Fusion

Unterentfelden: Fusion mit Aarau? Turnhalle platzt aus allen Nähten

Joel Dreier
Joel Dreier

Aarau,

Der Unterentfeldner Souverän stimmte an der Sommer-Gmeind dem Zusammenschlussvertrag mit Aarau zu. Sagt auch Aarau Ja, kommt es zur Urnenabstimmung.

Sommer Gmeind
32% der Stimmberechtigten fanden den Weg an die Sommer-Gmeind. - Joel Dreier

Es bedurfte keiner Glaskugel, um eine Dreifachturnhalle Bünten zu erahnen, die aus allen Nähten platzte. Dass bei einer Bestuhlung von über 500 Sitzplätzen allerdings auch die «Turnbänkli» und Schwedenkästen aus dem Materialraum daran glauben mussten, dürfte ein Unterentfeldner Novum gewesen sein.

Insgesamt fanden sich 813 (!) Stimmberechtigte ein. Kein Wunder: Immerhin ging es neben der Jahresrechnung 2025 um die heiss diskutierte Fusion mit der Kantonshauptstadt.

Nachdem Gemeindeammann Alfred Stiner (SP) die wichtigsten Eckdaten des Fusionsvorhabens erläutert hatte, gehörte der Abend den zahlreichen Votanten.

Wie sich zeigen sollte, präsentierte sich Unterentfelden als Gemeinde mit einer diversen und vielfältigen Meinungslandschaft. Den Bitten des Ammanns nach «kurzen und prägnanten» Voten kamen, der Lebhaftigkeit der Diskussion geschuldet, nur wenige nach.

Sollten Unterentfelden und Aarau fusionieren?

Viele Voten drehten sich um die künftige demokratische Teilhabe, sollte sich Unterentfelden Aarau als Stadtteil anschliessen. Ein Fusionsgegner monierte, dass die basisdemokratische Gemeindeversammlung dem Aarauer Einwohnerrat weichen würde – einem Stellvertretermodell, das immer mehr zu einer «Mischung aus Talentshow, Märchenstunde und Parteiveranstaltung» verkommen würde, wie der Votant aus einem «AZ»-Leserbrief der SVP-Einwohnerrätin Sandra Blank zitierte.

Eine Lanze für die Basisdemokratie brach derweil auch Gianluca Sorrentino, Co-Präsident der SP Entfelden: Er plädierte jedoch für ein Ja, damit am 27. September möglichst breit an der Urne abgestimmt werden könne.

Der Polizist, der Schicht arbeite, solle genauso abstimmen können wie die Mutter, die zu Hause das Kind hüten muss. «Demokratie muss so niederschwellig wie möglich sein», konstatierte Sorrentino.

Undemokratisches Verhalten des Gemeinderates?

Für Aufsehen sorgte das Votum eines jungen Unterentfeldners, Mitglied beim Jugendverein Cevi. Der Verein habe sich intensiv mit dem Fusionsvorhaben auseinandergesetzt und daraufhin ein Informationsschreiben verfasst, das Vor- und Nachteile einer Fusion beleuchtete.

Noch bevor das Schreiben an die Mitglieder verschickt werden konnte, erhielt der Vereinspräsident jedoch Post vom Gemeinderat: eine Vorladung zum Gespräch, in dem «unmissverständlich» klargemacht worden sei, dass es «eine Reaktion» geben werde, sollte das Schreiben verschickt werden.

Dem Cevi wäre daraufhin nichts anderes übrig geblieben, als die Füsse stillzuhalten. «Ich kann aber nicht schweigen», hielt das Mitglied unter tosendem Applaus fest. «Nicht, wenn ehrenamtliche Führungspersonen eingeschüchtert werden.»

Gemeinderat Unterentfelden
Der Gemeinderat zeigt sich ob dem Resultat erfreut (v. l.): Yasmin Dätwyler (SVP), Sara Schibli (Die Mitte), Alfred Stiner (SP), Gerda Amberg (FDP), Guido Scherer (FDP). - Joel Dreier

Gemeindeammann Alfred Stiner wies die Vorwürfe entschieden zurück. Es habe weder Druck seitens des Gemeinderates gegeben, noch sei ein Verbot ausgesprochen worden. «Wir haben einfach darauf hingewiesen, dass sich der Verein gemäss seinen Statuten politisch und konfessionell neutral verhalten soll.»

Ein Für und Wider

Ein Mann warf die Idee in den Raum – oder in die Dreifachturnhalle -, dass man doch eher bei Oberentfelden anklopfen sollte als beim Nachbarn Aarau. Immerhin sei man harmonisch zusammengewachsen und habe alte Streitereien beigelegt.

Er stellte die helfende Hand Aaraus in Frage: «Die Aarauer haben ein Verkehrsproblem und Schulproblem» und obendrein auch ein Finanzproblem – der Steuerfuss von 96 % sei nicht zu halten.

Ob die Versammlung glaube, dass die Aarauer viele Millionen Franken für Unterentfeldner Projekte sprechen würden, fragte er rhetorisch. Mit «Vergässed das grad» lieferte er auch prompt seine Antwort.

Engagierst du dich politisch?

Für eine Fusion sprach sich eine mit der Musikgesellschaft Unterentfelden verbandelte Person aus. Gegenwärtig stamme nur ein Drittel der Mitglieder aus Unterentfelden – Auswärtige seien ein immens wichtiger Bestandteil.

«Wir haben schon heute ein starkes Vereinsleben», konstatierte er. Daran ändere sich nichts – das Vereinsleben komme von den Mitgliedern. «Aus Vereinssicht spricht nichts gegen eine Fusion.»

Aus persönlicher Sicht müsse man sich fragen, ob man schlicht bereit sei, mehr Steuern zu zahlen und den «Gürtel enger zu schnallen».

Der Präsident der SVP Unterentfelden, Martin Lötscher, stellte nach den Voten Antrag auf geheime Wahl. Dieser wurde klar abgelehnt. Der Antrag des Gemeinderates auf Zustimmung zum Zusammenschlussvertrag wurde kurz vor 23 Uhr mit 428 Ja- zu 359 Nein-Stimmen angenommen.

Nun befindet am 22. Juni der Einwohnerrat Aarau über das Geschäft. Bestätigt er dieses, kommt es am 27. September zur Urnenabstimmung in beiden Gemeinden.

Stimmen beide zu, wird Unterentfelden per 1. Januar 2028 zum Stadtteil Aaraus.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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