Carverband Bern-Solothurn: Seit 100 Jahren auf Achse
Der Carverband Bern–Solothurn feiert ein Jahrhundert Mobilitätsgeschichte. Mit viel Rückblick, etwas Wehmut und einer klaren Botschaft für die Zukunft.

Damals roch es im Café Ratskeller in Bern wohl nach starkem Kaffee und Zigarrenrauch, als fünf visionäre Unternehmer 1925 zusammensassen und taten, was Pioniere eben tun: Sie gründeten einen Verband.
Nicht aus Nostalgie, sondern aus Notwendigkeit. «Einigkeit macht stark» lautete ihr Leitsatz. Ein Satz, der in den folgenden hundert Jahren erstaunlich viel aushalten sollte.
Ende November 2025 nun wurde im Casino Bern gefeiert. Der Carverband Bern-Solothurn lud zum 100-Jahr-Jubiläum. Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Carbranche blickten an diesem Abend nicht nur auf ein gelungenes Fest, sondern auf ein ganzes Jahrhundert bewegter Geschichte zurück, im wahrsten Sinn des Wortes.
Was mit fünf Mutigen begann, ist heute eine starke Gemeinschaft von 36 aktiven Mitgliedern. Und auch wenn die Fahrzeuge inzwischen deutlich mehr PS unter der Haube haben, ist der Grundgedanke derselbe geblieben: Gemeinsam kommt man weiter.
Von Vollgummi und Vollgas
Die ersten Cars hatten mit heutigen Reisebussen ungefähr so viel gemeinsam wie ein Saumpfad mit einer Autobahn. Vollgummipneus, knapp 30 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und ein Einsatzplan, der Flexibilität verlangte: Unter der Woche wurden Waren transportiert, am Wochenende Ausflügler.

Mobilität war Abenteuer und nicht selten wohl auch eine Geduldsprobe. Dann kamen die Krisen. Wirtschaftliche Einbrüche, Rationierungen während des Zweiten Weltkriegs, Benzinknappheit, fehlende Ersatzteile.
Wer damals im Transportgeschäft tätig war, brauchte nicht nur unternehmerisches Geschick, sondern auch starke Nerven. Der Verband wurde zum Rückhalt. Man half sich mit Material, mit Wissen und insbesondere mit Zuversicht.
Nach 1945 begann dann eine neue Ära. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs die Reiselust. Der Car wurde zum Symbol für Freiheit, Gemeinschaft und ein Stück weite Welt. Vereinsausflüge ins Grüne, Schulreisen ans Meer, Ferienfahrten Richtung Süden.
Plötzlich war das Unterwegssein nicht mehr Ausnahme, sondern Teil des Alltags. Viele Betriebe entwickelten sich zu Familienunternehmen, die bis heute das Gesicht der regionalen Branche prägen.
Herausforderungen im Rückspiegel
Doch auch während der folgenden Jahrzehnte war man nicht immer bei eitel Sonnenschein unterwegs. Ölkrise, Parkplatznot in den Städten, immer neue gesetzliche Vorgaben, wachsender Wettbewerbsdruck und schliesslich die Digitalisierung stellten die Unternehmen vor neue Aufgaben. Wer dachte, ein Lenkrad zu halten reiche aus, wurde eines Besseren belehrt.
Denn plötzlich waren auch Laptop und Online-Buchungssysteme gefragt. 2014 stellte sich der Verband neu auf, gab sich einen zeitgemässen Namen und modernisierte seine Strukturen. Nachhaltigkeit, Innovation und Qualität rückten noch stärker ins Zentrum.

Der Car sollte nicht nur bequem, sondern auch zukunftsfähig sein. Und dann kam Corona und mit der Pandemie ein beispielloser Stillstand. Reiseverbote legten den Betrieb nahezu lahm, Busse standen auf Parkplätzen statt auf Alpenpässen. Für eine Branche, die vom Unterwegssein lebt, war das eine existenzielle Herausforderung.
Doch erneut zeigte sich, was «Einigkeit macht stark» bedeutet. Mit Flexibilität, Kreativität und viel Durchhaltewillen gelang der Neustart.
Ein Abend, der verbindet
All das schwang mit, als im Casino Bern auf 100 Jahre angestossen wurde. Präsident Noel Gast spannte in seiner Ansprache den Bogen von den Gründervätern im Ratskeller bis zu aktuellen Themen wie Fachkräftemangel, nachhaltiger Mobilität und zunehmendem Wettbewerbsdruck.
Seine Botschaft war klar und so schlicht wie treffend: «Wer sich bewegt, bleibt relevant.»
Die Feier war aber mehr als ein Blick zurück. Sie war auch ein Versprechen für die Zukunft. Der Car ist längst Teil der regionalen Mobilitätsgeschichte. Er verbindet Stadt und Land, bringt Vereine, Schulen und Reisegruppen sicher ans Ziel und schafft Begegnungen. Und manchmal auch Freundschaften fürs Leben.

Hundert Jahre Carverband Bern-Solothurn sind deshalb weit mehr als eine Chronik von Fahrzeugtypen und Mitgliederzahlen. Es ist die Geschichte von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Von Unternehmerfamilien, die Generation für Generation immer wieder aufs Neue investieren. Von Chauffeurinnen und Chauffeuren, die bei jedem Wetter unterwegs sind.
Und von einer Branche, die gelernt hat, dass man selbst steile Passstrassen meistert, solange man zusammen im gleichen Bus sitzt. Oder, um es mit dem Leitsatz von 1925 zu sagen: «Einigkeit macht stark.» Gestern, heute und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch morgen.








