Achtung beim Packen für die Ferien: Bussen ab dem 1. Kilo
Darf auch der letzte Koffer noch mit? Schweizer Polizisten warten zum Start der Reisesaison schon sehnsüchtig mit der Waage auf überladene Autos.

So manche Schweizer Autofahrer ignorieren die physikalischen Belastungsgrenzen ihres eigenen Fahrzeugs beim Packen für die Sommerferien komplett. Warum das problematisch ist?
Ein stark überladenes Auto verlängert den Bremsweg im Ernstfall drastisch und hebelt die elektronischen Assistenzsysteme wie das Stabilitätsprogramm ESP aus. Bereits ab einem einzigen Kilogramm Übergewicht drohen auf Schweizer Strassen unbarmherzige Bussen durch die kantonalen Ordnungskräfte.
Auch rein platztechnisch ist das Verreisen oft eine Herausforderung: Moderne Familienkombis bieten zwar optisch gigantische Laderäume, erreichen aber aufgrund schwerer Sonderausstattungen extrem schnell das erlaubte maximale Gesamtgewicht. Glücklicherweise existieren auf dem Markt hocheffiziente technische Erweiterungen für dieses alljährliche logistische Problem geplagter Autofahrer.
Dachboxen als aerodynamische Erweiterung
Eine moderne Dachbox bietet als beliebteste Benchmark-Lösung einen schnellen zusätzlichen Stauraum von oft bis zu fünfhundert Litern Volumen. Der grösste fahrpraktische Vorteil liegt in der konsequenten Trennung von schmutziger Sportausrüstung und dem eigentlichen Passagierbereich im Innenraum.
Allerdings trügt der grosszügige optische Schein bezüglich der real erlaubten Gewichtskapazität bei genauerer Betrachtung im Fahrzeugausweis massiv. Nach dem zwingenden Abzug des Eigengewichts von Grundträger und Box verbleiben meistens nur magere fünfundzwanzig Kilogramm für das tatsächliche Gepäck.

Zudem treibt der massiv erhöhte Luftwiderstand den Treibstoffverbrauch des Wagens auf der Autobahn spürbar in die Höhe. Schwere Gegenstände gehören aus Sicherheitsgründen deshalb niemals auf das Fahrzeugdach, sondern immer ganz nach unten in den Kofferraumboden.
Der Anhänger als leistungsstarke Alternative
Für den Transport von sperrigen Gütern ist der klassische Gepäckanhänger die mit Abstand sinnvollste Option. Diese robuste Transportvariante schlägt die herkömmliche Dachbox beim reinen Ladevolumen sowie bei der maximalen Gewichtskapazität um Längen.
Bussen Übergewicht
1. Fahrzeuge bis 3.5 Tonnen (z. B. PKW, Lieferwagen, leichte Wohnmobile)
Bei Fahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3'500 kg gelten folgende Tarife:
Bis zu 100 kg Übergewicht: CHF 100.– (Fixe Ordnungsbusse)
Mehr als 100 kg, aber weniger als 5 % des zulässigen Gewichts: CHF 200.– (Fixe Ordnungsbusse)
Ab 5 % Übergewicht: Verzeigung (Anzeige)!
Hier endet das vereinfachte Ordnungsbussenverfahren.
Es folgt ein ordentliches Strafverfahren über die Staatsanwaltschaft (Strafbefehl).
Die Busse wird individuell nach den finanziellen Verhältnissen bemessen und es kommen teils saftige Verfahrensgebühren hinzu.
Zudem drohen administrative Massnahmen des Strassenverkehrsamtes (Verwarnung oder Führerausweisentzug).
2. Fahrzeuge über 3.5 Tonnen (z. B. schwere Wohnmobile, LKW)
Für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3'500 kg greifen diese Regeln:
Bis zu 100 kg Übergewicht: CHF 100.– (Fixe Ordnungsbusse)
Mehr als 100 kg bis max. 5 % (jedoch nicht mehr als 1000 kg): CHF 250.– (Fixe Ordnungsbusse)
Mehr als 5 % ODER mehr als 1000 kg Übergewicht: Verzeigung (Anzeige)!
Auch hier kommt es zum ordentlichen Strafverfahren mit individueller Geldstrafe und Gebühren.
3. Überschreitung der Achslast
Selbst wenn das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs eingehalten wird, darf die maximal erlaubte Last auf einer einzelnen Achse nicht überschritten werden:
Bis zu 100 kg zu viel auf einer Achse: CHF 100.–
Bei Fahrzeugen über 3.5 Tonnen: Mehr als 100 kg, aber nicht mehr als 2 % Überschreitung kosten CHF 250.–.
Kritikwürdig bleibt bei dieser Transportlösung jedoch die gravierende und spürbare Einschränkung der gesamten fahrtechnischen Dynamik im Strassenverkehr. In der Schweiz gilt für alle Fahrzeuggespanne zudem ein striktes gesetzliches Tempolimit von lediglich achtzig Kilometern pro Stunde.
Auch das komplizierte Rangieren und Parkieren auf engen Rastplätzen verlangt ungeübten Fahrern auf der Urlaubsreise enorm viel Geduld ab. Für die allermeisten Schweizer Urlauber bleibt das konsequente Ausmisten des Reisegepäcks daher die sicherste und günstigste Option.







