsmerkmal für ein strahlungsarmes Elektrofahrzeug.
Elektroauto vs. Verbrenner: Ein ehrlicher Vergleich
Ein weit verbreiteter Irrtum besagt, dass herkömmliche Autos mit Benzin oder Diesel frei von Elektrosmog seien. Tatsächlich zeigen Vergleichsmessungen, dass Lichtmaschinen und Zündanlagen ebenfalls beachtliche Magnetfelder produzieren.
In einigen Testreihen wiesen konventionelle Fahrzeuge sogar höhere Spitzenwerte auf als moderne Elektroautos. Die Belastung in einem Verbrenner stammt meist von den zahlreichen Elektromotoren der Komfortsysteme und der Batterie.
Man kann also nicht pauschal sagen, dass Elektroautos eine höhere Strahlungsbelastung für die Insassen bedeuten. Die Gesamtexposition hängt vielmehr vom individuellen Modell und der Anordnung der elektronischen Komponenten ab.







