Chinesischer Italiener: Der ICH-X K2
Echte Offroad-Hardware zum Kampfpreis: Der ICH-X K2 fordert Defender & Co. heraus. Doch wie schlägt sich der 50'000-Franken-Geländewagen im Alltagstest?

Echte Geländewagen kosten in der Schweiz mittlerweile oft so viel wie eine kleine Eigentumswohnung. Doch der italienische Importeur DR Automobiles bereichert das Allrad-Segment mit dem kantigen Modell ICH-X K2 zum kleinen Preis.
Unter der optisch aggressiven Hülle verbirgt sich bewährte Fernost-Technik des chinesischen Herstellers BAIC. Ein Zweiliter-Common-Rail-Diesel leistet 162 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 380 Newtonmetern bereit.
Auf den steilen Schweizer Bergpfaden muss sich der chinesische Italiener aber gegen harte Konkurrenten beweisen. Die technischen Daten zeigen rasch, wo die echten Stärken liegen und wo Frust im Alltag droht.
Echte Hardware für hartes Gelände im Vergleich
Der ICH-X K2 punktet mit mechanischen Zutaten für anspruchsvolle Fahrten abseits teerschwarzer Strassen. Ein zuschaltbarer Allradantrieb, eine echte Geländeuntersetzung sowie zwei elektronische Sperrdifferenziale gehören zur Serienausstattung.

Mit diesen Komponenten wühlt sich der Wagen souverän durch tiefen Schlamm oder dichten Schnee. Gegenüber einem preislich vergleichbaren Kompakt-SUV zeigt er im harten Geländeeinsatz eine deutlich überlegene Performance.
Im direkten Vergleich zum Jeep Wrangler zieht das Modell bei der Wattiefe jedoch den Kürzeren. Mit lediglich 50 Zentimetern Wattiefe stoppt das Fahrzeug vor tiefen Flussläufen wesentlich früher als der US-Klassiker.
Hohes Leergewicht dämpft die Fahrdynamik
Auf der Waage zeigt das rustikale Gefährt ein gewaltiges Leergewicht von exakt 2’180 Kilogramm. Das Achtstufen-Automatikgetriebe schaltet zwar angenehm sanft, kaschiert die Trägheit des Motors aber keineswegs.
Der moderne Land Rover Defender liefert in vergleichbaren Gewichtsklassen eine weitaus dynamischere Leistungsentfaltung ab. Wer an Schweizer Bergpässen zum Überholen ansetzt, benötigt im K2 viel Geduld und vorausschauende Sicht.
Eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h reicht für das Schweizer Autobahnnetz vollkommen aus. Unter hoher Last dröhnt der Fünftürer jedoch lautstark und erinnert an rau arbeitende Nutzfahrzeuge.
Kabinenkomfort trifft auf teuren Verbrauch
Im Innenraum überrascht der Offroader mit serienmässig lederbezogenen Sitzen und einem digitalen 12.3-Zoll-Cockpit. Moderne Smartphone-Anbindungen wie Apple CarPlay funktionieren zuverlässig und werten die Kabine auf.
Der Kofferinnenraum bietet mit 532 Litern Ladevolumen ausreichend Platz für schwere Ausrüstung und Gepäck. Die Kehrseite dieser wuchtigen Konstruktion zeigt sich jedoch rasch beim Stopp an der Zapfsäule.

Laut offiziellen Messdaten schluckt der Diesel durchschnittlich verheerende 10.3 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer. Ein extrem hoher CO2-Ausstoss von 272 Gramm pro Kilometer treibt die Unterhaltskosten drastisch nach oben.
Preisvorteil mit Abstrichen im Alltagsbetrieb
Mit einem Einstiegspreis von rund 50'000 Franken unterbietet der Newcomer die etablierte Konkurrenz deutlich. Käufer erhalten ein komplett ausgestattetes Geländefahrzeug ohne lange und kostspielige Aufpreislisten.
Allerdings müssen Schweizer Autofahrer spürbare Abstriche beim Abrollkomfort und bei der Materialanmutung hinnehmen. Einige Kunststoffteile im Innenraum wirken trotz der Lederbestuhlung schlicht und einfach verarbeitet.
Wer ein unkompliziertes Arbeitstier für raues Gelände sucht, findet im K2 eine interessante Alternative. Für komfortbewusste Vielfahrer bleibt der deutlich teurere Defender dagegen die klar bessere Wahl.








