Der Seppi: Vom Schrottplatz zum Nationalhelden

Maia Schmied
Maia Schmied

50'000 Menschen nahmen 1971 in tiefer Ehrfurcht Abschied von Jo Siffert. Lesen Sie die Geschichte eines Ausnahmetalents, das ein ganzes Land stolz gemacht hat.

Bronzebüste Siffert
Die Bronzebüste ehrt den legendären Freiburger Rennfahrer Jo «Seppi» Siffert direkt vor den Toren des Genfer Palexpo. - Jbitte

Dies ist nicht einfach nur die Geschichte eines Rennfahrers. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus dem Nichts kam und eine ganze Nation dazu brachte, ihre Liebe zum Auto und zur Geschwindigkeit zu entdecken.

Joseph «Jo» Siffert, in der Schweiz liebevoll «Seppi» genannt, wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Fribourg auf. Sein Vater war als einfacher Molkereiarbeiter tätig.

Als kleiner Junge sammelte Jo Altmetall und Lumpen, um sich den Eintritt zu den wenigen Autorennen der damaligen Zeit leisten zu können. Sein Traum war absurd gross für einen Jungen ohne finanzielle Mittel: Er wollte der schnellste Mann der Welt werden.

Vom Hinterhof auf die Weltbühne

Jo Siffert war kein klassischer «Gentleman-Driver» mit Millionen im Rücken. Er war ein Autonarr im wahrsten Sinne des Wortes.

Siffert Porsche 906
Klassensieg in der Eifel: Siffert und sein Teamkollege Colin Davis gewannen 1966 mit dem Porsche 906 die Klasse der Prototypen bis 2000 ccm. - Lothar Spurzem

Er betrieb eine eigene Garage in Fribourg, verkaufte tagsüber Gebrauchtwagen und schraubte nachts unermüdlich an seinen Rennwagen. Im Jahr 1968 schlug er im britischen Brands Hatch alle grossen Werksmannschaften wie Ferrari, Lotus und McLaren in einem privat finanzierten Lotus.

Es war der erste Sieg eines Schweizers in der Geschichte der Formel 1. Die Schweiz, eigentlich ein Land der Bescheidenheit und der strikten Tempolimits, geriet daraufhin in kollektive Ekstase.

Der Triumph der Schweizer Präzision

Siffert wurde zum Symbol dafür, dass man es mit Schweizer Präzision und Fleiss von ganz unten bis an die Weltspitze schaffen kann. Das emotionale Zentrum dieser Geschichte ist jedoch nicht allein sein Sieg, sondern sein tiefer Abschied.

Porsche 908
Der Alleskönner: Der Porsche 908 war Sifferts bevorzugtes Arbeitsgerät für technische Strecken, auf denen er seine enorme Fahrzeugbeherrschung ausspielen konnte. - Lothar Spurzem

Im Jahr 1971 verunglückte Jo Siffert tödlich bei einem Rennen in England. Was daraufhin in der Schweiz geschah, hat es in dieser Form und Intensität nie wieder gegeben.

Am Tag seiner Beerdigung in Fribourg versammelten sich über 50’000 Menschen in den Strassen. Diese Zahl entsprach fast der gesamten damaligen Einwohnerzahl der Stadt.

Ein Abschied in tiefer Stille

Der Verkehr stand vollständig still, während die Menschenmassen die Strassen kilometerweit säumten. Es war keine laute Trauerfeier, sondern ein kollektives, tiefes Schweigen der Hochachtung.

Sein Sarg wurde von einem schwarzen Wagen begleitet, während sein berühmter weisser Porsche 917 – das Auto, mit dem er die Welt beeindruckt hatte – im Trauerzug mitfuhr. Jo Siffert ist einer der Hauptgründe, warum Porsche in der Schweiz bis heute diesen fast kultartigen Status geniesst.

Zum Todestag von Joseph «Jo» Siffert.

Er war es, der die Marke hierzulande durch seine Erfolge und seine Persönlichkeit erst richtig bekannt machte. «Seppi» verkörperte den Schweizer Geist perfekt: Aussen extrem zurückhaltend, unter der Haube jedoch pure Kraft und Präzision.

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