Kantonsrat lehnt kantonale Anstellung der DaZ-Lehrkräfte ab
Die oftmals komplizierte Patchwork-Situation bei den Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache, kurz DaZ, bleibt bestehen.


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Der Zürcher Kantonsrat hat es am Montag abgelehnt, diese rund 2000 Lehrpersonen zu Kantonsangestellten zu machen. Sie bleiben Gemeindeangestellte.
Lehrpersonen für Deutsch als Zweitsprache sind eigentlich ganz «normale» Lehrer: Sie verfügen über ein Klassenlehrdiplom sowie eine Zusatzausbildung, die sie zum Deutschunterricht für Flüchtlingskinder und Expat-Nachwuchs befähigt.
Trotzdem sind sie nicht wie «normale» Lehrer beim Kanton angestellt, sondern bei den Gemeinden. Weil viele von ihnen gleichzeitig in Regelklassen unterrichten, führt dies zu komplizierten Patchwork-Situationen: Sie arbeiten gleichzeitig für eine Gemeinde und den Kanton. Administrativ ist dies eine Knacknuss, denn sie müssen doppelt verwaltet werden. Probleme gibt es auch, weil die Gemeinden und der Kanton unterschiedliche Pensionskassen haben.
Oft gebe es von Gemeinde zu Gemeinde auch unterschiedliche Entlöhnungen, was dem Grundsatz «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» widerspreche. «Teilweise gibt es enorme Missstände für die DaZ-Lehrpersonen», sagte SP-Kantonsrätin Monika Wicki (Zürich). Der Verband der DaZ-Lehrpersonen fordere deshalb schon lange eine Kantonalisierung, also eine Anstellung durch den Kanton.
Wicki brachte das Anliegen vor zwei Jahren zusammen mit EVP und Grünen per Parlamentarischer Initiative auf die Traktandenliste des Kantonsrates. Damals wurde das Vorhaben vom Rat auch noch vorläufig unterstützt - mittlerweile überlegten es sich aber viele anders. Die PI wurde am Montag mit 99 zu 62 Stimmen beerdigt.
Schnelle und unbürokratische Anstellung
Es sei wichtig, dass DaZ-Lehrpersonen schnell und unbürokratisch angestellt werden könnten, begründete GLP-Kantonsrat Christoph Ziegler (Elgg), selber Lehrer, seinen Meinungsumschwung. «Ich bin nicht sicher, ob das bei einer Kantonalisierung noch möglich wäre.«
Auch die CVP erachtete die Anstellung durch den Kanton als nicht sinnvoll. Die Gemeinden wüssten selbst doch am besten, wie viel DaZ-Unterricht sie benötigten, sagte Josef Wiederkehr (Dietikon). Die Einschränkung dieser Gemeindeautonomie erscheine nicht sinnvoll.
Aber auch aus finanziellen Gründen wurde eine Kantonalisierung abgelehnt: Dem Kanton wären Mehrkosten in Millionenhöhe entstanden. Nicht nur, weil er sich hätte an den DaZ-Lehrerlöhnen beteiligen müssen, sondern auch wegen der Administration, die sechs neue Stellen nötig gemacht hätte. Die Gemeinden hingegen wären entlastet worden.
Der Regierungsrat lehnte die Kantonalisierung der DaZ-Lehrpersonen ebenfalls ab. Die Nachteile würden überwiegen, sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP). Es gebe keinen Grund, den Gemeinden die Autonomie wegzunehmen. Zudem sei ihr die Kantonalisierung der Sportlehrer immer noch in schlechter Erinnerung, das sei ein administrativer Alptraum gewesen.
Es war nicht der erste Anlauf für eine Kantonalisierung der DaZ-Lehrerinnen. Bereits 2013 wurde ein entsprechender Antrag gestellt, auch damals erfolglos.






