Schnegg verteidigt Jurasitz gegen Herausforderer Gullotti souverän
Der Jurasitz im Berner Regierungsrat bleibt in Händen der Bürgerlichen. Pierre Alain Schnegg (SVP) setzte sich gegen seinen hauptsächlichen Herausforderer Hervé Gullotti (SP) durch. Komplett chancenlos war Tom Gerber (EVP).

Der amtierende Gesundheits- und Sozialdirektor holte kantonsweit 108'022 Stimmen, der Gemeindepräsident von Tramelan musste sich mit 87'956 Stimmen begnügen. Im Berner Jura brachte es Schnegg auf 5363 Stimmen, Gullotti auf 4189.
EVP-Grossrat Tom Gerber aus Reconvilier hätte sich den Jurasitz theoretisch ebenfalls sichern können. Er brachte es kantonsweit aber bloss auf 30'180 Stimmen. Im Berner Jura waren es 1986.
Schnegg zeigte sich gegenüber Keystone-SDA «sehr zufrieden» über seine Wiederwahl. Die Bevölkerung habe auf Grundlage der guten Arbeit des Regierungsrats entschieden. Zur Wahl aller fünf bürgerlichen Kandidierenden habe nicht viel gefehlt.
Ob der Abgang von Moutier einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatte, sei schwer zu sagen, hielt Schnegg weiter fest. Zwar sei die Stadt mehrheitlich links geprägt, verfüge aber auch über eine starke SVP-Basis.
Schnegg ist seit 2016 im Amt. Zuvor war der studierte Wirtschaftsinformatiker lange Zeit Unternehmer. Politisch engagierte er sich zunächst auf kommunaler Ebene. 2014 wurde er in den Grossen Rat gewählt, zwei Jahre später schaffte er in einer Ersatzwahl bereits den Sprung in die Kantonsregierung.
In der Gesundheits-, Sozial- und Integrationspolitik machte sich Schnegg einen Namen als Reformer, beispielsweise bei der Umgestaltung der Spitallandschaft. Er setzte auf Konzentration und Effizienzsteigerung, was zu Umstrukturierungen und Standortdebatten führte. Das brachte ihm nicht nur Freunde ein. Während der Pandemie wurde er als verlässlich und führungsstark wahrgenommen.
Der 53-jährige Hervé Gullotti verpasste den Coup. Er zeigte sich aber zufrieden mit seinem Ergebnis, insbesondere mit den Stimmen, die er ausserhalb des Berner Juras erhielt. «Ich wusste, dass ich unter schwierigen Bedingungen starte», sagte er.
In vier Jahren wolle er erneut kandidieren und den Jurasitz holen. «Die Voraussetzungen werden nicht dieselben sein». Pierre Alain Schnegg hat bereits angekündigt, nicht noch einmal anzutreten.
Gullotti sass von 2017 bis 2024 im Berner Kantonsparlament und war 2021/2022 als Grossratspräsident der «höchste Berner». Seit 2023 ist er Gemeindepräsident von Tramelan.
Er ist der vierte Sozialdemokrat aus dem Berner Jura, der im Kampf um den Jurasitz Schnegg unterlag. Vor ihm zogen bereits Roberto Bernasconi (2016), Christophe Gagnebin (2018) und Peter Gasser (2022) den Kürzeren.
Sowohl Pierre Alain Schnegg als auch Hervé Gullotti bedauerten die geringe Wahlbeteiligung: 33,8 Prozent im gesamten Kanton und 27,8 Prozent im Berner Jura. «Das ist traurig», sagte Schnegg. Laut Gullotti «ist sich ein Teil der Bevölkerung nicht bewusst, wie wichtig es ist, seine Stimme abzugeben».
Der Berner Jura macht seit dem Kantonswechsel von Moutier nur noch 4,4 Prozent der Bevölkerung des Kantons Bern aus. Trotzdem hat die Region weiterhin einen verfassungsmässigen Anspruch auf einen Sitz im Regierungsrat.
Wer den Jurasitz holen will, muss nicht nur die absolute Mehrheit erreichen, sondern auch das beste geometrische Mittel erzielen. Dieses Berechnungssystem gibt einer Stimme aus dem französischsprachigen Teil mehr Gewicht als einer Stimme aus dem übrigen Kanton.
Dabei werden die Stimmen der Kandidierenden für den Berner Jura und den Gesamtkanton getrennt ermittelt und dann miteinander multipliziert. Aus dieser Zahl wird die Wurzel gezogen. Ein Kandidat muss also in seiner Region beliebt sein und gleichzeitig im ganzen Kanton Unterstützung finden.
Das Verfahren wurde 1995 eingeführt und soll verhindern, dass die deutschsprachige Wählerschaft dem Berner Jura ihren Willen aufzwingt. Genau dies geschah 1986: Die Freisinnige Geneviève Aubry verlor gegen den kaum bekannten Kandidaten der Freien Liste, Benjamin Hofstetter, obwohl sie im Berner Jura mehr als doppelt so viele Stimmen erhalten hatte.
In der Kantonspolitik spielt der Jurasitz eine Schlüsselrolle. Denn er entschied in den letzten zwei Jahrzehnten stets die Machtverhältnisse in der Exekutive.
Bis 2016 war er in SP-Händen, Rotgrün stellte die Mehrheit. Dann sorgte Pierre Alain Schnegg für die bürgerliche Wende.






