Stadtratskandidat Calvo Salgado in Bülach: «Ich bin gut integriert»

Luís Manuel Calvo Salgado (Grüne Bülach) äussert sich im Gastbeitrag zu Andreas Glarners Frage: «Ein krasses Beispiel schlechter Integration?»

Grüne Bülach Calvo Salgado
Luís Manuel Calvo Salgado ist Fraktionspräsident der Grünen-Partei im Stadtparlament Bülach. - Grüne Bülach

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Post von Andreas Glarner beschert der Grünen-Kampagne Bülach besondere Aufmerksamkeit.
  • Im Gastbeitrag antwortet Luís Manuel Calvo Salgado auf Glarners Frage der «Integration».

Andreas Glarner hat einen Schreibfehler («Stadtrat» statt «Stadtrat») auf dem Plakat der Grünen Bülach für meine Kandidatur für den Stadrat Bülach bei den nächsten Lokalwahlen am 8. März gesehen, ein Bild davon auf X verbreitet und sich dabei gefragt: «Ein krasses Beispiel schlechter Integration?»

Daraus sind eine riesige Menge «Reply» oder «Antworten» entstanden. So viel Aufmerksamkeit für unsere sehr bescheidene Kampagne der Grünen Bülach, was die Investition anbelangt, haben wir noch nie gehabt.

Für diejenigen, die X nicht benutzen: Man klickt einfach auf das Sprechblasensymbol, um eine Nachricht zu verfassen.

PC X Twitter Plattform
Gerne für politische Meinungsäusserungen genutzt: Die Plattform X, vormals Twitter. - Depositphotos

Wenn man KI bei Google zu diesen «Reply» oder «Antworten» bei X fragt, kann man lesen: «Bei politischen Diskussionen auf X in der Schweiz geht es oft um eine Mischung aus sachlichen Argumenten, emotionalen Reaktionen, schnellen Schlagworten, Verweisen auf Medienberichte, gegenseitigen Vorwürfen (zum Beispiel «links-grün versifft» versus «rechts-konservativ»), Meinungsäusserungen zu spezifischen Abstimmungsvorlagen, Kritik an Politikern und Parteien, sowie häufig um die Themen Energie, Migration, Umwelt und Wirtschaft. Der Ton kann von sachlich bis sehr konfrontativ reichen.»

Gut integriert und in zahlreichen politischen Kontexten tätig

Ich will Andreas Glarners Frage beantworten und ihn beruhigen: Ich bin gut integriert, keine Sorge.

In der Lokalpolitik von Bülach bin ich mir gewohnt, in zahlreichen politischen Kontexten, parlamentarischen Kommissionssitzungen und auch als Parlamentarier im Plenum mit Lokalpolitikern der SVP zusammenzuarbeiten, und das klappt bisher immer sehr gut, was die Umgangsformen und die menschlichen Fragen anbelangt, auch wenn wir ganz unterschiedliche Auffassungen in der Politik vertreten.

Andreas Glarner Immunität
Andreas Glarner (SVP) hat einen Schreibfehler auf einem Grünen-Wahlplakat zum Anlass genommen, auf X die Frage nach «schlechter Integration» zu stellen. - keystone

Momentan bin ich sogar Mitglied einer Parlamentarischen Untersuchungskommission vom Bülacher Parlament (was etwas eher Aussergewöhnliches in Parlamenten von Schweizer Gemeinden und etwas Neues in Bülach darstellt).

Die Mitglieder sind zwei SVP-Parlamentarier, eine SP-Parlamentarierin, eine Grüne-Parlamentarierin und ich. Wir arbeiten im Moment intensiv und gut zusammen. Der Präsident der PUK gehört zur SVP.

Auch Roger Köppel gehört zum Bekanntenkreis

Kurz zu meinem privaten und beruflichen Werdegang: Meine Frau ist Schweizerin (eine Bauerntochter übrigens), und wir sind seit 1990 glücklich verheiratet. Sie ist der Grund dafür, dass ich nach Bülach 1988 gekommen bin.

Mein Lizentiatsdiplom für Geschichte, Geographie und Kunstgeschichte der Universität Santiago de Compostela wurde damals nicht anerkannt, und deshalb habe ich nochmals Allgemeine Geschichte, Europäische Volksliteratur und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Zürich auf Deutsch studiert und mit einem Lizentiat abgeschlossen.

In meinem Studium habe ich zum Beispiel Roger Köppel kennengelernt. Andreas Glarner kann ihn gerne nach mir fragen.

Roger Köppel
Roger Köppel. - keystone

Daraufhin habe ich ebenfalls an der Universität Zürich eine Dissertation auf Deutsch von etwa 500 Seiten geschrieben, und danach als Oberassistent am Historischen Seminar derselben Universität lange Zeit gearbeitet. Heute bin ich Geschäftsführer des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich.

CAS-Arbeit behandelt «Ethnic Leadership»

An der Universität St. Gallen habe ich 2022 ein CAS Wirtschaft und Politik für Politiker in der Schweiz abgeschlossen.

Meine Abschlussarbeit behandelte einen Fall von einem erfolgreichen Lokalpolitiker der Grünen Partei Genf mit Migrationshintergrund: «Galicische Einwanderung in die Schweiz und ‹ethnic leadership›: Alfonso Gómez Cruz».

Es ging mir unter anderem darum, seine Geschichte und seinen Erfolg mit der Geschichte und dem Erfolg anderer Stadtpräsidenten mit Migrationshintergrund wie Anne Hidalgo in Paris oder Sadiq Khan in London zu untersuchen. Heute hätte ich natürlich Zohran Mamdani in New York hinzugenommen.

Reaktionen auf X zeigen interessante Aspekte

Die Menge «Reply» oder «Antworten», die aufgrund des X-Beitrags von Andreas Glarner entstanden, zeigt meines Erachtens interessante Aspekte der heutigen Kampagnen in Lokalwahlen in der Schweiz und ist ein Zeichen dafür, wie die Rolle von Lokalpolitikern wahrgenommen wird.

Deshalb möchte ich einige dieser Kommentare hier besprechen. Man kann sie alle online konsultieren, wenn man das X-Konto von Andreas Glarner sucht und seinen Beitrag anschaut.

«Einfach nur ein Tippfehler»

Der erste Kommentar ist bezeichnend: «Also ich bin ja wirklich durch und durch SVP, aber hier handelt es sich einfach nur um einen Tippfehler, der jeder hätte passieren können.» Wir können es bestätigen!

Und übrigens: Auch in diesem Kommentar hat sich ein Tippfehler eingeschlichen, den die Leser sicher bemerkt haben. Wir sind eine kleine lokale Grüne Partei im Zürcher Unterland, mit wenig Geld im Vergleich zu anderen örtlichen Parteien. Und dies auch im Unterschied zu manchen parteilosen Kandidaten für den Stadtrat von Bülach, die sich teure PR-Firmen leisten, um ihre Kampagne durchzuführen.

Die Grünen Bülach machen bei ihrer Kampagne praktisch alles selber, und manchmal passieren Fehler. - Grüne Bezirk Bülach

Wir machen praktisch alles selber, und manchmal passieren Fehler. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Mitgliedern der Wahlgruppe der Grünen Bülach bedanken, die ein enormes Engagement zeigen und ihre Freizeit für diese Kampagne verwenden.

Es gibt ein John Maynard Keynes zugeschriebenes Bonmot, das besagt: «Fehler sind sehr nützlich. Aber nur, wenn man sie schnell findet.» Ganz im Sinne Keynes' können wir nur sagen: Zum Glück haben uns Politiker wie Andreas Glarner so schnell darauf aufmerksam gemacht.

Sprache und Orthographie

Andere Kommentare konzentrieren sich auf ein immer spannendes Thema: Die Sprache und die Orthographie. «Wenn man auf die Rechtschreibung hinweisen muss, hat man keine weiteren Argumente.»

Oder: «Dem Suggestiven (ausländischer Name, Orthographie-Fehler) widerstehen zu können, wäre eine Art, sich selbst in den common sense zu integrieren. In all meinen Jahren Bürobusiness bekämpfte man den Schreibfehlerteufel auf allen Ebenen.»

Und auch mit Ironie: «Korrekt muss es natürlich Stadtrat heissen!» und «Dort wo er kandidiert, nennt man das Parlament den «Stad». Er möchte also Stadtrat werden. Wo ist das Problem?» Und schliesslich: «Das ist sächsisch».

Ein PR-Trick?

Bei anderen Kommentaren wird das Problem des Korrektorats betont: «Das Korrektorat ist Müll. Inkl. Grafiker und Druckerei.»

Und manche vermuten eine Strategie, die es leider wirklich nicht gegeben hat: «Schlaue kostenlose Werbung. Und sie helfen kräftig mit.» Oder: «Das ist ein PR-Trick …».

Kurz aber klar und mit Humor: «Wow, ein Schreibfehler.» Andere wiederum vermuten weitgehendere Integrationsprobleme als beim Kandidaten: «Schlechte Integration der Leute, die das Plakat produziert haben?» Manche kontern: «Gemeinderat, Buntesrad, Stadtrat – foll egal.»

Politischer Kampf auf niedrigem Niveau

Der politische Kampf auf primitivem Niveau ist, wie am Anfang erwähnt, typisch für diese Gattung von Kommentaren und geht hin und her: «Die Grünen werden es inklusive Sprache nennen und dich dann als bigott bezeichnen, nur weil du ein Wörterbuch besitzt.»

Bist du auf X aktiv?

Oder: «Nein, muss so sein, der spricht ja seine Klientel an.» Auf der anderen Seite: «Normale Orthographie eines durchschnittlichen SVPlers.»

Und auf Andreas Glarner bezogen: «Wer nimmt schon GaGaGlarner ernst?» Oder: «Sie schlachten aber auch alles aus!»

Bereit zu Gespräch mit Andreas Glarner

Nach so vielen Beispielen möchte ich aufhören. Wir werden uns bemühen, mehr Zeit für die Korrekturen unserer Plakate für die Lokalwahlen in Bülach zu investieren.

Und ich hoffe, Andreas Glarners Frage zumindest ansatzweise beantwortet zu haben. Ich wäre bereit zu einem Gespräch mit ihm, damit er persönlich hören kann, wie ich spreche, wenn ich auf Deutsch rede.

Sonst kann ich mich gerne mit ihm auf Galicisch, Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch oder Portugiesisch unterhalten. Latein leider nur schriftlich.

Zum Autor

Luís Manuel Calvo Salgado ist Fraktionspräsident der Grünen-Partei im Stadtparlament Bülach.

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