Zahlreiche Kinder wünschen sich zu Weihnachten ein Haustier. Doch die Schweizer Tierheime blocken ab. Sie schlossen gar, um dem Weihnachtsverkauf vorzubeugen.
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Ein West Highland Terrier sitzt in einem Tierheim vor einem geschmückten Weihnachtsbaum. Die Tierheime haben gar keine Freude am Weihnachtsgeschäft. - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Kinder wünschen sich zu Weihnachten ein Haustier.
  • Die Tierheime versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken.
  • Sie schliessen sogar komplett, um Bewerber abzuwehren.

Die Kerzen am Weihnachtsbaum sind heruntergebrannt und die Bescherung vorbei. So manches Schweizer Kind dürfte auch dieses Jahr wieder einen ganz speziellen Wunsch an seine Eltern getragen haben: Ein süsses Haustier. Doch den Eltern, welche diesen Wunsch nun erfüllen wollen, steht ein böses Erwachen bevor.

Denn bei vielen Tierheimen steht Familie Schweizer zwischen Weihnachten und Neujahr vor verschlossenen Türen. Grund: Tierheime versuchen, dem Verschenken von Tieren vorzubeugen. Sie haben darum erst wieder geöffnet, wenn die Weihnachtszeit vorbei ist.

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke

«Ein Tier sollte niemals ein Weihnachtsgeschenk sein!», stellt Gaby Moser vom Berner Tierschutz klar. Das Tierheim Oberbottigen hat darum vom 23. Dezember bis 3. Januar geschlossen. Eine Vielzahl von Tierheimen in der Schweiz versucht so, Impulsadoptionen zu verhindern. Im Tessin schliessen Tierheime sogar bis im Februar.

Silvester Haustiere Knall Angst
Tiere, welche man geschenkt bekommt, können schnell zur Last werden. - Pixabay

Denn nach der anfänglichen Freude holt der Alltag die Neo-Haustierhalter oft schnell ein. Und wenn der Hund dann nicht den ganzen Tag allein sein kann, die Katze sich die Vorhänge vornimmt oder das Kind nicht wie ausgemacht den Meerschweinchen-Stall säubert, werden die lebendigen Geschenke schnell zur Last und wieder zurückgebracht oder gar ausgesetzt.

Tierheime pochen auf Probezeit

«Meistens ist ein Tier als Weihnachtsgeschenk nicht die richtige Überlegung», so Moser. Stattdessen setze man bei der Vermittlung von Haustieren auf eine Probezeit.

«Wir wollen immer zuerst schauen, ob sich Mensch und Tier verstehen. Bei den Hunden dürfen Interessenten nach dem Kennenlernen alleine mit dem Hund auf einen Spaziergang oder ein Tierpfleger begleitet sie.»

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Viele Findelkatzen könnten nach Hause gebracht werden, gäbe es eine Chippflicht, findet der Tierschutz. - dpa-infocom GmbH

Auch bei den 134 im letzten Jahr vermittelten Katzen hat das Tierheim Oberbottigen genau hingeschaut. Allerdings wird die Differenz zwischen aufgenommenen und abgegebenen Katzen immer grösser.

«Wir haben viele Findelkatzen, die an den Besitzer zurückgegeben werden könnten. Darum würden wir uns eine Chip-Pflicht für Katzen wünschen», sagt Moser.

Zoofachhandel beobachtet «extreme Veränderung»

Anders tönt es aus dem Zoofachhandel. Therese Schumacher ist seit 30 Jahren im Geschäft und ist Präsidentin des Zoofachverbandes. Sie hat eine «extreme Veränderung» im Weihnachtsgeschäft beobachtet.

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Die Zoofachhändlerin ist seit über 30 Jahren im Geschäft. - ZVG

«Im Gegensatz zu früher wird heute viel bewusster geschenkt», ist Schumacher überzeugt. «Statt Tieren verkaufen wir vor Weihnachten jetzt vermehrt Gutscheine oder Tierfutter.» Das Leute ein Tier im Laden kaufen, um es als Überraschung unter den Weihnachtsbaum zu legen, sei selten geworden. «Die meisten Kunden, gerade Eltern, sind da in den letzten Jahren viel sensibler geworden.» Die meisten Zoofachgeschäfte sehen darum keinen Grund, über die Festtage zu schliessen.

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