Urner Landrat streitet über Notstrasse nach Bristen
Die Ortschaft Bristen soll nicht mit einer Notstrasse erschlossen werden. Das Urner Parlament hat es am Mittwoch in seiner Session abgelehnt, ein solches Projekt weiterzuverfolgen. Beendet ist die Frage der Erschliessung des Dorfs im Maderanertal damit aber nicht.

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Ist die normale Bristenstrasse zwischen Amsteg und Bristen gesperrt, werden die Mobilität und die Versorgung der 450 Bewohner mit einem Notregime sichergestellt. Die hundertjährige Standseilbahn des Kraftwerks wird dann wieder in Betrieb genommen, und es gibt Helikopterflüge. Daran soll sich nichts ändern.
Mit 36 zu 19 Stimmen bei 2 Enthaltungen lehnte es der Urner Landrat ab, das Projekt einer Notstrasse weiterzuverfolgen. Die Regierung hatte als Antwort auf ein Postulat zweier Landräte aus Silenen die Machbarkeit einer Notstrasse geprüft, diese aus Kostengründen aber abgelehnt.
Die Notstrasse von Silenen via Ledi, Frentschenberg nach Bristen von rund 2,4 Kilometer Länge wäre zwar machbar, würde aber eine geschützte Landschaft queren und brutto 7,7 Millionen Franken kosten. Planung und Realisierung dürften drei Jahre dauern. Die Kosten für die Noterschliessung von maximal 750'000 Franken pro möglichen Unterbruch der Bristenstrasse stehen für die Regierung in keinem Verhältnis zu den Baukosten einer Notstrasse.
Abwanderung und Tourismus
Ein Minderheitsantrag in der vorberatenden Baukommission hatte erfolglos darauf gedrungen, den Bau weiterzuverfolgen. Mit einer sicheren Erschliessung von Bristen könne die Abwanderung gestoppt werden, argumentierten die Befürworter.
Zudem sei die sichere Erreichbarkeit touristisch von Bedeutung. Elias Epp (CVP) stellte in den Raum, was es bedeuten würde, wenn bei einem neuen Ereignis Touristen in Bristen eingeschlossen würden oder aber gar ein Bus voller Touristen von der Bristenstrasse stürzen würde.
Bemängelt wurde weiter, dass die Regierung keine Alternative zu einer Notstrasse im Falle eines erneuten Unterbruchs der Bristenstrasse aufzeige. Mehrere Votanten wiesen auf das Alter der Standseilbahn hin und machten eine Aufrüstung der Bahn für touristische Zwecke beliebt.
Der Sprecher der CVP-Fraktion bemängelte den fehlenden Variantenvergleich mit alternativen Linienführungen im Bericht. Mehrfach kritisiert wurde der einbudgetierte Ausbaustandard der Strasse.
Fehlende TrägerschaftFür Erstaunen sorgte der im Bericht aufgezeigte schlechte Zustand der über hundertjährigen Bristenstrasse. Die Regierung betonte, dass bei dieser ein mittelfristiger Sanierungsbedarf von rund 13 Millionen Franken bestehe. Und dies dürfe nicht durch Aufwendungen für eine Notstrasse konkurrenziert werden.
Baudirektor Roger Nager sagte, man nähme die Seitentäler sehr wohl ernst. Am Schluss sei es das Portemonnaie, das den Entscheid fälle. Zudem bestehe keine Trägerschaft, die bereit wäre, die Strasse zu erhalten, zu räumen und zu finanzieren.
Symbolisch verzichtete der Rat am Ende mit 29 zu 25 Stimmen bei 3 Enthaltungen darauf, das Postulat als erledigt abzuschreiben. Es werde zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise im Zusammenhang mit dem Sanierungskonzept für die Bristenstrasse wieder behandelt, sagte Nager.
SDA/str






