Ende der Big 3: Ein neues Tennis-Zeitalter bricht an

Jannik Sinner gewinnt die Australian Open 2024. Damit läutet der Italiener ein neues Zeitalter ein – die Big-3-Ära geht zu Ende. Ein Kommentar.

Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer haben als Big 3 eine Tennis-Ära geprägt. Nun ist es Zeit für die Nächste. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Youngster Jannik Sinner holt sich in Melbourne den ersten Grand-Slam-Titel des Jahres.
  • Damit läutet der Italiener eine neue Ära ein – die Zeit hat den Big 3 den Rang abgelaufen.

Das Tennis-Jahr ist gerade erst angelaufen und wir haben einen neuen Grand-Slam-Champion: Jannik Sinner gewinnt die Australian Open 2024. In einem packenden Final setzt er sich gegen Daniil Medvedev durch. Zum ersten Mal seit 19 Jahren fällt die Entscheidung in Melbourne ohne Beteiligung von Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic.

Auch der «Last Man Standing» wackelt

In dieser Zeit hatte nur Stan Wawrinka die Titel-Serie der Big 3 in Melbourne durchbrochen. Zehn Jahre später gibt es beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres erstmals wieder einen neuen Gewinner. Dieser ist erst 22 Jahre alt und markiert mit seinem Titel den Beginn eines neuen Tennis-Zeitalters.

Nur Stan Wawrinka (2014) und Jannik Sinner (2024) konnten die Australian-Open-Titel-Serie der Big 3 in den letzten 19 Jahren durchbrechen. - X / @AustralianOpen

Das Zitat aus dem Box-Filmklassiker «Creed» trifft am Ende auch im Tennis zu: «Die Zeit besiegt irgendwann alle – sie ist unschlagbar.» Bei den Big 3 des Tennis hat sich die Zeit nur besonders lange Zeit gelassen. Jetzt scheint aber auch ihre Zeit langsam abgelaufen zu sein.

Roger Federer musste seinen Schläger 2022 an den Nagel hängen und auch Rafael Nadal hat mit seinem Körper zu kämpfen. Das letzte Jahr hat der Spanier fast vollständig verpasst. Weil mit Novak Djokovic der «Last Man Standing» weiterhin dominierte, fühlte es sich noch nicht so wirklich wie eine Wachablösung an.

Umfrage

Glauben Sie, dass Novak Djokovic noch Grand-Slam-Titel gewinnen wird?

Ja, er ist immer noch fit genug.
65%
Nein, die Jüngeren laufen ihm den Rang ab.
35%

Nun hat es aber auch den Serben erwischt. Seine Melbourne-Serie von 33 Siegen endet gegen Jannik Sinner mit 1:6, 2:6, 7:6 und 3:6 überraschend deutlich. Gegen den 14 Jahre jüngeren Südtiroler hat Djokovic keinen Stich – ohne Breakchance geht er unter. Drei der letzten vier Spiele gegen Sinner hat der «Djoker» verloren.

Djokovic-Verfolger haben beste Zeit noch vor sich

Auch Daniil Medvedev (US-Open-Final 2021), Carlos Alcaraz (Wimbledon-Final 2023) und Alexander Zverev (Olympia 2021) haben dem Serben schon empfindliche Niederlagen zugefügt. Sie alle werden von Jahr zu Jahr stärker, während der bald 37-Jährige gegen den Lauf der Zeit ankämpft.

Noch ist Novak Djokovic die Weltnummer 1. Von seinen Verfolgern in den Top 10 sind noch unter 28 Jahre alt. Sie alle sind hungrig: Mit Alcaraz (20) und Sinner (22) haben zwei Youngsters zwei der letzten drei Major-Titel gewonnen.

Die «jungen Wilden» übernehmen das Zepter der Big 3. Damit geht eine grossartige Tennis-Ära zu Ende. Freuen wir uns auf die Nächste!

Ronny Reisch ist bei Nau.ch Sport-Redaktor und Tennis-Experte. - Nau.ch