Mitte TG – Josef Gemperle: «Im Westen Wil scheint alles möglich!»
Wil West bedeute Kulturlandverschleiss und ginge mit illegaler Enteignung einher. Landwirt und Mitte-Kantonsrat Josef Gemperle sagt Nein. Ein Gastbeitrag.

Das Wichtigste in Kürze
- Wil West führe zur angeordneten Zerstörung von Fruchtfolgeflächen.
- Landwirt und Mitte-Kantonsrat Josef Gemperle sagt Nein zur drohenden Enteignung.
- Es gelte für die seit Generationen kultivierten Äcker und Wiesen einzustehen.
Im Westen Wil scheint alles möglich! Investor, Bewilligungsbehörde, Projektentwickler, Generalunternehmer, Gewährer von Steuererleichterungen, Sponsor, Enteigner und Rekursinstanz!
Um was geht es?
Für die Erweiterung der Inertstoffdeponie der Firma Zürcher (Hauptsponsor WPO) im Westen Wils gibt der Kanton TG als Bewilligungsbehörde grünes Licht für Waldrodungen im grossen Stil.
Die kleinen Waldbesitzer reiben sich die Augen, sie fällen keinen Baum ohne Genehmigung des Försters. Angrenzend will der Kanton Thurgau auch das Generationenprojekt Wil West umsetzen, ohne Mitwirkung des Volkes.

Er ist auch Hauptsponsor der langjährigen sehr teuren Werbekampagne Wil West und der Kanton TG enteignet gleichenorts 25'000 Quadratmeter Land zu seinen Gunsten. Fruchtfolgeflächen, Privatbesitz, um seiner eigenen Ökoersatzpflicht nachzukommen.
Warum enteignet der Kanton private Besitzer?
Der Bund und die Kantone St.Gallen und Thurgau sind sich auf ihren Webportalen einig, Fruchtfolgeflächen sind die am besten geschützten Flächen, ihr Bestand muss gesichert werden.
Die beiden Kantone haben ihre Hausaufgaben im Bereich FFF nicht gemacht, es gelten noch strengere Bestimmungen. Und warum begibt sich der Kanton in die Illegalität und enteignet den privaten Besitzer?
Hier meine mit viel Zeitaufwand verbundenen Recherchen: «Wenn das nicht freiwillig geht, werden wir enteignen.» Das sagt Der zuständige Thurgauer Regierungsrat in der «Kommission zum Grundstücksgeschäft Wil West».
Angeordnete Zerstörung von Fruchtfolgeflächen
Weil Wil West massive Eingriffe zu Lasten der Natur bewirkt, muss dies ersetzt werden. Für das ganze Areal von 33 Hektaren kantonaler Nutzungszone in Wil West beträgt der ökologische Ersatz- und Ausgleichsbedarf 7,5 Hektaren.
4,5 Hektaren Ausgleich werden durch Dachbegrünungen erfüllt. Die Ersatzfläche fehlt, man nimmt sich dafür das über 2,5 Hektaren grosse Gebiet Länzenbüel zwischen den Geleisen und dem Wald vor Wil.

Dieses gilt als Fruchtfolgefläche FFF für die Ernährung in Krisenzeiten. Der Ackerboden wird dort mit Baggern abgetragen, 0,5 Hektaren davon werden zu Strassen und Velowegen, 2 Hektaren zu sandiger Oberfläche, Brachland mit Büschen und Steinhaufen und so weiter!
Wil West führt zur angeordneten Zerstörung von Fruchtfolgeflächen. Doch die mit viel Steuergeld ausgestattete Prokampagne macht uns glaubhaft, dass kilometerlange Wegkarren von wertvollem Humus mit Hunderten Lastwagenfahrten und das Zuführen von Stein und Sand sei ökologisch.
Nein zu Wil West
Der Acker Länzenbüel ist heute in privater Hand, Pächter ist ein Thurgauer Bauer. Länzenbüel gehört zwingend zu Wil West und wird gemäss Kommissionsprotokoll enteignet.
Wenn Wil West kommt, gehen über 23 Hektaren Landwirtschaftsland verloren, im Länzenbüel werden 2,5 Hektaren FFF zerstört, obwohl bereits heute in den Kantonen TG und SG 1018 Hektaren rechtmässig eingezonte, noch nicht überbaute Flächen in Gewerbe- und Industriezonen bereit sind zum Überbauen. Wenn das nicht illegal ist!
Bäuerinnen und Bauern, jetzt müssen wir zusammenhalten. Stehen wir ein für unsere Äcker und Wiesen, die wir seit Generationen hegen und pflegen und die Bevölkerung ernähren.
Nein zu diesem neuesten Enteignungs-Exzess und Nein zum Kulturlandverschleiss in Wil West!
Zum Autor
Josef Gemperle (*1960) ist Landwirt aus Fischingen. Der Familienvater ist seit 2004 Kantonsrat für Die Mitte TG und seit 2024 Präsident der ständigen Kommission Klima, Energie, Umwelt.








