Die schnellsten Kombis der Welt: 50 Jahre auf der Überholspur
322 km/h und trotzdem Platz für Hund und Wochenendeinkauf: Der schnellste Serienkombi der Welt kommt aus dem Allgäu. Ein Rückblick auf 50 Jahre….

Vor 50 Jahren war ein sportlicher Kombi noch ein Widerspruch. 1978 brachte Mercedes mit dem T-Modell der Baureihe W123 seinen ersten selbst gebauten Kombi.
Das Topmodell 280 TE hatte einen Reihensechszylinder mit 185 PS, der damals wahre Massstäbe setzte. Das Wort Kombi vermied Mercedes bewusst, das T stand für Transport und Touristik.
Vom 280 TE entstanden immerhin 19'789 Exemplare, der mit Sonderausstattung mehr als eine S-Klasse 280 SE kostete. Die Konkurrenz bemerkte den Trend zum pfeilschnellen Kombi und brachte innerhalb kurzer Zeit eigene PS-starke Modelle auf den Markt.
Die Neunziger: Porsche im Audi
1992 wagte BMW mit dem M5 Touring der Baureihe E34 den ersten M-Kombi. Der 3.8-Liter-Sechszylinder leistete 340 PS, die Spitze war auf 250 km/h begrenzt.
Gebaut wurden nur 891 Stück, grösstenteils von Hand in Garching. 1994 folgte der Audi Avant RS2, entwickelt und gebaut zusammen mit Porsche.

Sein Fünfzylinder-Turbo leistete 315 PS und trieb ihn auf 262 km/h. Damit war der RS2 bei seiner Markteinführung der schnellste Kombi der Welt.
Der Rekord vom Salzsee
Im August 2003 schrieb ausgerechnet MG Rover Geschichte. Der ZT-T X-15 erreichte auf dem Salzsee von Bonneville 360.9 km/h.

Unter der Haube steckte ein Roush-V8 mit über 750 PS, hinten ein Bremsfallschirm. Ein Serienauto war das allerdings nicht, sondern ein umgebauter Rekordwagen.
Sein Wert gilt bis heute als schnellste je gemessene Kombi-Fahrt. Für MG Rover blieb der Rekord der letzte grosse Auftritt vor dem wirtschaftlichen Ende.
Der König aus Buchloe
Unter den Serienautos hält der Alpina B5 GT Touring den Rekord. Das 2023 vorgestellte Sondermodell leistet 634 PS und erreicht offiziell 322 km/h.
Von insgesamt 250 B5 GT entfielen rund 180 auf den Kombi. Der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Sport Turismo kam trotz 700 PS nur auf 315 km/h.

Wer den Ferrari FF als Shooting Brake mitzählt, kommt sogar auf 335 km/h. Ob ein Dreitürer mit Fliessheck als Kombi gilt, ist allerdings Ansichtssache.
Heute: 727 PS und Stecker
Aktuell lieferbar ist der BMW M5 Touring der Generation G99 mit 727 PS. Er kombiniert einen V8-Biturbo mit einem Elektromotor und läuft mit M Driver’s Package 305 km/h.
Bei einer Messfahrt zeigte der Tacho sogar 309 km/h, per GPS bestätigt. Schweizer Händlerinserate für Neuwagen starten bei rund CHF 159'000.

Auf Schweizer Autobahnen dürfen Sie davon allerdings nur 120 km/h nutzen. Der Rest ist Prestige, Ingenieurskunst und wohl auch ein bisschen Bubentraum.
Die Rekordkombis im Überblick
- 1978 Mercedes 280 TE (S123): Reihensechszylinder, 185 PS, 19'789 Stück
- 1992 BMW M5 Touring (E34): 340 PS, 250 km/h (abgeregelt), 891 Stück
- 1994 Audi Avant RS2: 315 PS, 262 km/h, rund 2900 Stück
- 2003 MG ZT-T X-15: über 750 PS, 360.9 km/h (Rekordwagen, Bonneville)
- 2011 Ferrari FF (Shooting Brake): 335 km/h
- 2023 Alpina B5 GT Touring: 634 PS, 322 km/h, rund 180 Stück
- 2024 BMW M5 Touring (G99): 727 PS, 1000 Nm, 305 km/h; Schweizer Händlerinserate ab rund CHF 159'000






