Frauen-EM – Hannah Sutter: «Möchte dem Frauenfussball treu bleiben»

Redaktion
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Bern,

Als Co-Gesamtprojektleiterin prägte Hannah Sutter die Frauen-EM in Bern. Nun zieht sie im Interview Bilanz – und blickt in ihre persönliche Zukunft.

Hannah Sutter
Hannah Sutter war bei der UEFA Women’s EM Co-Leiterin der Host City Bern. - Kanton Bern

Das Wichtigste in Kürze

  • Hannah Sutter war bei der UEFA Women’s EM Co-Leiterin der Host City Bern.
  • Ende 2025 ging dieses Mandat zu Ende. Im Interview zieht Sutter Bilanz.
  • Zudem spricht sie über ihre Zukunft und die des Frauenfussballs in der Schweiz.

Hannah Sutter war bei der UEFA Women’s EURO 2025 gemeinsam mit Marc Heeb Gesamtprojektleiterin der Host City Bern. Dabei war sie unter anderem für das Rahmenprogramm, Marketing und Kommunikation sowie für das Thema Nachhaltigkeit zuständig.

Ende 2025 ging dieses Mandat zu Ende. Die Anwältin zieht Bilanz, spricht über die Sichtbarkeit des Frauenfussballs und mögliche Pläne für die Zukunft.

BärnerBär: Hannah Sutter, Sie waren zwei Jahre lang hauptberuflich mit der Women’s EURO beschäftigt. Was ist Ihre persönliche Bilanz?

Hannah Sutter: Die Frauenfussball-EM war für Bern ein voller Erfolg. Insgesamt hat sehr vieles hervorragend funktioniert. Allen voran natürlich das Rahmenprogramm in der Fan-Zone und über einer halben Million Gästen auf dem Bundes-, Bären- und Waisenhausplatz. Damit verzeichnete Bern schweizweit die grösste Besucherzahl.

Besonders gefreut hat uns, dass die Spiele im Wankdorf bereits mehrere Wochen vor Turnierstart ausverkauft waren. Auch die Filmshow «Unstoppable» über die bewegte Geschichte des Frauenfussballs wurde mehr als 500 Mal im multimedialen Kubus gezeigt. Zusammenfassend wurden unsere hoch gesteckten Ziele bei weitem übertroffen.

BärnerBär: Was waren Ihre persönlichen Highlights?

Sutter:  Es hat mich extrem gefreut, dass die Fanmärsche vor den Spielen in Bern einen so enormen Zuspruch fanden. Es hatte den Anschein, dass alle auf der Strasse waren – das waren echte Wow-Momente. Die Bilder gingen um die Welt. Sehr berührend war auch der Empfang der Schweizer Nati auf dem Bundesplatz, einen Tag nach ihrem Ausscheiden.

Die Spielerinnen wurden im strömenden Regen von Tausenden Fans bejubelt und gefeiert. Die Emotionen bei den Spielerinnen waren sichtlich spürbar. Genau für solche Momente und diese Anerkennung hatten viele von ihnen jahrelang gekämpft.

Insgesamt war die Begeisterung der Menschen beeindruckend. Es war ein grosses Privileg für mich, für meine Heimatstadt so ein so bedeutendes Projekt mitgestalten zu dürfen.

BärnerBär: Wo lagen die grössten Herausforderungen bzw. Schwierigkeiten?

Sutter:  Die Vorbereitungszeit war sehr kurz. Mein Mandat begann im Dezember 2023 – und eineinhalb Jahre später fand das Turnier bereits statt. Bei einer Männer-EM beträgt die Vorbereitungszeit gewöhnlich über fünf Jahre. Entsprechend gab es bis zum Schluss einige Unsicherheiten.

Bei der Finanzierung mussten wir für einen angemessenen Bundesbeitrag kämpfen. Dies, um die finanzielle Unterstützung im Bereich ÖV-Ticketintegration, Legacy und Landeskommunikation zu erhalten. Wir wussten nicht, wie gross die Euphorie sein würde, und im Vorfeld gab es auch negative Berichterstattung. Umso bewusster haben wir mit vielfältigen Kommunikations- und Marketingmassnahmen sowie Aktivitäten versucht, das Feuer zu entfachen.

Hast du die Frauen-EM verfolgt?

BärnerBär: Ein zentrales Element Ihrer Tätigkeit war die Förderung des Frauenfussballs. Ist dies rückblickend ausreichend gelungen?

Sutter:  Die ersten Entwicklungen sind durchaus positiv. Wir konnten eine gute Basis legen, müssen aber auch dranbleiben und uns weiterhin für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Frauenfussballs einsetzen.

Zuletzt konnte in der Region Bern ein deutlicher Zuwachs an Schiedsrichterinnen, Trainerinnen, Spielerinnen und Funktionärinnen verzeichnet werden. Doch in der Stadt Bern mangelt es derzeit schon länger an Rasenplätzen. So wie in anderen Städten in der Schweiz auch. Dieses Manko will die Stadt Bern mittelfristig mit verschiedenen Massnahmen beheben.

Bei den Mädchen wie auch bei den Jungs, die Fussball spielen möchten, gibt es zum Teil lange Wartelisten. Zudem stehen nach wie vor nicht überall genügend Trainerinnen und Schiedsrichterinnen zur Verfügung.

BärnerBär: Konnte die Sichtbarkeit und Attraktivität von Bern als Tourismus- bzw. Sportdestination ausreichend gestärkt werden?

Sutter:  Auf jeden Fall. Die Bilder der EM gingen um die Welt. Etwa von den Spielen, von den beiden Rekord-Fanmärschen durch die Altstadt mit 14'000 und 25'000 Teilnehmenden und der Fanzone Bundesplatz. Und es waren zahlreiche internationale Medienschaffende vor Ort.

Bern konnte als vergleichsweise kleine Stadt mit kurzen Wegen erneut als attraktive und sehr gastfreundliche Sport- und Eventstadt punkten. Das Feedback aus Hotellerie, Gastronomie und Gewerbe fiel sehr positiv aus. All das trägt bestimmt zum positiven Image von Bern als Tourismus- und Sportstadt bei.

Bäredräck
Marc Heeb (l.) und Hannah Sutter (2.v.l.) vom «Berner Ballzauber» wurde am Berner Zibelemärit mit dem 40. Bäredräck ausgezeichnet. - keystone

BärnerBär: Welche Lehren können für zukünftige Events in Bern gezogen werden?

Sutter:  Es hat sich gezeigt, dass Bern Grossveranstaltungen durchführen kann – und zwar finanziell verantwortungsvoll und nachhaltig. Zudem ist es uns gelungen, die Bevölkerung anzusprechen und eine breite Unterstützung in Stadt und Region zu mobilisieren. Mit der richtigen Vorbereitung kann dies auch bei künftigen Veranstaltungen in Bern gelingen.

BärnerBär: Ist der Job als Co-Head der UEFA Women's EURO 2025 für Sie nun abgeschlossen? Oder spielt er in Ihrem beruflichen Alltag weiterhin eine Rolle?

Sutter:  Mein Mandat mit der Stadt Bern endete wie vorgesehen im letzten Dezember. Der Schlussbericht wurde im Dezember publiziert und wird in den nächsten Wochen dem Stadtrat vorgelegt. Zudem ist ein Dokumentarfilm über die EURO 2025 in der Stadt Bern in Arbeit. Die Premiere wird am 24. Februar im Kino Rex in Bern stattfinden. Ich möchte auch in Zukunft auf die eine oder andere Weise im Frauenfussball tätig bleiben. In welcher Form das sein wird, ist aktuell noch offen. Auch das Gleichstellungsthema wird sicher ein grosses Anliegen für mich bleiben.

EM Bern Bundesplatz
Es war der Wahnsinn: Tausende Fans versammelten sich in Bern zum Fan-Marsch. - zVg

BärnerBär: Was hat diese Tätigkeit bei der Frauenfussball-EM mit Ihnen gemacht?

Sutter:  Ich habe in diesen zwei Jahren extrem viel Neues gelernt. Ich habe mir ein breites Netzwerk aufgebaut und insbesondere in den Bereichen Sport, Marketing und Medienarbeit viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Das wird auch meine Arbeit in Zukunft auf jeden Fall beeinflussen.

BärnerBär: Was haben Sie beruflich in der Zukunft vor?

Sutter:  Ich bin seit 2023 Verwaltungsrätin bei der Liechtensteinischen Post AG und arbeite dort mit dem Team gerade an einer neuen Strategie. Aktuell prüfe ich verschiedene berufliche Optionen. Es ist noch offen, wie es beruflich genau weitergeht. Wichtig ist für mich, eine Aufgabe zu finden, bei der ich etwas aufbauen oder nachhaltig bewegen kann.

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