Tequila im Tank: Der Chrysler Allesfresser
Ob Diesel, Kerosin oder Tequila – der Chrysler Turbine schluckte fast alles. Entdecken Sie die Geschichte des legendären «Allesfressers».

Stellen Sie sich vor, Ihr Auto schluckt Tequila statt Bleifrei. Chryslers legendärer Turbinenwagen machte diese Absurdität in den Sechzigerjahren wahr.
Damals wagte der US-Konzern einen technischen Quantensprung abseits klassischer Kolbenmotoren. Statt klopfender Zylinder fauchte unter der markanten Haube ein echtes Jet-Triebwerk.
Dieses Aggregat nutzte rotierende Schaufelräder, um aus erhitzter Luft gewaltige Energie zu gewinnen. Die Ingenieure suchten dabei nach einer Lösung für maximale mechanische Einfachheit im Autobau.
Die Geburtsstunde des Allesfressers
Das Resultat war ein futuristisches Coupé, das beinahe jeden flüssigen Brennstoff effizient verwertete. Dieser Wagen sollte die Mobilität der Zukunft radikal verändern und völlig neue Massstäbe setzen.

Der wahre Clou des Chrysler Turbine war seine unglaubliche Genügsamkeit beim Kraftstoff. Während moderne Motoren empfindlich auf falsches Benzin reagieren, bestach dieser Wagen durch totale Freiheit.
In Mexiko füllten Testfahrer den glänzenden Schlitten kurzerhand mit lokalem Tequila auf. Die Turbine verarbeitete den hochprozentigen Alkohol ohne mechanische Schäden direkt in puren Vortrieb.
Ein Jet-Gefühl für den Alltag
Auch Parfüm, Erdnussöl oder gewöhnlicher Diesel brachten die Maschine problemlos auf hohe Touren. Einzig verbleites Benzin schädigte die feinen Bauteile und blieb deshalb im Tank streng verboten.

Hinter dem Steuer fühlte sich die Fahrt wie ein Flug in geringer Höhe an. Das typische, hohe Pfeifen der Turbine ersetzte das bekannte Grollen eines herkömmlichen V8-Motors.
Mit einer Drehzahl von bis zu 44'500 Umdrehungen pro Minute arbeitete das Aggregat extrem schnell. Trotz der enormen internen Hitze hielten intelligente Wärmetauscher den Motorraum erstaunlich kühl.
Design aus einer anderen Welt
Im Leerlauf vibrierte der Wagen fast gar nicht, was für einen völlig ungekannten Fahrkomfort sorgte. Schweizer Präzisionsansprüche an die Laufruhe hätte dieses Modell damals wohl spielend leicht erfüllt.
Optisch spiegelte das Fahrzeug den Optimismus des aufkommenden Jet-Zeitalters wider. Die Karosserie stammte aus der italienischen Designschmiede Ghia und bestach durch eine elegante Linienführung.

Grosse, runde Lufteinlässe an der Front erinnerten sofort an die Triebwerke moderner Verkehrsflugzeuge. Auch im Innenraum setzte sich das Thema konsequent mit einer durchgehenden Mittelkonsole in Turbinenform fort.
Wartungsarmut als grosses Versprechen
Die kupferfarbene Lackierung unterstrich den exklusiven Charakter dieses technischen Pionierprojekts zusätzlich. Jedes Detail am Wagen signalisierte den Aufbruch in eine neue Ära der individuellen Fortbewegung.
Die Ingenieure versprachen den Kunden zudem eine deutlich einfachere Wartung als bei herkömmlichen Autos. Da die Turbine ohne Zündkerzen oder klassische Kühlsysteme auskam, sanken die potenziellen Werkstattkosten drastisch.
Nur sehr wenige bewegliche Teile im Motor sorgten für den direkten Antrieb der Räder. Diese Reduktion auf das Wesentliche faszinierte Technikbegeisterte auf der ganzen Welt.
Das radikale Ende eines Traums
In der Theorie hielten diese Triebwerke weitaus länger als jeder konventionelle Verbrennungsmotor jener Zeit. Trotz dieser Vorteile scheute die Industrie letztlich das finanzielle Risiko einer kompletten Umstellung.
Chrysler startete dennoch ein beispielloses Experiment und verlieh 50 Fahrzeuge an gewöhnliche Familien. Über zwei Jahre sammelten diese Nutzer wertvolle Erfahrungen mit der futuristischen Technik im Alltag.
Obwohl die Resonanz überwiegend positiv ausfiel, stoppte der Konzern die geplante Serienproduktion abrupt. Astronomische Herstellungskosten und neue Abgasnormen machten dem faszinierenden Jet-Auto einen Strich durch die Rechnung.








