Zuger Kantonsrat lässt digitale Geräte in der Unterstufe weiter zu

Im Kanton Zug werden in den Kindergärten und bis zum Ende der zweiten Klasse weiterhin digitale Geräte zum Einsatz kommen. Der Kantonsrat hat am Donnerstag einen Vorstoss der SVP abgelehnt.

In den Klassenzimmern gehören digitale Geräte wie Tablets zum Schulalltag. (Symbolbild)
In den Klassenzimmern gehören digitale Geräte wie Tablets zum Schulalltag. (Symbolbild) - Keystone/GAETAN BALLY

Die SVP-Fraktion begründete ihr Postulat damit, dass zu viel Bildschirmzeit die Entwicklung, Lernfähigkeit und Sozialkompetenz von Kindern negativ beeinflusse. Stattdessen solle das Lernen wieder «ganzheitlich» erfolgen. «Nur was man fühlen, riechen, schmecken kann, kann man auch verstehen», sagte Kantonsrätin Esther Monney (SVP) in der Debatte.

Aus diesen und weiteren Gründen sollten die Zuger Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der zweiten Primarklasse weder im Unterricht noch für die Hausaufgaben digitale Geräte, Apps oder Lehrmittel verwenden.

Die Regierung unterstützte das Ansinnen der Partei. Die Medienkompetenz der Kinder solle bis zum Ende der zweiten Klasse auf analoge Weise gefördert werden, schrieb die Regierung im Bericht an das Parlament. Ein Verbot der Geräte sei «kein Misstrauensvotum gegen die Lehrpersonen», sagte Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP).

Alle übrigen Fraktionen vertraten in der Ratssitzung eine gegenteilige Haltung. Die digitalen Geräte würden «gezielt, reflektiert und in begrenztem Rahmen» eingesetzt, sagte Michèle Schmid (SP), die als Primarlehrerin arbeitet. Tabea Zimmermann Gibson (ALG) regte an, stärker in die Elternbildung zu investieren, das sei zielführender. «Wir sollten Eltern unterstützen, dass diese ihre Kinder nicht mit digitalen Geräten ruhigstellen».

GLP-Sprecher Martin Zimmermann sah «Handlungsbedarf im Elternhaus», während Anna Bieri (Mitte) den Vorstoss als «Placebo-Lösung» bezeichnete, die nicht als wirksames Mittel tauge. Peter Letter (FDP) sagte, ein Verbot würde die Qualitätsentwicklung im Umgang mit Computern und digitalen Medien «dort verhindern, wo sie sinnvoll wäre.»

Das Verdikt des Kantonsparlaments fiel mit 17 Ja- zu 55 Nein-Stimmen deutlich aus. Auch ein Eventualantrag der SVP, der ein Verbot digitaler Geräte im Kindergarten forderte, wurde mit 49 zu 25 Stimmen abgelehnt.

Kommentare

User #5617 (nicht angemeldet)

Digitale Ausbildungshilfen (Tablets, PCs etc.) sind wichtig und ja auch nicht das Problem. Sondern die "asozialen" Medien in den Händen von Kindern.

User #4176 (nicht angemeldet)

Tabea Zimmermann Gibson (ALG) regte an, stärker in die Elternbildung zu investieren, das sei zielführender. «Wir sollten Eltern unterstützen,..." Elternbildung(zur Kindererziehung) ist nicht Sache des Kantons oder des Staates. Wielviel Personal will sie dafür anstellen und in welche Sprachen soll übersetzt werden?

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