Tausende Delfine sterben für MSC-Fisch

    Michael Bolzli
    Michael Bolzli

    Mexiko,

    Wer nachhaltigen Fisch im Supermarkt will, greift zu MSC-Produkten. Doch ein neuer Dokumentarfilm zeigt: Das Öko-Label hält nicht immer, was es verspricht.

    Delfine Russland
    Zwei Delfine im Wasser. (Symbolbild) - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Zwölf Prozent des weltweit verkauften Fischs stammt aus MSC-Produktion.
    • Ein Dokumentarfilm zeigt: Das Label ist weniger nachhaltig, als es viele Konsumenten erwarten.

    Labels geben dem Konsumenten ein gutes Gefühlt. Wer nachhaltig produziertes Fleisch will, kauft Bio. Wer gleiches beim Fisch will, greift zu MSC-zertifizierten Produkten.

    Das Fischlabel hat in der Schweiz Gewicht. Bei der Migros sind 71 Prozent des Wildfang-Sortiments MSC-zertifiziert, bei Coop sind es 64 Prozent. Weltweit sind zwölf Prozent des weltweiten Fangs MSC-zertifiziert.

    Bei Coop sind 64 Prozent des Wildfang-Sortiments MSC-zertifiziert.
    Bei Coop sind 64 Prozent des Wildfang-Sortiments MSC-zertifiziert. - Pixabay

    Meere überfischt

    Doch das Label steht in der Kritik. Im Januar haben 66 Organisationen aus der ganzen Welt das Label aufgefordert, die Standards zu bessern. Ihre Kritik: MSC-zertifiziere Betriebe, welche die Meere überfischen und mehr Beifang als Fang generieren.

    Ein Dokumentarfilm vom ARD ist diesen Vorwürfen nachgegangen. Der Film zeigt etwa die Tunfisch-Fischerei in Mexiko. Jahrzehntelang wurde mexikanischer Thunfisch boykottiert. Grund: Die Fische werden mit Hubschraubern zusammengetrieben und mit einem Ringwadennetz gefangen. Dabei verheddern sich viele Delfine in den Netzen, die mit den Thunfischen eine Fressgemeinschaft bilden.

    Seit Kurzem ist die Methode MSC-zertifiziert. Laut der Industrie würden Delfine aus dem Netz befreit. Die Zahl toter Delfine liegt laut MCS darum bei weniger als 500 pro Jahr. Insider sprechen aber von tausenden toten Meeressäugern.

    MSC erklärt, dass man einen pragmatischen Ansatz verfolge. «Zuviel Perfektion ist gefährlich», sagt Chef Rupert Howes. «Es geht darum, die Fischerei insgesamt in Richtung Nachhaltigkeit zu schieben.»

    MSC verdient mit Zertifizierung

    Einen weiteren Grund, warum MSC solche Fangmethoden zertifiziert, erklärt Biologe und Mitgründer Daniel Pauly: «Alle Leute im MSC-System wissen, dass nur eine Zertifizierung Geld in den MSC spült. Das ist ein Anreiz, zu einem positiven Prüfergebnis zu kommen.»

    Bei der Migros sind 71 Prozent des Wildfang-Sortiments MSC-zertifiziert.
    Bei der Migros sind 71 Prozent des Wildfang-Sortiments MSC-zertifiziert. - Pixabay

    Für ihn ist die Idee gescheitert. «Der MSC sollte die Interessen von zwei Gruppen vertreten: Industrie und Naturschutz. Aber er tut es nicht. Er ist von der Industrie gekapert worden.»

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