SC Bern

SC Bern – Marc Lüthi sanierte, polarisierte und hatte Erfolg

Pierre Benoit
Pierre Benoit

Bern,

Am 30. April 2026 endet eine Ära beim SC Bern: CEO Marc Lüthi legt alle Ämter nieder, verkauft seine Aktien und verabschiedet sich vom Club.

SCB Marc Lüthi BärnerBär
Das Ende einer Ära: SCB-CEO Marc Lüthi tritt zurück. - Daniel Zaugg

Am 30. April 2026 ist Schluss: SCB-General Marc Lüthi gibt seine sämtlichen Ämter beim SCB ab und verkauft auch seine Aktien. Seit 28 Jahren steht er mit Leib und Seele, mit Herz, Vernunft und mit Temperament, manchmal als Choleriker, dann wieder als Melancholiker dem grössten Eishockeyclub der Schweiz vor, dem FC Bayern München des Schweizer Eishockeys.

Lüthi war während 28 Jahren eine Persönlichkeit an der SCB-Spitze, die im wahrsten Sinne des Wortes für Gegensätze stand. Die einen liebten und verehrten ihn für seine Gradlinigkeit und seine Direktheit im Gespräch. Andere wünschten ihn ins Pfefferland, gerade weil er stets sagte, was er dachte, auch Unpopuläres gegenüber Feinden und solchen, die seine Freunde werden wollten.

SC Bern
Marc Lüthi im Jahr 2004. - keystone

Zehnmal durfte Lüthi einen Titel feiern, insgesamt sieben Mal als Meister, dreimal im Cup, wobei die SCB Frauen für drei der insgesamt zehn Höhepunkte verantwortlich zeichneten.

In seinem Buch «Das Phänomen SCB» schrieb Eishockey-Kenner Christian Dick, damals SCB-Pressechef und zuvor Sportchef beim «Der Bund», einen Satz, der zu Marc Lüthi perfekt passte. «Wir dürfen nicht abheben», als er nach einem errungenen Meistertitel diese Botschaft an die Mitarbeitenden weitergab. Trotz der Erfolge blieb Lüthi stets bescheiden, nicht zuletzt, weil er auch andere Zeiten kannte.

Im Gespräch mit Marc Lüthi gaben wir dem zurücktretenden SCB-Leithammel entsprechend den zehn Titelgewinnen zehn Stichworte vor, zu denen er sich wie folgt äussert:

Sanierung: Die Sanierung kostete mich zehn Jahre meines Lebens. Alles fing so an, dass ich das Geld, das uns der SCB bei der IMS schuldete, eintreiben wollte. Zusammen mit Erwin Gross führte ich damals die Vermarktungsfirma IMS, wir waren für die SCB-Printerzeugnisse verantwortlich.

Präsident Jürg Krachpelz schlug vor, dass wir den Laden übernehmen und so zu unserem Geld kommen sollten. Wir entschieden uns, den Schritt zu wagen; ich übernahm, Erwin blieb bei der IMS.

Ich arbeitete zu Beginn 100 Stunden pro Woche. Das Geld erhielt die IMS zwar nicht, doch das war der Beginn meiner 28 Jahre SCB.

BärnerBär Marc Lüthi
Die Sanierung des SCB kostete Marc Lüthi zehn Jahre seines Lebens. - Daniel Zaugg

Trainersuche Ende 2001: Alles ging sehr schnell. Rolf Bachmann war zum HC Davos gezogen. Wir hatten kein Geld und ich von Eishockey wenig bis gar keine Ahnung und musste eine Mannschaft zusammenstellen.

Dies gelang mit der Unterstützung von Fachleuten. Doch als das Team stand, stellte ich fest, dass mir ein Coach fehlte. Mit dem wenigen Geld, das mir noch zur Verfügung stand, verpflichtete ich schliesslich einen Schweizer.

Straftraining: Nach einem Spiel in Rapperswil war ich über die Leistung derart wütend, dass ich auf die Rückkehr der Mannschaft wartete und den Spielern erklärte, dass sie sich gleich wieder umziehen können.

Ich liess sie drei Runden laufen und hielt ihnen anschliessend einen Vortrag über Teamwork. Das Szenario wiederholte sich einige Male. Drei Runden laufen und zum Thema Teamwork zuhören. Endlich schafften sie es, gemeinsam ins Ziel zu kommen und ich brach die Übung ab.

John Tavares SCB
John Tavares gehört zu den besten Spielern, die jemals beim SCB gespielt haben. - keystone

Die Augen, die John Tavares machte, werde ich nie vergessen. Es war die Saison des NHL-Lockouts, Tavares, Josi und Streit spielten während dieser Zeit bei uns, und viele erwarteten nach ihrem Abgang unseren Absturz. Doch Ende Saison wurden wir Meister.

Höhepunkte: Da kommt mir zuerst der Meistertitel 2004 in Lugano in den Sinn, als uns Marc Weber in der Verlängerung zum Sieg schoss. Dann die weiteren Meistertitel und in meiner Erinnerung eingeprägt hat sich der Cupsieg während Corona, als wir vor 0 Zuschauern im Hallenstadion Cupsieger wurden.

Eindrücklich war auch in der letzten Saison der Titelgewinn der Frauen. Sie hatten in der regulären Saison keine Chance gegen den EV Zug, verloren alle Spiele und gewannen dann den Playoff-Final mit 3:0-Siegen.

Fehlentscheide: Zu Beginn war ich 37 Jahre alt und hatte keine Ahnung. Weil das Hockey-Business nicht ganz einfach ist, gab es reihenweise Fehlentscheide.

Doch ich schaue nicht zurück. Ich habe 28 Jahre lang nicht für mich, sondern für den SCB gearbeitet; für drei Buchstaben: SCB.

Medien: Ich habe mir zu Beginn zum Ziel gesteckt, dass ich für die Medien immer da bin; Journalisten konnten mich auch nachts anrufen, weil ich wusste, dass die Zusammenarbeit bedeutend ist.

Als ehemaliger Medienmann war mir auch bewusst, dass es wichtig ist, dass der SCB in den Medien präsent ist, egal ob positiv oder negativ. Ich lernte viele interessante Leute kennen, es gab faszinierende Geschichten und einige Journalisten wie die leider verstorbenen Henry Eggenberger und René Hug werde ich nie vergessen.

Findest du, dass Marc Lüthis Abgang ein Verlust für den SC Bern ist?

Sportgastro: Anfangs verdienten wir mit der Gastronomie keinen Rappen, es gab noch zwei Stadionwirte. Mein Ziel war es, neben der Bandenwerbung weitere Einnahmen zu generieren.

Bis Covid kam, lief das recht gut, seither ist es schwieriger geworden. Doch vor allem die Gastronomie in der Postfinance-Arena, der Messe und das Catering sind wichtige Standbeine.

PostFinance-Arena: Diese Frage geht in die Zukunft und da will ich mich nicht mehr äussern. Sagen kann ich einzig, dass bis zum 100-Jahr-Jubiläum 2031 der Umbau fertiggestellt sein sollte.

Gesundheit: Es geht mir blendend, ich habe mich von meinem Zwischenfall, der jetzt schon vier Jahre zurückliegt, erholt. Ich war kürzlich beim Arzt, all meine Werte sind tip-top.

Zukunft: Bis Ende April ist meine ganze Energie hier, beim SCB und ich hoffe auf ein sportliches Wunder. Danach werde ich sicher nicht nur Golf spielen, dazu bin ich nicht der Typ.

Ich habe einige Mandate, bin Präsident der europäischen Profiklubs und werde auch andere Aufgaben im Bereich Coaching übernehmen. Ich hoffe, endlich Zeit zu haben, um einen in der Stadt Bern spielenden, gruseligen Kriminalroman zu schreiben.

Beim SCB werde ich nur noch als interessierter Zuschauer dabei sein.

Persönlich

Marc Lüthi wurde am 3. August 1961 geboren. Seit 1998 ist er CEO des SCB mit einem kleinen Unterbruch, als er von 2022 bis August 2023 das Präsidium des Verwaltungsrats innehatte.

Er ist verheiratet mit der CEO der Kreativagentur Republica AG, Bala Trachsel Lüthi, und Vater einer Tochter aus erster Ehe.

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Kommentare

User #5030 (nicht angemeldet)

Die Postfinanz Arena bittet in etwa den selben Komfort wie die Reitschule!

User #4324 (nicht angemeldet)

Die sogenannte schweizerische Neidkultur hat Hochkonjunktur.

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