Über dem Schweizer Synchronschwimmen hängen dunkle Wolken. Gemäss SRF herrschen in der Abteilung von Swiss Aquatics Chaos und Vetternwirtschaft.
Synchronschwimmen
Die Schweizer Synchronschwimmerinnen Vivienne Koch und Joelle Peschl im Einsatz. (Archivbild) - keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gegen Swiss Aquatics werden schwere Vorwürfe erhoben.
  • Mehrere Athletinnen gehen mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit.
  • Die Co-Sportdirektoren, Markus Thöni und Patricia Fahrni, sind zurückgetreten.

Nach dem Schweizerischen Turnverband, der wegen Verfehlungen von Trainern hinischtlich Trainingsmethoden und Umgangsformen an den Pranger gestellt wurde, gerät nun mit Swiss Aquatics ein weiterer Sportverband ins Zwielicht.

«In dieser Welt bist du kein Mensch»

Das SRF berichtete am Montag in den Sendungen «Echo der Zeit» beziehungsweise «10 vor 10» über die Missstände. Zu Wort kamen selbstredend auch betroffene Athletinnen. Die 23-jährige Joelle Peschl wählte deutliche Worte. «Ich habe das Gefühl, in dieser Welt bist du kein Mensch.»

Die Vorwürfe, die mehrere Synchronschwimmerinnen gegen das System erheben, sind vielschichtig. In einem internen Dokument, das SRF Investigativ vorliegt, ist die Rede von «Chaos» und «unhaltbaren Zuständen».

Betreffend Chaos äusserte sich die 19-jährige Ladina Lippuner, in der vergangenen Woche Teilnehmerin an den Weltmeisterschaften in Budapest. Die Rheintalerin sprach die inakzeptablen Verhältnisse in Bezug auf die Planung in der Sportdirektion Synchronschwimmen an. «Man weiss nicht genau, wann die nächsten Trainingslager stattfinden. Man muss sich spontan auf etwas einstellen können, einfach mitmachen.»

Vetternwirtschaft im Richterwesen

Noch viel bedrückender sind die Bedingungen im Richterwesen. Da wird offensichtlich Vetternwirtschaft in ganz schlimmem Umfang betrieben.

Joelle Peschl erzählte: «Eine Richterin sagte uns: ‹Es tut mir leid, ihr wart klar besser. Aber ich musste für die anderen richten›. Da habe ich als Schwimmerin die Welt nicht mehr verstanden.» Richter würden eigene Vereine «systematisch und hemmungslos bevorteilen».

Es wurde auch von unhaltbaren Trainingsmethoden berichtet. Die Palette soll von Anschreien, Drohen und Beschimpfen bis hin zu anzüglichen Bemerkungen und Essverboten reichen. Das ungesunde Mass hat Folgen. «Viele gehen zu einem Psychiater oder sind in der Psychotherapie», sagte Delphine Hoffmann, langjährige Athletin und Trainerin aus der Romandie.

Die Kritiken richten sich primär an die zwei Co-Sportdirektoren Synchronschwimmen, Markus Thöni und Patricia Fahrni. Beide weisen sie die Vorwürfe gegenüber SRF Investigativ zurück. Sie hätten die Zusammenarbeit etwa mit den Vereinen als konstruktiv erlebt, sagen sie. Zahlreiche Vorwürfe würden ausserdem die Zeit vor ihrem Amtsantritt im Frühling letzten Jahres betreffen.

«Ich habe kein Verständnis für so etwas»

Bei Gewalt gelte die Nulltoleranz. «Die psychische und physische Gesundheit unserer Athletinnen hat oberstes Gebot, Übergriffe werden nicht toleriert.» Trotz zurückgewiesener Vorwürfe zogen Thöni und Fahrni die Konsequenzen. Sie traten als Co-Sportdirektoren zurück.

Die Verantwortlichen des Schwimmverbandes lassen die Abteilung Synchronschwimmen seit Mai analysieren. Ewen Cameron, mit Bartolo Consolo Co-Präsident von Swiss Aquatics, sagte dazu: «Aufgrund des Rücktritts können wir jetzt unbelastet und aufgrund von Empfehlungen, die uns der Bericht liefern wird, die Sportart hoffentlich neu strukturieren und neu aufstellen.» Mit den Aussagen der Athletinnen konfrontiert, sagte Cameron weiter: «Das tut mir leid. Ich habe kein Verständnis für so etwas.»

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