Raphael Golta: Neuer Stadtpräsident von Zürich im Interview
Gestern übergab Corine Mauch die «Stapi-Büro»-Schlüssel an Raphael Golta. Zum Amtsantritt spricht er über Erwartungen, politische Schwerpunkte und Wehmut.
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Das Wichtigste in Kürze
- Der neue Stadtpräsident von Zürich heisst Raphael Golta.
- Am Dienstag wurden ihm offiziell die Schlüssel für das «Stapi-Büro» überreicht.
- Im Interview spricht er über Erwartungen und politische Schwerpunkte.
- Auch erzählt er, weshalb er an diesen Tag etwas Wehmut verspürt.
Redaktion: Die Erwartungen an das Amt eines Stadtpräsidenten sind sehr unterschiedlich. Eine Aufwärmphase wird es kaum geben, gleichzeitig wird viel in die Person eines Stadtpräsidenten hineinprojiziert. Wie werden Sie versuchen, sich selbst zu bleiben?
Raphael Golta: Ich denke, ich habe eine recht gute Erdung. Meine Frau und meine Kinder sowie mein politisches und weiteres persönliches Umfeld würden mich darauf hinweisen, wenn ich diese zu verlieren drohe. Auch die Erfahrung als Sozialvorsteher wird mir helfen, den Blick fürs Wesentliche zu behalten.
Redaktion: Einerseits geht es in diesem Amt um knallharte Politik, andererseits auch ums Repräsentieren. Wie bringen Sie diese beiden Aspekte zusammen?
Golta: Ich sehe das nicht als Gegensatz. Wenn ich glaubwürdige Politik machen will, so muss ich diese auch gegenüber unterschiedlichsten Menschen und Gruppen erklären und vertreten können. Und wenn ich die Stadt repräsentiere, so stehe ich letztlich auch für die Werte hin, die diese Stadt vertritt.

Redaktion: Sie sind seit 2014 Mitglied des Zürcher Stadtrats, kennen also die politische Arbeit in der Exekutive zur Genüge. Wie werden Sie diese Erfahrung ins neue Amt einbringen?
Golta: Es ist sicher von Vorteil, den Betrieb der Stadt und des Stadtrates schon à fond zu kennen. Anderes wiederum ist auch für mich neu. Meine Erfahrung in einem sehr operativen Departement wie dem Sozialdepartement hilft mir auch dabei, in der Führung des Stadtrates besonderes Verständnis für die Herausforderungen dieser Aufgaben einzubringen.
Redaktion: Was nehmen Sie von der Ära ihrer Vorgängerin Corine Mauch mit und welche neuen Impulse wollen Sie setzen?
Golta: Ich habe zwölf Jahre lang eng mit Corine Mauch zusammengearbeitet. Dafür bin ich dankbar, das prägt und ist eine ausgezeichnete Grundlage für meine weitere Arbeit.
Nach einer Einwärmphase werde ich sicher eigene Duftmarken setzen. Ich bin mit dem Anspruch angetreten, dass Zürich eine Stadt für alle sein soll. Da gibt es noch einiges zu tun. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Wohnpolitik und der sozialen Stadtentwicklung.
Redaktion: Wo sehen Sie im Präsidialdepartement besonderen Handlungsbedarf? Wo liegen in einer ersten Einschätzung die grössten Baustellen?
Golta: Die Sicherung und Schaffung des bezahlbaren Wohnraums brennen der Bevölkerung besonders unter den Nägeln. Da die entsprechenden Fäden beim Stadtpräsidium zusammenlaufen, werde ich mich hier besonders reinknien.
Redaktion: Mit welchem Gefühl verlassen Sie das Sozialdepartement? Was raten Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin?
Golta: Es ist auch eine ordentliche Portion Wehmut dabei. Die Themen und Aufgaben, vor allem natürlich auch die Mitarbeitenden, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Ich bin aber überzeugt, dass das Departement mit Céline Widmer eine tolle Vorsteherin erhält. Sie wird dem Departement ihren eigenen Stempel aufdrücken und hat meinen Rat nicht nötig.
Hinweis
Jan Strobel ist Redaktor beim «Tagblatt der Stadt Zürich».








