Mutter Oberin drückt dem FC St.Gallen am Pfingstsonntag die Daumen
57 Jahre nach dem letzten Cupsieg hofft auch Mutter Oberin Rut-Maria Buschor im Kloster Sarnen auf den grossen Triumph des FC St.Gallen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der FC St.Gallen trifft am Pfingstsonntag im Cupfinal auf Stade Lausanne-Ouchy.
- Mutter Oberin Rut-Maria Buschor drückt im Kloster Sarnen die Daumen.
Kann der FC St.Gallen nach 57 Jahren endlich wieder mal den Cup-Kübel in die Höhe stemmen? Am Beistand von oben soll es nicht liegen. Im Frauenkloster Sarnen OW sitzt Mutter Oberin Rut-Maria Buschor (56) im grün-weiss gestricktem Schal vor dem Bildschirm.
Rut-Maria Buschor ist eine von nur noch 14 Nonnen im Frauenkloster. Die Ordensfrauen sind zwischen 53 und 94 Jahre alt. Rut-Maria, aufgewachsen in Goldach, ist die jüngere Schwester des parteiunabhängigen St. Galler Stadtrates Markus Buschor (64).
Seit Kindesbeinen Fan
Die Ordensfrau (Anrede ist Frau Äbtissin oder Mutter Oberin) ist seit Kindsbeinen eingefleischter Fan des FC St.Gallen. «Das ist ein positiver Virus, den man nicht mal mit einer Impfung wegbringt», sagte Rut-Maria Buschor während unseres ersten Besuchs 2021 mitten in der Corona-Zeit.

Einen Tag vor dem damaligen Cupfinal gegen Luzern (der FCSG unterlag 1:3), als der Artikel über die Nonne mit dem grün-weissem Herzen erschien, fuhr vor dem Kloster in Sarnen ein Wagen der St. Galler Metzgerei Bechinger vor.
«Wir wurden alle mit Bratwürsten beschenkt.» Auch über einen FCSG-Schal, ein grosses Badetuch, Jasskarten und einen Wimpel durfte sich Rut-Maria Buschor freuen.
Muss Schwestern Regeln erklären
Fünf Jahre später drückt die Äbtissin im Kloster wieder für die Espen die Daumen. Und hofft auf den ersten St. Galler Cupsieg seit 1969. Wie schaut sie am Pfingstsonntag den Final?
«Vor dem Fernseher oder auf dem Tablet. Ich weiss nicht, ob auch noch Mitschwestern dabei sein werden. Wenn nicht, ist’s auch egal. Denn sie kennen sich im Fussball nicht so aus. Das ist manchmal schwierig. Ich muss ihnen die Offside-Regel erklären. Oder sie jubeln, wenn der Gegner des FC St.Gallen ein Tor schiesst. Deshalb schaue ich am liebsten allein.»
Erstes Spiel des FC St.Gallen sah Buschor gegen YB
Die Äbtissin wächst am Bodensee auf. Die KV-Lehre absolviert sie in Rorschach. «Gleich neben der Badi, dort habe ich in den Mittagspausen auch den St. Galler Schal gestrickt. Ich bin seit Kindsbeinen FC-St. Gallen-Fan, das gehört in der Ostschweiz irgendwie dazu.»
Der Vater nimmt sie als Kind zu Spielen des damaligen FC Goldach (fusionierte 2017 mit dem FC Rorschach) mit. «Das war fast die einzige Gelegenheit, wo ich mit ihmZeit verbringen konnte.»

Als Zweitklässlerin sieht Rut-Maria Buschor an der Seite ihres Papas den FC St.Gallen erstmals bei einem Auswärtsspiel im Berner Wankdorf gegen YB. «Das war ein Highlight. Später gingen wir regelmässig ins Espenmoos-Stadion.»
«Wir waren seit fünf Uhr am Feiern»
Ihre Lichtblicke im alten St. Galler Stadion? «Als der Schiedsrichtereinmal mit dem Heli ausgeflogen werden musste.» Das ist im April 1985, Rut-Maria ist 14, als Schiedsrichter Walter Nussbaumer nach einer 1 : 2-Niederlage der St. Galler gegen Neuchatel Xamax wegen dem wütenden Ostschweizer Mob per Hubschrauber aus dem Stadion flüchten musste.
«Oder das Europacupspiel gegen Inter Mailand. Das Spiel war um acht, wir waren seit fünf Uhr am Feiern. Damals mussten die Spieler nach Spielschluss noch bei uns Fans vorbei. Heute ist es schwierig, an Autogramme zu kommen.» Gegen Karl-Heinz Rummenigge (der heutige Aufsichtsrat des FC Bayern München) und Kollegen erkämpfen sich die Ostschweizer ein beachtliches 0 : 0. Das Rückspiel in Mailand ging dann aber 1 : 5 verloren.
Besitzerin eines Görtler-Shirts
Tagwache im Kloster ist für die ranghöchste Nonne jeweils um 04.45 Uhr! «Ich nehme zuerst einen Kaffee, füttere später die Katzen. Um halb sieben haben wir das erste Gebet. Allerspätestens um 10 Uhr abends gehe ich ins Bett.»
Höchstens einmal im Jahr besucht sie ihre 91-jährige Mutter in der Ostschweiz. «Früher durften wir nur zu Beerdigungen nach Hause.»
Seit Mitte Februar ist die Mutter Oberin auch stolze Besitzerin eines grünen Trikots von FCSG-Captain Lukas Görtler. FCSG-CEO Beat Kronenberg, ein Bekannter ihres Bruders, hat das signierte Shirt organisiert. «Ich habe Freude am Leibchen, Görtler ist ein stabiler Wert. Er ist schon sehr lange dabei, wie auch Goalie Zigi.»
«Es wird Zeit»
Die letzten vier Cup-Finals hat der FC St.Gallen in den Sand gesetzt: 1977 gegen YB, 1998 gegen Lausanne, 2021 gegen Luzern und 2022 gegen Lugano. Am Pfingstsonntag ist der Unterklassige Stade Lausanne-Ouchy Gegner. Rut-Maria Buschor: «Es wird Zeit!»
*Dieser Text ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.












