«Gisi»-Besetzer in Winterthur wollen trotz Ultimatum nicht gehen
Die langjährigen Besetzerinnen und Besetzer der «Gisi» in Winterthur haben nicht vor, auszuziehen. Die Besitzerin gab ihnen ein Ultimatum, das am Freitag abläuft. Das Haus an der General-Guisan-Strasse ist seit 1997 besetzt.

«Gisi bleibt»: Mit dem altbekannten Schlachtruf der Besetzer-Szene signalisieren die Bewohnerinnen und Bewohner des am längsten besetzten Hauses in Winterthur, dass sie nicht weg wollen.
«Wir bleiben, auch wenn es eine Strafanzeige gibt», sagte ein Aktivist am Freitag vor den Medien. Die SKKG, die Stiftung des verstorbenen Immobilienmoguls Bruno Stefanini, plant, in der «Gisi» am Rand der Winterthurer Altstadt Wohnungen zu bauen.
Schon 2023 stellte die Terresta, die Verwaltung der Liegenschaft, klar, dass das Haus renoviert und keine Besetzung mehr geduldet werde. 2025 kündigte sie ein Baugesuch an.
Die Terresta stellt sich auf den Standpunkt, dass es ein Zeichen der Fairness sei, auch gegenüber den regulären Mietern, die sich an die Rechte und Pflichten eines Vertragsverhältnisses halten würden.
Die Terresta will die Besetzung aber auch deshalb beenden, weil es wegen Veranstaltungen und Konzerten immer wieder Beschwerden aus der Nachbarschaft gibt. Zudem gebe es unabsehbare Haftungsrisiken durch die illegale Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudes.
Auch der Brandschutz ist gemäss Terresta ein Problem: Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana wurde das Erdgeschoss, in dem Konzerte veranstaltet werden, kontrolliert. Dabei wurden diverse Mängel festgestellt.
Über die Konsequenzen gehen die Meinungen allerdings diametral auseinander. Die Besetzer sind der Meinung, genug gemacht zu haben, um die Vorgaben einzuhalten. Die Terresta ist anderer Meinung.
Also kam es zum Ultimatum auf Ende Juli. Nach Ablauf will die Besitzerin Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs stellen – die Grundlage für die Räumung eines besetzten Hauses. Dennoch beharren die «Gisi»-Bewohner darauf, im Haus zu bleiben.
Zielen sie auf eine Konfrontation mit der Polizei ab? Die Besetzerinnen sagen, sie wollten weiter verhandeln. «Wir wollen keine Räumung», sagten sie. Nur: «Die SKKG hat nicht auf unser Gesprächsangebot reagiert», sagten die Besetzer vor den Medien. Die SKKG wiederum sagte, sie sei bereit für weitere Verhandlungen.
Die Besetzer würden sich gegen «die Gewalt, die von der SKKG» kommt, wehren, sagten sie weiter. Ob sie selber Gewalt anwenden würden, beantworteten sie am Freitag nicht. Gewalt sei bisher «nur von der SKKG angedroht» worden.
Die «Gisi» sei ein wichtiger Wohn- und Kulturraum für Menschen mit wenig Geld, sind sie überzeugt. Den Brandschutz sehen die Besetzerinnen als Vorwand für einen Räumungsgrund. Es gebe noch kein Baugesuch, die Räumung würde auf Vorrat erfolgen.
Laut Terresta gibt es bisher tatsächlich nur eine vereinfachte Baueingabe, allerdings deshalb, weil sie keinen Zutritt zum Gebäude erhielt. Für den Freitagabend kündigen die Besetzer eine Party an, es gibt «Küche für alle» und Cabaret im Innenhof.






