MotoGP: Was Joan Mirs WM-Titel ohne Marc Márquez wert ist

Ohne den verletzten Dauer-Champion Marc Márquez krönt sich Joan Mir zum Weltmeister der MotoGP. Aber was ist der Titel des Suzuki-Jungstars ohne Márquez wert?

In seinem zweiten MotoGP-Jahr konnte Joan Mir (Suzuki) 2020 bereits den Weltmeistertitel feiern. (Archivbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • In Abwesenheit des verletzten Marc Márquez krönt sich Joan Mir (23) zum MotoGP-Weltmeister
  • Für manche Kritiker ist der WM-Titel ohne Superstar Márquez aber weniger wert.
  • Weder der neue noch der entthronte Weltmeister sehen das so.

Wer vor dem Saisonstart der MotoGP auf Suzuki-Jungstar Joan Mir als Weltmeister gesetzt hat, streicht einen dicken Batzen Wettgewinn ein. Denn in seiner erst zweiten Saison in der Motorrad-Königsklasse darf sich der Spanier über den WM-Titel freuen.

Der kommt allerdings nicht ganz ohne Beigeschmack – schliesslich fehlt der Dauer-Dominator. Weil Serien-Weltmeister Marc Márquez wegen seiner schweren Armverletzung ausfiel, zweifeln manche an der Legitimität von Mirs WM-Krönung.

Joan Mir (Suzuki) feiert seinen WM-Titel in der MotoGP. - dpa

Das ist verständlich – in etwa so, als würde Max Verstappen Formel-1-Weltmeister, weil Lewis Hamilton die Saison verpasst. Zudem holte Mir erst vor einer Woche seinen ersten Sieg in der MotoGP. Da wirkt der Titel wenn nicht unverdient, dann zumindest glücklich.

Schwache Konkurrenz stärkte Joan Mir

Fakt ist aber: Zahlreiche Top-Piloten konnten mit dem Suzuki-Jungstar nicht mithalten. Mir stand in zwölf Rennen sieben Mal auf dem Podest. So konstant war sonst niemand – und das reichte dem Spanier am Ende zur Krönung.

Vor allem das Schwächeln von Andrea Dovizioso und Fabio Quartararo fiel besonders auf. Der Ducati-Star war immerhin dreimal Vizeweltmeister in der MotoGP. Ausgerechnet ohne seinen Dauerrivalen Marc Márquez zeigte bei ihm die Formkurve aber nach unten.

Fabio Quartararo (Yamaha) beim Valencia-GP der MotoGP. - keystone

Yamaha-Jungstar Quartararo wurde indes vom eigenen Material gebremst. Nach zwei Siegen zum Saisonauftakt stürzte der Franzose ins Formtief. «Nach Le Mans habe ich mich auf der Yamaha nie mehr wohlgefühlt», gesteht der nächstjährige Werkspilot.

«Das gehört zur MotoGP dazu»

Mir selbst hat kein Verständnis für jene, die an der Gültigkeit seines WM-Titels zweifeln. «Leute, die das sagen, wissen nicht viel über Motorrad-Rennen. Marc fehlt ja nicht deswegen, weil er aus seinem Haus entführt wurde oder so.»

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«Er war im ersten Rennen dabei und hat riskiert, weil er den Titel holen wollte. Er hat einen Fehler gemacht, der ihn die Saison gekostet hat – das war's», so Mir. «Entwertet seine Abwesenheit den Titel? Nein – das gehört zur MotoGP dazu.»

Marc Márquez beim Training zum zweiten Saisonrennen der MotoGP in Jerez de la Frontera. - Red Bull Content Pool

Schon im Sommer fällte der jetzt entthronte Weltmeister selbst ein ähnliches Urteil. «Nur weil ich fehle, ist der Titel nicht weniger wert», meinte Márquez damals. «Wenn du Weltmeister wirst, dann, weil du besser warst als die anderen.»