E-Auto-Ladesprint: Verbrenner haben verloren

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Schluss mit der Tank-Illusion: Moderne Elektroautos laden in bis zu 7 Minuten von 10 auf 80 %. Doch Schweizer Infrastruktur und Physik setzen noch Grenzen.

Denza Z9GT
Denza Z9GT: Drei Elektromotoren – einer vorne, zwei hinten – katapultieren den eleganten Luxusliner mit bis zu 952 PS in nur 3.4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. - Denza

Die Elektromobilität hat die traditionelle Zapfsäule längst eingeholt, wenn nicht sogar überholt. Ein Tankstopp beim Verbrenner dauert mit Bezahlung gut sieben Minuten, was exakt der neuen Bestzeit moderner Stromer entspricht.

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé
Mercedes Benz AMG GT: Westlicher Rekordhalter mit bis zu 600 kW Spitzenladeleistung. - Mercedes AMG

Technologieträger aus Asien und Premium-Hersteller aus Europa pulverisieren die alten Rekorde am Schnelllader mit brachialer Gewalt. Fakt ist: Wer beim Laden trödelt, verliert auf dem Schweizer Automarkt in Kürze den Anschluss.

Asiatische und europäische Stromer im Ladesprint

Angeführt wird die weltweite Elite aktuell vom Denza Z9 GT, der in unvorstellbaren sieben Minuten von 10 auf 80 Prozent lädt. Dicht dahinter folgen der elektrische Mercedes-AMG GT und die Xpeng-Modelle wie der X9, die rund elf bis zwölf Minuten benötigen.

Weltrekord in der Ladezeit: In 7 Minuten auf 97% mit 1000 KW.

Auch der Porsche Taycan sowie der Hyundai Ioniq 5 unterbieten die magische Grenze von zwanzig Minuten spielend. Diese extremen Werte sind das direkte Resultat von hochmodernen 800-Volt- oder gar 1000-Volt-Architekturen in den Fahrzeugen.

Kritisch bleibt jedoch, dass diese theoretische Spitzenleistung im Alltag der Schweizer Strassen an extrem spezifische Bedingungen geknüpft ist. Die reale Ladegeschwindigkeit hängt massiv von der Aussentemperatur und dem aktuellen Zustand der Batterie ab.

Die physikalischen und infrastrukturellen Flaschenhälse

Ist der Akku im Winter eiskalt, verweigert das System die maximale Energieaufnahme zum Schutz der Zellen. Zudem bremst eine abflachende Ladekurve den Vorgang ab der 80-Prozent-Marke drastisch aus.

Ladezeiten im Überblick

Fahrzeugmodell, Ladezeit (10–80 %)

1. Denza Z9 GT, ca. 7 Minuten

2. Mercedes-AMG GT, ca. 11 Minuten

3. Xpeng X9, ca. 11–12 Minuten

4. Hyundai Ioniq 5, ca. 16–18 Minuten

5. Porsche Taycan, ca. 18 Minuten

Ein weiterer entscheidender Flaschenhals ist die Ladeinfrastruktur selbst, da viele Schweizer Stationen die benötigten 400 kW gar nicht liefern. Wer also die maximale Performance nutzen will, muss die Route exakt nach High-Power-Chargern planen.

Xpeng G9
Laden in Rekordzeit: Dank moderner 800-Volt-Siliziumkarbid-Architektur saugt der G9 im besten Fall in nur 5 Minuten Saft für bis zu 200 Kilometer Reichweite. - Xpeng

Gleichzeitig strapaziert das dauerhafte Ultraschnellladen die Batterie thermisch so stark, dass die Lebensdauer des Akkus langfristig sinken kann. Das ständige Jagen nach Minuten an der Schnellladestation ist somit ein zweischneidiges Schwert.

Kommentare

User #5049 (nicht angemeldet)

Die benötigte Infrastruktur um solche Ladeleistungen auch nur annähernd zu ermöglichen, verursacht enorme Kosten; die E-Missionarren werden sich noch wundern, wie teuer sie "ihre" Energie zu stehen kommt...

User #1948 (nicht angemeldet)

Das war absehbar, dass diese Ladezeiten so tief sinken. Wie sinnvoll oder ggf. schädlich ist eine andere Sache. Da die Akkus eh bezüglich Laufleistung eh kaum je ihr Limit erreichen ist die höhere Abnutzung wohl irrelevant. (Man hat aber auch hier bereits herausgefunden, was die Degradation auslöst und forscht an Verbesserungen) Es gibt aber natürlich einige Vorteile, wenn die Ladezeiten so kurz sind. Man kann erheblich kleinere Akkus einbauen, da dann die Ladezeiten nicht mehr der bremsende Faktor auf einer sehr langen Strecke sind. Zum anderen braucht es weniger Ladestationen, da der Durchsatz an Fahrzeugen pro Ladestation höher ist. (bei 30min galt: es braucht im Verhältnis 10 Schnellladestationen gegenüber 1 Tanksäule, das würde auf rund 2 Ladestationen zusammenschrumpfen) Dazu haben solche Ladestationen entweder selber eigene Pufferakkus oder werden dann direkt mit einem grösseren Akkupuffer oder im Umland wie auch gerade in Deutschland gebaut wird in Verbindung mit einem grossen Solarfeld mit angeschlossenem Akku-Grossspeicher kombiniert und machen damit auch weiteren Netzausbau obsolet, respektive verzögern ihn.

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