MG Cyberster: Zwischen Mythos und Masse
Der neue MG Cyberster elektrisiert: Mit bis zu 510 PS, Scherentüren und F1-Genen feiert die britische Kultmarke ein spektakuläres E-Roadster-Comeback.

Mit dem Cyberster wagt der chinesische Autokonzern SAIC Motor ein bemerkenswertes Comeback für die britische Traditionsmarke MG. Genau zum hundertjährigen Markenjubiläum lancieren die Chinesen den ersten rein batterieelektrischen Serien-Roadster eines Grossherstellers seit dem pionierhaften Tesla Roadster von 2008.
Die Reminiszenz an den legendären MGB aus dem Jahr 1962, der mit über einer halben Million verkauften Einheiten Geschichte schrieb, ist dabei unverkennbar. Nach dem Produktionsende des Mittelmotor-Roadsters MG TF im Jahr 2011 schliesst der Cyberster nun eine mehr als zehnjährige Leerstelle im Modellprogramm.

Bereits 2021 sorgte eine radikale Studie in Shanghai für Aufsehen, deren finale Serienversion im Juli 2023 beim britischen Goodwood Festival of Speed debütierte. Auf demselben Traditionsfestival zeigte MG 2024 bereits das geschlossene Konzept CyberGTS als Hommage an das historische Renncoupé MGC GTS Sebring.
Spektakulärer Auftritt mit elektrischen Scherentüren
Optisch setzt der offene Zweisitzer auf ein dramatisch inszeniertes Show-Konzept mit schräg nach oben öffnenden Scherentüren. Damit die Einstiege in engen Parkhäusern oder Tiefgaragen nirgends anecken, überwachen integrierte Ultraschall- und Radarsensoren kontinuierlich das Fahrzeugumfeld.
Am markanten Kamm-Heck fallen sofort die pfeilförmigen LED-Leuchten auf, welche das Union-Jack-Motiv aufgreifen und zugleich als Fahrtrichtungsanzeiger dienen. Das klassische Stoffverdeck arbeitet vollautomatisch und lässt sich während der Fahrt bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h in knapp zwölf Sekunden öffnen oder schliessen.

Im Interieur erwartet den Fahrer ein volldigitales Cockpit, dessen drei Bildschirme von einem leistungsfähigen Qualcomm-Snapdragon-8155-Prozessor angetrieben werden. Für die grafische Darstellung der dreidimensionalen Fahrzeugeffekte und Fahrmodi greift das Infotainmentsystem dabei direkt auf die aus der Spielebranche bekannte «Unreal Engine 4» zurück.
Technische Eckdaten der Heck- und Allradvarianten
Für den europäischen Markt stellt MG zwei grundlegend unterschiedliche Antriebskonfigurationen zur Auswahl. Das Basismodell Cyberster Trophy setzt auf einen 250 kW (340 PS) starken Elektromotor an der Hinterachse mit einem Drehmoment von 475 Nm.
Dieser Hecktriebler beschleunigt in exakt 5.0 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h. Nochmals dynamischer agiert der Cyberster GT mit zwei Motoren und permanentem Allradantrieb, der eine Systemleistung von 375 kW (510 PS) sowie 725 Nm bereitstellt.

Damit katapultiert sich das Allradmodell in nur 3.2 Sekunden auf Landstrassentempo, während der Vortrieb erst bei 201 km/h elektronisch abgeregelt wird. Über einen roten «Super Sport»-Knopf am Sportlenkrad lassen sich das schärfste Ansprechverhalten und die maximale Leistungsentfaltung jederzeit per Daumendruck abrufen.
Batteriekapazität und Ladeperformance im Praxischeck
Als Energiespeicher verbaut MG in beiden Modellvarianten eine Lithium-Ionen-Batterie mit Nickel-Mangan-Cobalt-Zellen von CATL mit 77 kWh Brutto- und 74.4 kWh Nutzkapazität. Nach dem WLTP-Messzyklus ermöglicht dieser Stromspeicher im Trophy eine Reichweite von bis zu 507 Kilometern, während der schwerere Allrad-GT bis zu 443 Kilometer erzielt.
An einer DC-Schnellladesäule zieht der Roadster eine Spitzenleistung von bis zu 150 kW, womit der Ladehub von 10 auf 80 Prozent rund 38 Minuten beansprucht. Am Wechselstromnetz lädt das Fahrzeug dreiphasig mit 11 kW und benötigt für eine Vollladung an der heimischen Wallbox ungefähr acht Stunden.
Ein praktisches Detail für Ausflüge ist die serienmässige Vehicle-to-Load-Funktion, über die externe Elektrogeräte mit bis zu 3.3 kW Leistung betrieben werden können. Das Gepäckvolumen fällt mit 249 Litern klassentypisch kompakt aus, reicht für das Wochenendgepäck von zwei Personen jedoch völlig aus.
Formel-1-Expertise trifft auf stattliches Gesamtgewicht
Mit einer Länge von 4.54 Metern, einer Breite von 1.91 Metern und einem Radstand von 2.69 Metern sprengt der MG das traditionelle Roadster-Format deutlich. Das stattliche Leergewicht von 1885 Kilogramm beim Trophy und bis zu 2'075 Kilogramm beim GT rückt den Wagen eher in die Liga der Gran Turismos als der puristischen Leichtbaufahrzeuge.
Um die vorhandene Masse fahrdynamisch zu kaschieren, setzt das Fahrwerk auf eine Doppelquerlenker-Vorderachse und eine aufwendige Fünflenker-Hinterachse. Für die feinfühlige Abstimmung der Feder-Dämpfer-Kennlinien zeichnet Marco Fainello verantwortlich, der einst als leitender Fahrwerksingenieur die Ferrari-Erfolge von Michael Schumacher prägte.







