COVID-19 droht den Fortschritt im Kampf gegen die Kinderarbeit zunichtezumachen. Eine gerechte Impfstoffverteilung könnte das verhindern.
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Eine Impfung ist die wirksamste Methode, um die COVID-19-Pandemie einzudämmen und Kinder vor Gewalt, Ausbeutung und Armut zu schützen. (Das Bild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen und zeigt eine Impfung gegen Masern und Gelbfieber in Angola) - World Vision

Das Wichtigste in Kürze

  • COVID-19-Massnahmen bedrohen weltweit die Bildung der Kinder.
  • Zum ersten Mal in 20 Jahren nimmt die Kinderarbeit wieder zu.
  • Das effizienteste Mittel gegen das Virus und für die Bildung ist eine globale Impfung.

Wer Kinder im schulpflichtigen Alter hat, musste letztes Jahr unter Umständen eine grössere «IT-Offensive» starten. Als die Schulen auf Fernunterricht setzten, waren nämlich viele Haushalte mit Computern unterversorgt. Auch das Installieren von Programmen, langsame Internetverbindungen und fehlende Arbeitsplätze waren Probleme, mit denen viele zu kämpfen hatten.

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Nicht alle sind so gut ausgerüstet wie diese Primarlehrerin aus Wileroltigen (BE). Vor allem Entwicklungsländer stossen beim Thema Fernunterricht an ihre Grenzen. - Keystone

Diese Situation bedrohte direkt das Recht der Kinder auf Bildung, wie es in Artikel 28 der UNO-Kinderrechtskonvention verankert ist. Einschneidende Unterschiede in der Qualität der Ausrüstung und der Informatikkenntnisse der Eltern gefährdeten plötzlich die in der Konvention geforderte Chancengleichheit.

Diese Situation zeigt sich in den ärmeren Ländern der Welt um ein Vielfaches verschärft.

Schule ja, aber bitte mit Maske

Selbst in Ländern wie Mosambik, wo die Schulen wieder geöffnet sind, gibt es strikte Vorschriften: Da regelmässiges Händewaschen als Hygienemassnahme vorgeschrieben ist, bleiben Schulen, die kein fliessendes Wasser zur Verfügung stellen können, geschlossen. Und die Maskenpflicht schliesst Schülerinnen und Schüler vom Unterricht aus, die sich keine solche leisten können. Wem das Geld für Masken fehlt, der hat auch kein Geld für Schulbücher, um zuhause zu lernen. Ganz zu schweigen von Internetzugang und dem Besitz eines eigenen Computers.

Die Schulschliessungen und Schulverbote haben nebst den verheerenden Folgen auf die Bildung tausender Kinder Folgeauswirkungen auf weitere Lebensbereiche: Laut einer Studie von World Vision nahmen Fälle von Kinderarbeit, Gewalt an Kindern, Kinderheirat und -schwangerschaften im Lockdown signifikant zu. Für viele Kinder bedeutete das ein abruptes Ende ihrer Kindheit und den Startpunkt eines Lebens in Armut.

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Dank einem von World Vision finanzierten Computerkurs: Anne lernte mit 50 Jahren, ein Tablet zu bedienen und konnte so ihre Kinder im Lockdown bei den Hausaufgaben unterstützen. - World Vision

Der Bund gab 2017 einen Bericht über sein Engagement gegen Kinderarbeit heraus und fasste darin die Sachlage zusammen: Kinder, die nicht zur Schule gehen, würden «mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit wirtschaftlich ausgebeutet», heisst es dort. Wer Kinderarbeit leisten müsse, belaste damit seine Zukunft und werde «sehr wahrscheinlich auch als Erwachsene[r] zu den niedrigsten Einkommensklassen gehören».

Kinderarbeit sorgt also oft dafür, dass Armut von Generation zu Generation weitergegeben wird. Das effizienteste Mittel gegen diese Spirale der Armut ist und bleibt Bildung. Durch Bildung eröffnen sich beispielsweise für Kinder von Tagelöhnern neue Perspektiven, um sich ein nachhaltiges Einkommen aufzubauen. Auch gehen gebildete Mädchen und Jungen bei der Familienplanung vorsichtiger vor, was eine gelungene Integration ins Berufsleben vereinfacht.

Gegen Kinderarbeit, für eine nachhaltige Wirtschaft

Laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) haben rund 114 Millionen Menschen 2020 wegen COVID-19 ihre Arbeit verloren. In ihrem Bericht «Covid-19 Aftershocks» schildert World Vision die Folgen, die das für Familien hat.

Eltern schaffen es nur mit Mühe, ihre Kinder mit gesunder Nahrung zu versorgen oder Medizin und Hygieneprodukte zu kaufen. Fast 30 Prozent der von Jobverlust oder Einkommenseinbussen betroffenen Haushalte in Kambodscha gaben an, dass sie ihre Kinder arbeiten schicken. Und in Bangladesch gingen zum Zeitpunkt der Befragung Kinder aus 34 Prozent der betroffenen Haushalte betteln, um die Familie mitzuernähren.

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Arbeitende Kinder haben weniger Zeit und Energie als andere und gehen schliesslich – wenn überhaupt – übermüdet und unkonzentriert in die Schule. - World Vision

Das bedroht direkt die Erfolge, die in den letzten 20 Jahren im Kampf gegen Kinderarbeit erzielt wurden. Zwar wurde diese um rund ein Drittel reduziert, doch das ist nicht genug. Denn die UNO-Agenda für nachhaltige Entwicklung und das «Programm zur Beseitigung von Kinderarbeit» der IAO wollen Kinderarbeit ganz beseitigen.

Denn eine nachhaltig wachsende Wirtschaft ist auf ausgebildete Arbeitskräfte angewiesen. Mehr Bildung für Kinder und weniger Kinderarbeit ist ein Schritt in Richtung einer Welt, in der jeder menschenwürdige Arbeit verrichtet.

Gemeinsam gegen die Pandemie

Eine weltweite Impfung ist das effektivste Mittel im Kampf gegen das Virus. Ist dieses unter Kontrolle, können sich die Menschen wieder freier bewegen und das Leben kann sich normalisieren. Gerade für Tagelöhner und Strassenarbeiter ist das essentiell, da sie dann wieder Einkommen generieren und ihre Kinder ernähren können. Und die Kinder können wieder normal zur Schule gehen, wo sie vor Gewalt und Ausbeutung geschützt sind.

Deswegen hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die sogenannte COVAX-Initiative ins Leben gerufen: Darin haben sich 190 Staaten, darunter auch die Schweiz, verpflichtet, weltweit für einen gerechten Zugang zu Impfstoffen zu sorgen. 2 Milliarden Impfdosen will COVAX dieses Jahr weltweit verteilen.

Die Initiative ist eine Antwort auf eine globale Ungerechtigkeit: Durch teure Verträge konnten sich reiche Staaten nämlich ein Vorkaufsrecht für Impfdosen sichern. So gehen die ärmeren Länder zunächst leer aus, da die Impfstoffe noch nicht in genügend grosser Menge vorhanden sind.

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Ungerecht und kurzsichtig: Wenn die Industriestaaten bei den Impfungen «hamstern», bleiben die ärmeren Länder auf der Strecke. Spätestens, wenn das Virus in einer gefährlichen Mutation den Weg zu uns gefunden hat, rächt sich dieses unsolidarische Verhalten. - Keystone

Wenn das Virus aber effektiv bekämpft werden soll, muss die Impfung global erfolgen. Ansonsten wird es in den Regionen ohne ausreichenden Impfschutz ungehindert weiter mutieren. Weil sich die Regierungen der ärmsten Länder der Welt den Impfstoff aber nicht leisten können, ist globale Hilfe nötig.

Impfängste abbauen

Um global Hilfe zu leisten, arbeitet die Weltgesundheitsorganisation WHO u. a. mit World Vision zusammen. Dabei geht es nicht allein um die gerechte Verteilung der Impfdosen, sondern auch darum, vorhandene Impfängste abzubauen.

Das Hilfswerk hat über die Jahre ein dichtes Netzwerk von Glaubensführern und Dorfältesten aufgebaut. Als Vertrauenspersonen und wichtige Sprachrohre spielen diese in ihrer Community gerade in Krisenzeiten eine einzigartige Rolle. Denn sie verstehen die Bedürfnisse der Gemeinschaft und geniessen das Vertrauen der Leute.

Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die Menschen über das Virus und die nötigen Hygienemassnahmen aufzuklären. Sie helfen, in ihrer Gemeinschaft das Wissen zu verbreiten, dass nur eine grossflächige Impfung die Pandemie beenden kann. Und helfen dabei, die Menschen sachlich über die Wirksamkeit der Impfung aufzuklären und ihren Ängsten zu begegnen.

COVID-19 raubt Menschen die Existenzgrundlagen und treibt sie in die Armut. Die Impfung ist nötig, um Familien zu schützen. Und um Kinder von Armut, Ausbeutung und Gewalt zu bewahren und ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Deswegen setzt sich World Vision für eine weltweit gerechte Verteilung der COVID-Impfung ein.

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