Appenzellerland

Herisauer Gemeinderat: Für Sandra Nater ist erst einmal Schluss

Andreas Lehmann
Andreas Lehmann

Herisau,

Herisauer Gemeinderat: Sandra Nater beendet nach 13 Jahren ihre politische Laufbahn. Im Interview blickt sie auf Kämpfe, Niederlagen und ihr neues Leben zurück.

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Sandra Nater freut sich auf mehr Familienzeit und zieht sich im Frühjahr aus der Politik zurück. - ale

Sesselrücken im Herisauer Gemeinderat. Nach dem Gemeindepräsidenten Max Eugster hat auch die Gemeinderätin Sandra Nater signalisiert, dass sie im Mai nicht mehr zu den Erneuerungswahlen antreten wird.

Im Interview spricht sie über ihren Entscheid, die prägenden Momente ihrer politischen Laufbahn und darüber, worauf sie sich nach dem Abschied von der Politbühne freut.

Redaktion: Sandra Nater, nach 13 Jahren im Herisauer Gemeinderat und mehreren Jahren im Kantonsrat treten Sie im kommenden Frühjahr nicht mehr an. Was war ausschlaggebend für Ihren Entscheid?

Sandra Nater: Nach 13 Jahren im Gemeinderat und mehreren Jahren im Kantonsrat ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, Verantwortung weiterzugeben. Natürlich spielt dabei auch der zeitliche Aufwand eine Rolle.

Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass sich neue Menschen einbringen und die Möglichkeit erhalten, Verantwortung zu übernehmen und neue Impulse zu setzen. Es ist ein bewusster Entscheid von mir – und ich gehe diesen Schritt mit einem guten Gefühl.

Sandra Nater blickt mit einem guten Gefühl auf 13 Politjahre im Gemeinde- und mehrere Jahre im Kantonsrat zurück.
Sandra Nater blickt mit einem guten Gefühl auf 13 Politjahre im Gemeinde- und mehrere Jahre im Kantonsrat zurück. - ale

Redaktion: Das bedeutet also einen vollständigen Rückzug aus der Politik? Oder schliessen Sie ein späteres politisches Engagement nicht aus?

Nater: Ich durfte in den vergangenen Jahren einiges bewegen und mich mit viel Herzblut für unseren Ort einsetzen. Ausschliessen darf man nie etwas – sag niemals nie. Doch für mich ist heute klar, dass ich mich im Spät-Frühling von der Politbühne zurückziehen werde.

Redaktion: In Ihrer Mitteilung schreiben Sie von «manchmal kämpfen, manchmal vermitteln, manchmal loslassen». Wann mussten Sie in Ihrer politischen Laufbahn am meisten kämpfen – und wann mussten Sie lernen, loszulassen?

Nater: Kämpfen musste ich in verschiedenen Politgeschäften. Wir «fighten» im Gemeinderat, was wichtig und gut ist, wenn man gemeinsam Ziele erarbeiten und weiterentwickeln möchte.

Ein anderes Kämpfen war vor fünf Jahren, als ich gegen Max Eugster um das Präsidium antrat. Das war, obwohl ich nicht gewonnen habe, lehrreich und zukunftsweisend.

Redaktion: Wie blicken Sie heute auf diese Kandidatur zurück?

Nater: Positiv. Max Eugster und ich konnten auch im Nachgang zur Wahl immer gut zusammenarbeiten. Wir pflegen stets eine offene und ehrliche Kommunikation. Mit Niederlagen muss man auch in der Politik umgehen können.

Redaktion: Bis 2021 waren Sie im Ressort Soziales und bis heute im Ressort Hochbau/Ortsplanung. Wo sind Sie mehr beheimatet?

Nater: Die Ressorts sind unterschiedlich und können so nicht miteinander verglichen werden. Was ich aber sagen kann: Ich bin stets offen für Neues und der Wechsel zum Ressort Hochbau war ein guter Entscheid.

Herisau
Blick auf das Gemeindehaus in Herisau. - keystone

Ich konnte mich auf neue Aufgaben fokussieren und mit meinem Team u.a. die Ortsplanung mitgestalten und entwickeln.

Redaktion: Viele Begegnungen und Geschichten werden Sie an Ihre Politlaufbahn erinnern. Gibt es einen Menschen oder eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Nater: Viele Begegnungen sind mir in bester Erinnerung geblieben. Ich möchte dabei niemanden speziell hervorheben. Manche Begegnungen haben mich politisch, andere auch ganz persönlich und emotional tief berührt. Diese Erinnerungen möchte ich weiterhin in meinem Herzen bewahren.

Redaktion: Politik bedeutet auch, viel Zeit für andere Menschen aufzuwenden. Was musste in Ihrem eigenen Leben wegen Ihrer politischen Ämter manchmal zurückstehen?

Nater: Meine und die Familienzeit. Aber ich denke, mit einem guten Zeitmanagement kann man einiges wieder wettmachen. Nun beginnt ein neues Kapitel, das mir wieder mehr Raum für meine Familie und mich gibt – darauf freue ich mich sehr.

Würdest du selbst für ein politisches Amt kandidieren?

Redaktion: Das Pensum eines Gemeinderates ist mit 30 Prozent deklariert. Ist das für eine Gemeinde dieser Grösse noch zeitgemäss?

Nater: Das ist eine sehr politische Frage, die wir schon oft diskutiert haben. Ich möchte dem nicht vorgreifen, bin aber der Meinung, dass die Pensums-Frage sowie die Anzahl Gemeinderäte wieder einmal grundsätzlich diskutiert werden sollte.

Redaktion: Gab es Momente, in denen Sie nach einer Sitzung oder einer politischen Auseinandersetzung nach Hause gingen und dachten: «Warum tue ich mir das eigentlich an?»

Nater: Ja. Wenn man sich ehrlich reflektiert, darf und soll es solche Momente auch geben. Genau das gehört für mich zur Arbeit in einem Gremium: für etwas zu kämpfen, wofür man einsteht, aber gleichzeitig zu akzeptieren, wenn die Mehrheit fair und demokratisch anders entscheidet.

Redaktion: Und umgekehrt: Was waren die Momente, in denen Sie ganz besonders gespürt haben: Genau dafür mache ich Politik?

Nater: Politik für die Bevölkerung zu machen, Herisau mitzugestalten und weiterzuentwickeln, war immer mein Credo. In den vergangenen 13 Jahre haben sich viele Puzzleteil zusammengefügt, bei denen ich mir sagen durfte: «Das ist eine gelungene Sache.» Genau solche Momente haben mir gezeigt, warum ich Politik mache.

Herisau AR
Herisau AR. - Nau.ch / Simone Imhof

Redaktion: Sie sagen ausdrücklich: «Noch ist es nicht Zeit für den Rückblick.» Was möchten Sie in Ihrer verbleibenden Amtszeit unbedingt noch erreichen, bevor Sie im Frühjahr 2027 endgültig den politischen Staffelstab weitergeben?

Nater: Die Dossiers mit meinem tollen Team weiterbearbeiten. Meine Arbeit engagiert und mit einer positiven Haltung zu Ende führen. Wichtig ist mir, Verantwortung bis zum letzten Tag wahrzunehmen.

Redaktion: Sie schreiben von einem «neuen Kapitel». Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten, wenn die politische Agenda einmal nicht mehr Ihren Kalender bestimmt?

Nater: Zeit mit der Familie verbringen. Ich werde mit positiven Gedanken auf meine Politjahre zurückblicken und bin gespannt, was Neues kommt.

Redaktion: Wenn Sie am Ende Ihrer Amtszeit nicht als Politikerin, sondern einfach als Sandra Nater auf diese 13 Jahre zurückblicken: Was bleibt Ihnen persönlich?

Nater: Ich habe eine wunderbare Zeit gehabt, mit all den Begegnungen und den Menschen, die mich begleitet haben.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Herisauer Nachrichten» erschienen.

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